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RN-Serie

13.05.2015

Drei gestrenge Herren mit Frauenquote

Jetzt kommt die Zeit der Eisheiligen. Ob die Bienen trotzdem von Blüte zu Blüte fliegen werden?
Bild: Herbert Dettweiler

Die Eisheiligen lehren uns Menschen und die Natur oft das Frösteln. Daran hat auch eine Kalenderreform nichts geändert

Die Eisheiligen sind ganz besondere Heilige in unserem Kalender, treten diese doch in geballter Kraft in Erscheinung: Vier Tage hintereinander bestimmen sie zumindest für Berufs- und Hobbygärtner und Landwirte allerlei Arbeiten in Haus und Hof. In den klaren Nächten besteht Frost- und besonders Bodenfrostgefahr, was dazu führen kann, dass bereits blühende Obstbäume geschädigt werden. Ab Mitte Mai nimmt die Wahrscheinlichkeit für diese Wetterlage ab.

Die Eisheiligen Pankratius, Servatius und Bonifatius werden auch als die „drei gestrengen Herren“ bezeichnet. Die „Kalte Sophie“ am Ende dieser Kälteperiode sorgt ein bisschen für die Frauenquote.

Jeder Tag ist einem anderen Heiligen gewidmet. Deren Namenstage werden in diesem Zeitraum gefeiert. Bei uns in Süddeutschland liegen diese Tage vom 12. bis zum 15. Mai, in Norddeutschland einen Tag früher und beginnen dort mit dem heiligen Mamertus. Dies wohl deshalb, weil diese kalte Luftströmung aus dem Norden Europas kommt, zuerst Norddeutschland und erst ungefähr einen Tag später unsere Breiten erreicht. Ein weiterer Grund für diese Ungenauigkeit liegt auch darin, dass sich seit der Kalenderreform von Papst Gregor VIII. im Jahr 1582 diese Tage um eine Woche nach vorn verschoben haben, eben auf diese heute so benannten Heiligentage, die Kältephase jedoch weitgehend gleich blieb. Übrigens sollten diese kalten Tage aber nicht mit der „Schafskälte“ Anfang Juni verwechselt werden, die nach sommerlichen Temperaturen noch einmal kühle und regnerische Tage bringen kann.

Der 11. Mai ist also nach Mamertus benannt, der von 461 bis 477 Erzbischof der Stadt Vienne in Ostfrankreich war und diese allein durch sein Fürbittgebet bei einer Feuersbrunst vor größerem Schaden bewahrte.

Der 12. Mai gilt dem Märtyrer Pankratius, der im vierten Jahrhundert in Rom als Märtyrer hingerichtet wurde. Am 13. Mai gedenkt man des Bischofs Servatius von Tongern in Belgien, gestorben 13. Mai 384 in Maastricht. Bei Bonifatius handelt es sich nicht um den berühmten Bischof Bonifaz, der den Sachsen im achten Jahrhundert das Christentum brachte, sondern um einen Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert, der in Tarsus aus Glaubensgründen hingerichtet wurde. Bleibt schließlich noch am 16. Mai die „Kalte Sophie“. Die heilige Sophia starb im zweiten Jahrhundert in Rom als Märtyrerin.

Die ungewöhnliche Wetterlage war so auffällig, dass etliche Reime überliefert sind: „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ – „Pankratius und Servatius bringen oft Kälte und Verdruss“ – „Servaz muss vorüber sein, willst du vor Nachtfrost sicher sein“ – „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost“ – „Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt‘ Wetter bringt“.

Und zu guter Letzt noch eine Weisheit aus dem nahen Oberbayern: „Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.“

Interessanterweise ist keine einzige Rieser Kirche nach einem Eisheiligen benannt und auch in den Gotteshäusern sind dem Kreisheimatpfleger keine dieser Heiligen bisher untergekommen. Gern aber ließe er sich vom Gegenteil überzeugen (Telefon 09082/2562).

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