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Historie

23.06.2017

Ein Museum mit langer Geschichte

Vor 1933 war das sogenannte „Reichsstadtmuseum“ im Rathaus in Nördlingen untergebracht. Gezeigt wurden auch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung.
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Vor 1933 war das sogenannte „Reichsstadtmuseum“ im Rathaus in Nördlingen untergebracht. Gezeigt wurden auch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung.

Das Nördlinger Stadtmuseum war einst im Rathaus untergebracht

Die Sammlung des Nördlinger Stadtmuseums, die – wie der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss nach einem Besuch schrieb – „Neid erwecken kann“, feiert am heutigen 23. Juni ihr 150-jähriges Bestehen. Das Stadtmuseum gehört damit nicht nur zu den ältesten Museen in Bayern. Es nimmt auch aufgrund seines kostbaren und reichhaltigen Bestandes eine Sonderstellung ein. Im Laufe von 150 Jahren entwickelte sich die Institution vom altehrwürdigen „Reichsstadtmuseum“ zum modernen „Stadtmuseum“, das trotz seines Alters quicklebendig ist.

1866 legte der Nördlinger Lateinschullehrer Ludwig Müller auf Wunsch des Magistrats eine Sammlung stadtgeschichtlicher Relikte und kostbarer Gemälde an, die am 23. Juni 1867 unter dem Namen „Reichsstadtmuseum“ in zwei Räumen des Rathauses eröffnet wurde. Kern der Sammlung waren die entliehenen Tafelbilder aus der St.-Georgs-Kirche und zahlreiche Objektspenden aus der Bevölkerung. Nördlinger Bürger trennten sich in dieser Zeit von Bildern, Geschirr, Poesiealben, Waffen und vielem anderen mehr, um die Geschichte ihrer Heimatstadt zu dokumentieren.

Der Zeitpunkt dieser Museumsgründung ist bemerkenswert: Nach dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (1852/53) und dem Bayerischen Nationalmuseum (1854) gehört das Stadtmuseum Nördlingen zu den frühesten Museumsgründungen in Bayern. In einer Zeit wachsenden Nationalbewusstseins wurde die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte zur nationalen Aufgabe und das Museum zur Volksbildungsstätte. Dem stadtgeschichtlichen Museum im Rathaus folgte 1914 ein vor- und frühgeschichtliches Museum, das der Nördlinger Pharmazierat und Sammler Dr. Ernst Frickhinger im Erdgeschoss des Leihhauses einrichtete. Umfangreiche Grabungen im Ries und zahlreiche Bodenfunde machten diese zweite Ausstellung möglich, die Frickhinger 1919 durch seine Privatsammlung bereicherte. Drängende Enge in den Ausstellungsräumen und Platzbedarf im Rathaus hatten zur Folge, dass ab den 1940er Jahren intensiv nach einem geeigneten Gebäude für beide Sammlungen gesucht werden musste. Das zunächst vorgesehene Hafenhaus brannte 1955 während der Umbauarbeiten zum neuen Museum ab. Vier Jahre später zog das neue Stadtmuseum gemeinsam mit der archäologischen und der geologischen Sammlung in die ehemaligen Räume des Stiftungskrankenhauses im Spitalbezirk ein.

Die Exponate des Stadtmuseums sind über die Grenzen des Landes hinaus bekannt und werden, wie z. B. das Luther-Porträt von Lukas Cranach, immer wieder für große Sonderausstellungen angefragt. Einige der Objekte durften nach eingehender Prüfung durch den Restaurator bereits nach Paris, Brüssel, Helsinki, Luxemburg, Italien und sogar nach Mallorca reisen. Nachdem das Museumsgebäude bereits 1987/88 eine gründliche Außensanierung erfahren hatte, wurden in den Jahren 1994/95 weite Teile im Inneren renoviert und die vor- und frühgeschichtliche Abteilung erneuert. 1997/98 folgte in einem weiteren Bauabschnitt die stadtgeschichtliche Ausstellung, 2009 die Aktualisierung der Informationen zur „Schlacht bei Nördlingen“. 2017 machte das Museum den vorerst letzten Schritt in die moderne Museumswelt. Die Sanierung des Erdgeschosses brachte nicht nur notwendige technische Neuerungen, einen barrierefreien Zugang und moderne Medien. Zum Reformationsjubiläum präsentiert das Museum auch eine neue Dauerausstellung, die die wertvollen Gemälde mit der Geschichte Nördlingens verbindet und die Zeit vom Mittelalter bis in die Reformation hinein darstellt.

Von der einstigen Sammlung im Rathaus sind die Objekte und einige wertvolle Vitrinen verblieben. Präsentation und Arbeitsweise des Museums haben sich dagegen grundlegend verändert. Während Kindern 1908 der Zutritt noch explizit verboten war, versteht sich das Stadtmuseum heute als Einrichtung, die allen uneingeschränkt zugänglich sein möchte. Hörstationen bieten einen akustischen Zugang und machen Inhalte verständlich. Es gelingt jedes Jahr, die Sammlung zu erweitern, den Objektbestand zu dokumentieren und Forscher mit Material zu versorgen.

Das Stadtmuseum erfuhr in den vergangenen Jahren große Unterstützung und Wohlwollen aus der Bevölkerung. Daher gibt es am Sonntag, 2. Juli von 13.30 bis 16.30 Uhr eine Geburtstagsfeier. Neben der neuen Ausstellung gibt es nostalgische Bilder aus der Geschichte des Nördlinger Museums, Kaffee, Geburtstagskuchen, Musik und einiges mehr. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

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