Newsticker

Koalitionsausschuss einigt sich auf milliardenschweres Konjunkturpaket
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Ein Schritt führte zum anderen – bis ins Ries

Ederheim

01.12.2017

Ein Schritt führte zum anderen – bis ins Ries

Pfarrerin Karin Schedler suchte nach jahrzehntelangem Stadtleben in der Rieser Natur und dem Dorfleben Ruhe und neue Konzentration auf ihre Kernaufgabe der Seelsorge.
Bild: Ronald Hummel

Der Weg der neuen Ederheimer Pfarrerin Karin Schedler führte konsequent aus der Stadt aufs Land. Allerdings waren dazu auch ein paar Umwege notwendig

Pfarrerin Karin Schedler, die kürzlich ihr Amt in den evangelischen Kirchengemeinden von Ederheim, Hürnheim und Christgarten übernahm, kommt aus einem ungewohnten christlichen Umfeld: Sie entstammt nicht einer „Pfarrersdynastie“, aber ihr Vater bewies dennoch einen starken Glauben.

Als Kriegsflüchtling landete er in der DDR, wurde Ingenieur in hoher Funktion und wollte studieren. Das verwehrte Staatschef Ulbricht ihm aber in einer „Säuberungsaktion“, in der gläubige Christen von akademischen Würden und Ämtern ferngehalten wurden. So ging der Vater kurz vor dem Mauerbau in den Westen; Karin Schedler wurde in Stuttgart geboren und wuchs in Ulm auf. „Hier erlebte ich eine bodenständige Frömmigkeit“, erzählt sie, aber an den Beruf der Pfarrerin verschwendete sie noch keinen Gedanken. Auch nicht, als sie engagiert der landeskirchlichen Jugendgruppe beitrat und 16-jährig mit der Gitarre in der Hand in Ulm „Leute zum Glauben bekehrte“, wie sie sich lachend erinnert. Über den Religionsunterricht in der Schule fand sie Zugang zu philosophischen Inhalten und vor allem die Musik brachte sie noch näher an die Religion – vor allem, als sie nach dem Erlernen mehrerer Instrumente Orgelunterricht im Ulmer Münster nahm. Sie wollte Kirchenmusik studieren, wovon ihr der Physiklehrer beim Abitur dringend abriet: „Das ist nichts für sie, da können sie in der Kirche nichts entscheiden oder bewirken.“

Ein Pfarrer setzte den ersten Impuls und riet ihr, Pfarrerin zu werden, weil sie so gut mit Menschen reden und umgehen konnte – schon bei der Amtseinführung in der Ederheimer St. Oswald-Kirche versprühte sie ihre herzliche, offene und ansteckend lebensfrohe Art. Sie studierte in Erlangen Theologie, Slawistik und Musik und als es darum ging, sich beruflich zu orientieren, absolvierte sie ein Vikariat in Fürth. Besonders das Unterrichten von Kindern lag ihr, also wurde sie Schulpfarrerin und blieb es 13 Jahre lang. Zu Beginn dieser Zeit bekam sie ihr erstes Kind, ihren Mann Jochen Thiel, der als Zahnarzt arbeitet, hatte sie schon in Erlangen kennengelernt. Als sie die Stellenausschreibung zur geschäftsführenden Pfarrerin in der Neu-Ulmer Petruskirche sah, bewarb sie sich, da sie damit ihren Horizont an Menschen, die sie erlebte, erweitern konnte. Zehn Jahre wirkte sie hier, wobei in der Musik nach wie vor ihr Herzblut lag. Doch mit der Zeit spürte sie ein Problem, das in der Kirche weit verbreitet ist – die Verwaltung lenkte sie zusehends von der seelsorgerischen Tätigkeit ab; sie hatte sich allein baulich um 13 Gebäude und Räume zu kümmern, wobei ihre Hauptaufgabe in der Renovierung der Pfarrei lag. „Die Gottesdienste kamen mir vor wie ein Hobby neben der Arbeit“, bringt sie es auf den Punkt. Und wieder beschritt sie Stück für Stück ihren weiteren Weg: Die Sehnsucht nach Ruhe und Natur wurde stärker; vor zwei Jahren nahm sie eine Auszeit als Hirtin auf einer Hochalpe im Tessin.

„Im Nachhinein zeichnete sich da ein Paradigmenwechsel in meinem Kopf ab“, weiß sie heute. Sie schaut beim Gespräch aus dem Fenster ihres Amtszimmers über die Riesebene östlich von Ederheim, wo sich in der Ferne eine dicke Nebelschwade aus dem Wald heraus auf die Ruine Niederhaus zubewegt – genau in diesem Bild liege die Antwort, wo es sie hinzog. „Ich habe mich von der Kirchen-Karriere verabschiedet, konzentriere mich wieder mehr auf die Menschen und entdecke gerade das Dorfleben.“ Sie ist sehr beeindruckt von den Menschen in ihren neuen Gemeinden, erlebt sie im Vergleich zu den großen Städten als viel engagierter für die Kirche, sehr selbstbewusst, offen, voller hintergründigem Humor. Und sie sieht eine Zufriedenheit, wie sie sie noch nicht kannte. Bei einem Geburtstags-Besuch sagte sie zur Jubilarin: „Machen Sie sich heute einen schönen Tag.“ „Ich mache mir jeden Tag einen schönen Tag“, kam als Antwort.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren