Newsticker
Stiko will Empfehlung zum AstraZeneca-Impfstoff in Kürze ändern
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Eger wird Einbrecher zum Verhängnis

Justiz

16.01.2019

Eger wird Einbrecher zum Verhängnis

Der Einbrecher sprang in die Eger und wollte Flüchten.
Bild: Denis Dworatschek

Plus Zwei Männer wollen ihre Schulden tilgen, indem sie Geld bei einem Einbruch erbeuten. Sie werden ertappt und nehmen einen ungewöhnliche Fluchtweg.

Der Einbrecher wird seinen Einfall in der Gerichtsverhandlung später als „Schnapsidee“ bezeichnen. Der 55-Jährige und sein 46-jähriger Komplize waren beide knapp bei Kasse. Der Einbrecher musste seine Schulden abzahlen, die sich wegen seiner Liebe zu einer Prostituierten angehäuft haben, seinem Komplizen entging ein großer Auftrag für seine Firma. Als sich die beiden eines Abends trafen, schmiedeten die Freunde einen verhängnisvollen Plan. Sie wollen in ein Nördlinger Sanitätshaus einbrechen, um schnelles Geld zu erbeuten.

Es war der Abend des 11. Mai 2017. Die Freunde fuhren mit dem Auto zum Sanitätshaus. Im Kofferraum: Brecheisen, Funkgeräte, verschiedene Werkzeuge und Sturmmasken. Der Jüngere beobachtete die Lage vor dem Gebäude, während der Ältere Türen aufhebelte und die Räume des Sanitätshauses nach Bargeld und Wertgegenständen durchsuchte. Was weder der Komplize noch sonst jemand zu dem Zeitpunkt wusste: Der 55-Jährige stieg nicht zum ersten Mal in ein fremdes Gebäude ein. Ende des Jahres 2013 verschaffte er sich Zugang zur Lebenshilfe in Nördlingen und erbeutete rund 750 Euro. Ein Jahr später stahl er einen kleinen Tresor mit rund 300 Euro aus einem Wohnhaus. Im Februar 2015 zog er nach einem Einbruch ohne Beute aus Alerheim ab. Die drei Taten wurden bis zu jener Mainacht am Nördlinger Sanitätshaus einer unbekannten Person zugeordnet.

55-Jähriger versucht Verfolger mit Pfefferspray und Brecheisen abzuwimmeln

Der geübte Einbrecher fand an diesem Abend eine Geldkassette mit mehr als 2300 Euro. Dann funkte ihn sein Mittäter an: Wachmänner waren auf das Gelände vorgefahren. Der 55-Jährige ergriff die Flucht zu Fuß, doch ein Sicherheitsmann nahm seine Fährte auf. Der Flüchtende wollte ihn mit einem Pfefferspray abwimmeln. Als das verpuffte, griff er nach seinem Brecheisen und schlug wild um sich. Daraufhin zog sich der Wachmann zunächst zurück. Der Flüchtende versteckte seine Beute und sprang in die Eger. Als er an Land schwamm, nahmen ihn die Sicherheitsmänner fest, bis die Polizei eintraf. Sein Komplize flüchtete mit dem Auto. Er wurde nur wenig später von einer Polizeistreife angehalten. Ihn verriet das Funkgerät auf dem Beifahrersitz.

Zeitgleich durchsuchten Beamte die Wohnung des 55-jährigen Angeklagten. Sie fanden eine Flinte, ein Gewehr, verschiedene Messer und Nunchakus – Schlagwaffen aus Asien. Außerdem überführte die Kriminalpolizei den Mann anhand seiner DNA der Einbrüche in den vergangenen Jahren.

Angeklagter vergleicht seine Waffensammlung mit Modelleisenbahnen

Am Mittwoch dieser Woche müssen sich die beiden vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Nördlingen verantworten. Die Angeklagten räumen zu Beginn der Verhandlung ihre Taten vollumfänglich ein. Der Komplize sagt, dass er sich schämt und es nur wegen des Geldes gemacht habe. Seine Firma hatte damals einen Auftrag im hohen fünfstelligen Bereich. Der platzte jedoch, da das Partnerunternehmen insolvent ging. Der 55-Jährige sieht sich als Getriebener, der in einer finanziellen Notlage steckte. Sein Geld gab er für die Prostituierte aus, die ihn letztlich sitzen ließ. Er hatte zu dem Zeitpunkt Schulden in Höhe von 50000 Euro. Dann fragt die Vorsitzende Richterin Ruth Roser, weshalb er so viele Waffen in der Wohnung lagerte. „Es ist bei mir wie bei einem Sammler von Modelleisenbahnen“, beginnt der Angeklagte den Satz, ehe ihn die Richterin unterbricht. „Es fehlt am Bewusstsein“, sagt sie. Denn Waffen seien da, um Menschen zu töten. Das könne man nicht mit einer Modelleisenbahn vergleichen.

Männer ersparen aufwendigen Prozess

Durch das Geständnis der Angeklagten ersparen sie dem Gericht einen aufwendigen Prozess, bei dem 15 Zeugen angehört werden sollten. Staatsanwalt Benjamin Junghans sieht keinen Zweifel an der Schuld der Männer und fordert eine zweijährige Bewährungsstrafe und eine Geldauflage für den Komplizen sowie eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten für den Einbrecher. Die Verteidiger Peter Hubel und Martin Lang fordern Bewährungsstrafen für ihre Mandanten.

Richterin Ruth Roser verurteilt den Jüngeren zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung und einer Geldauflage von 5000 Euro. Der Ältere muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren