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Porträt

27.01.2019

Ein Munninger ist im Ries daheim, aber in Brasilien zu Hause

Bernd Renner, Prof. Carlos Luciana und Georgia (von links) bei einem Besuch in Nördlingen.

Bernd Renner aus Munningen macht in Brasilia seine Doktorarbeit. Was ihn an Südamerika reizt.

Der Drang, andere Länder und Leute kennen zu lernen, ist der große Antrieb von Bernd Renner: „In meinem Heimatort Munningen fühle ich mich wohl, aber es zieht mich immer wieder hinaus“, sagt er. So studierte er nach seinem Abitur 1996 am Oettinger Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) Tourismus und verbrachte erst einmal zwei Jahre in England. Danach arbeitete er in Deutschland für eine Telekommunikations-Firma, aber das Fernweh trieb ihn für ein Jahr „work and travel“ nach Kanada. Dort lernte er Carlos Luciano Coutinho kennen, heute Professor im Campus Planaltina der Universität Instituto Federal de Brasilia. Er besuchte den Professor, blieb ein Jahr in Brasilien, machte zunächst den Master-Abschluss und derzeit seine Doktorarbeit in angewandter Sprachwissenschaft an der Universität der Landeshauptstadt Brasilia.

Erfahrungsaustausch mit Pädagogen

Schon oft besuchten ihn Professor Coutinho und Georgia Frange vom Centro de Ensino Especial do Guara in Deutschland. Kürzlich arrangierte Bernd Renner einen Erfahrungsaustausch der Pädagogen an seiner alten Schule in Oettingen (wir berichteten), wobei er sich selbst fasziniert zeigte vom neuartigen Konzept der Lernlandschaften. Renner will nach dem Abschluss seiner Doktorarbeit als Sprachlehrer für Deutsch und Englisch in Brasilien arbeiten und behält dafür das Oettinger Konzept durchaus im Hinterkopf: „Es wird kaum möglich sein, das gesamte System einer Einrichtung überzustülpen, aber man kann klein anfangen.“ Gerade die Komplexität erlaube es, einzelne Elemente, die individuell gut passen, herauszugreifen und in der alltäglichen Arbeit umzusetzen.

Ähnlich sieht es Prof. Coutinho für seinen Lehrbereich; er will die Lernmethode auch seinen Kollegen nahe bringen. Im Gespräch weist er auf den wesentlichen Unterschied des brasilianischen zum deutschen Schulsystem hin: Es gibt keine verschiedenen Schularten wie Hauptschule oder Gymnasium, sondern nur eine Schulart für alle. Die drei letzten Jahre sind gehobenes Level wie die amerikanische Highschool in Verbindung mit einer Berufsschule. Wer entsprechende Noten hat, kann auf die Universität. Das ist nicht der einzige Unterschied in den Gesellschaften: „Ich war sechs Jahre lang Student hier in Brasilien, habe aber noch lange keinen Überblick, wie alles läuft“, sagt Renner. So komme es wohl auch, dass vom neuen Präsidenten Jair Bolsonaro in Europa ein ziemlich verzerrtes Bild angekommen sei von einem Radikalen, der den Urwald abholzen und die indigenen Stämme vertreiben wolle.

Bolsonaro: Objektiv gesehen ein Mann, der Misständen klare Grenzen ziehen will

„Er will untersuchen lassen, inwieweit die bereits von internationalen Konzernen zerstörten Flächen nutzbar gemacht werden können und die vielen indigenen Völker entscheiden lassen, inwieweit sie in ihren Traditionen leben oder Schulen, Krankenhäuser und andere Errungenschaften annehmen wollen“, so Professor Coutinho. Generell sei die brasilianische Politik in rechts und links polarisiert, ohne Mittelfeld. Also werde ein Präsident von der Gegenseite immer radikalisiert dargestellt. Bolsonaro sei objektiv gesehen ein Mann, der Missständen klare Grenzen ziehen will, zum Beispiel der immensen Korruption. Davor fürchten sich viele Politiker im Lande, die ihn verunglimpfen. Oder, daraus resultierend, dem Krankenwesen: „Im Krankenhaus wartet man derzeit 18 bis 20 Stunden auf eine normale Behandlung“, sagt Coutinho. Ein Problem sei eher, dass der Präsident in vier Jahren Amtszeit nicht genug ändern könne. Bernd Renner freut sich jedenfalls auf die nächsten Jahre in Brasilien.

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