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08.06.2018

Ein Meteor kracht auf die Erde

Detailansicht aus der Schedel’schen Weltchronik zum Ensisheim-Meteoriten. Der Druck stellt das Fallereignis sowie die Fundlage in dem Weizenfeld zwischen Ensisheim und Battenheim dar.
Bild: Sammlung Dr. Sachs

Wie entstand das Ries? Und sind Himmelskörper eigentlich selten?

Im ersten Teil unserer Serie zur Riesentstehung haben wir über die Landschaft und die Lebewelt vor dem Ries-Ereignis berichtet. Zu dieser Zeit bahnte sich weit draußen im Weltall bereits eine Katastrophe an, die unseren paradiesischen Landstrich im Wortsinn „auf den Kopf stellte“. In einer mondlosen Nacht sehen wir am Himmel ein scheinbar festes und unveränderliches Bild aus Sternen, Planeten und Monden. Plötzlich huscht lautlos aufblitzend eine Sternschnuppe durch das Bild. Woher? Wohin?

Tatsächlich ist der interplanetare Raum – also der Raum zwischen den einzelnen Planeten des Sonnensystems – nicht wirklich leer. Dort gibt es viele Objekte verschiedener Größe: kosmischen Staub, Mikrometeoriten, Meteoroiden, Asteroiden und Kometen. Kosmischer Staub und Mikrometeoriten treffen ständig mit Geschwindigkeiten von 11 bis 72 Kilometer pro Sekunde auf die Erde. Die Atmosphäre bremst sie auf normale Fallgeschwindigkeit ab, und die Mikrometeoriten rieseln wie Staub auf die Erde und kommen dort auf der Oberfläche zum Liegen. Deutlich seltener wird die Erde von planetaren Kleinkörpern wie Meteoroiden getroffen. Treten sie in die Erdatmosphäre ein, so bilden sich spektakuläre Meteore, Feuerkugeln oder Boliden mit eindrucksvollen Leuchterscheinungen. Weil sie größer sind, dringen sie wesentlich tiefer in die Erdatmosphäre ein und können von Rauch- und, beziehungsweise oder, Schallphänomenen begleitet werden. Gerade das helle Aufblitzen in Verbindung mit einem lauten Krachen oder Donnern hat die Beobachter früherer und heutiger Zeiten sehr verstört.

Am 7. November 1492 wurde im weiten Umkreis der elsässischen Stadt Ensisheim und in Teilen der Schweiz eine gewaltige Explosion wahrgenommen. Der gefundene Steinmeteorit war vor seinem Eintauchen in die Atmosphäre wohl mehr als 127 Kilo schwer und schlug ein rund ein Meter tiefes Loch in eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die Leuchterscheinung und vor allem die heftigen Schallerscheinungen erregten ein großes Aufsehen in der ganzen Region. Heute wiegt er noch 53,83 Kilo und sein Einschlag ist der älteste, durch Zeugen dokumentierte Meteoritenfall in Europa. Spätestens seit er 1493 mit Beschreibung und Abbildung in die Schedel’sche Weltchronik (siehe Bild) aufgenommen wurde, ist der Ensisheimer Meteorit in ganz Europa berühmt geworden.

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Ursprünglich kann ein Meteoroid aus dem Asteroidengürtel, von einem Kometen, von Zusammenstößen oder Impaktereignissen auf größeren Asteroiden, Monden oder Planeten stammen. Tritt ein Meteoroid in die Erdatmosphäre ein, dann wird er durch die Reibung mit der Luft abgebremst, beginnt zu schmelzen und schließlich zu verdampfen, wodurch ein intensives Leuchten entsteht. In dieser Phase wird er als Meteor, Bolide beziehungsweise Feuerkugel bezeichnet. Ein kleiner Meteor verglüht als Sternschnuppe beziehungsweise als Feuerkugel in der Atmosphäre, ein größerer kann als Einzelmeteorit oder, wenn er auseinanderbricht, als Meteoritenschauer den Sturzflug durch die Erdatmosphäre überstehen und den Erdboden erreichen.

Ein wirklich großer Meteorit oder Asteroid ist, solange Menschen auf der Erde leben, noch nicht auf die Erde gefallen. Der bekannte Fall des Asteroiden, der den Chicxulub-Krater in Mexiko mit einem Durchmesser von circa 180 Kilometer verursacht hat, ist wohl vor circa 66 Millionen Jahren niedergegangen. Ihm schreibt man das Aussterben der Saurier zu, also eine globale, weit katastrophalere Auswirkung als beim kleineren Ries-Impakt.

In Deutschland wurden bislang nur 49 offiziell anerkannte Meteorite gefunden, zuletzt am 6.3.2016 bei Stubenberg in Niederbayern. Dieser war – wie der Ensisheimer – beim Einschlag vollständig erhalten geblieben. In Süddeutschland gibt es bisher nur zwei große und etwa gleich alte Meteoritenkrater: das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken. Es spricht manches dafür, dass beide durch einen großen Asteroiden, der von einem kleineren Satelliten beziehungsweise Mond begleitet wurde, verursacht wurden.

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