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RN-Serie

10.12.2017

Ein Berg bestimmt den Ortsnamen

Hohenaltheim ist das Pendant zu Niederaltheim.
Bild: Dettweiler

Wallerstein bedeutet „Wohnstätte am Burgfelsen“. Bühl geht auf eine althochdeutsche Bezeichnung zurück.

 Wir haben bisher kennen gelernt, dass Ortsnamen meistens aus einem Grundwort besteht wie Bach und See, Haus (-ingen, -heim) und Hof, Stein und Fels, Berg und Tal; dazu kommt allermeist noch ein Bestimmungswort, damit die ungeheure Anzahl an Ortsnamen gut voneinander unterschieden werden kann. In diesem Abschnitt soll es nun um Orte gehen, deren Namen irgendwie mit „Berg“ zu tun haben. Da ist zunächst Berg bei Donauwörth selbst zu nennen, dem kein weiteres Wort zugeteilt wurde. Auch Bühl, Gemeinde Alerheim, ist hier zu nennen. Es blieb im Laufe der Jahrhunderte beim althochdeutschen „buhil“, mittelhochdeutsch „bühel“ und wandelte sich nur unmerklich zu „Bühl im Ries“, wie auf alten Postkarten zu lesen ist, da es allein in Bayern an die 20 Orte mit dem gleichen Namen gibt. Im Gegensatz dazu hat Dinkelsbühl ein Bestimmungswort dazu bekommen. Der Name Bühlhof bei Harburg dürfte auch in Anlehnung an eine Anhöhe gebildet worden sein. Anders verhält es sich mit Bühlingen, denn bei diesem ingen-Ort muss das „bühl“ von einem alemannischen Personennamen, etwa „Bil“ (=der Sanfte), kommen.

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Den Ortsnamen Wallerstein hat die Sage zu einem „Wellenstein“ gemacht, der aus dem Riessee heraus geragt haben soll. Doch die Geschichte weiß es besser: 1228 hieß der Ort noch „Stainhein“, 1266 dann „Steinheim“, aber auch schon „Walerstein“. Das Grundwort ist also Stein, Fels, Burg, was auf den Kalkfelsen hindeutet. Das Bestimmungswort jedoch bezieht sich nicht auf Wasser und Wellen, sondern offensichtlich auf den Personennamen „Walher“. So bedeutet der Name von Wallerstein „Wohnstätte am Burgfelsen“. Auch Bollstadt am äußeren, südlichen Riesrand gelegen, darf zu dieser Gruppe gezählt werden, denn das „boll“ ist sprachverwandt mit „buhil“. Die bei Christgarten liegende Hoppelmühle und der kleine Ort Bosacker (Acker am Berg) ordnet Christian Mayer 1887 in diese Gruppe ein.

Ein Paradoxon ost Thalberg

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Eindeutiger sind da Namen wie Heuberg, Albuch bei Hürnheim und Eitersberg bei Fremdingen, Hochhaus und Hochstadt. Alle diese Namen deuten auf eine erhöhte Lage des Ortes hin, die tatsächlich ja auch gegeben ist. Ein Paradoxon ist der Name „Thalberg“, doch scheint diese Anhöhe „Berg bei der Thalmühle“ zu bedeuten.

Hohentrüdingen, Hohenaltheim und Obermagerbein setzen sich ein wenig von diesen anderen Ortsnamen ab, denn alle drei Orte haben in der Nähe ein Pendant: Wassertrüdingen, Niederaltheim, sowie Burg- und Untermagerbein bedurften einer näheren Bestimmung. Hochaltingen dürfte nicht dazu zählen, denn sonst müsste es auch ein „Niederaltingen“ geben. Hier heißt der alte Namen „Haheltingen“ und in der Mundart sagt man „Holde“. Da es sich um einen ingen-Ort handelt, darf man davon ausgehen, dass hier eine Person, ein Hoholt, Haholt oder Haold sein Gehöft gegründet hat.

Auch der Zusatz „auf“ weist auf eine Siedlung auf einer Anhöhe hin: Aufhausen an der Kessel, Aufhausen an der Eger oder Aufkirchen am Hesselberg sind da zu nennen. Dieses „auf“ ist nicht zu verwechseln mit „au“ (von aqua, Wasser).

Bleiben zum Schluss noch die Namen auf „berg“. Ein Spielberg bei Mauren, das andere auf dem Hahnenkamm bei Gunzenhausen. Beide haben ihren Namen sicher nicht von einem Spielplatz oder ähnliches sondern dürften in ihrer Bezeichnung das lateinische „specula“ haben, das nicht nur Spiegel bedeutete, sondern auch im Sinne von Späheplatz ( weit schauen) verwendet wurde.

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