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Architektur

10.09.2019

Ein Stück Rieser Handwerk in Norwegen

So soll das neue Nationalmuseum in Oslo aussehen (rechtes hinteres Gebäude, links neben der Baumreihe), das die Architekten Jan Kleinhues und Klaus Schuwerk entworfen haben. Den Naturstein Estremoz für die Außenfassade bearbeitet die Wallersteiner Firma Seeberger.
Bild: MIR (illustr)/Statsbygg

Der Wallersteiner Steinmetz Stefan Seeberger und sein Team sind am Bau des neuen Nationalmuseums in Oslo beteiligt. Was das Besondere an ihrer Arbeit ist.

In dem Gebäude sollen einmal Design, Handwerk und visuelle Kunst aus vielen Jahrhunderten zu sehen sein. Beim Bau des neuen Nationalmuseums im norwegischen Oslo spielt ein Rieser Unternehmen eine wichtige Rolle: Die Wallersteiner Firma Seeberger fertigt den Naturstein für die Außenfassade.

Selbst für den erfahrenen Steinmetz Stefan Seeberger ist das eine Herausforderung. Der 47-Jährige sagt von sich selbst, ihn habe der „Steinvirus“ gepackt. Manchmal verfluche er das Material, dann liebe er es wieder. „Was wir produzieren, das bleibt. Das ist Geschichte“, sagt Seeberger. Er arbeitet seit 32 Jahren in der Natursteinbranche. Sein Unternehmen, das er von seinem Vater übernommen hat, war unter anderem am Bau der Zentralbank in Kuwait, aber auch bei der Gestaltung der Fenstergläser hinter dem Altar der Augsburger St. Moritzkirche beteiligt.

Nationalmuseum Oslo: Auftrag ist nur im Team machbar

Während Natursteinplatten normalerweise maximal 2,90 Meter lang sind, musste Seeberger für das Osloer Projekt in neuen Dimensionen denken: Manche Steinscheiben müssen nun über 3,20 Meter lang sein. Es sei schwierig gewesen, das passende Rohmaterial zu finden, sagt der Rieser. Mal sei der Natursteinblock zu kurz gewesen, dann habe die Farbe nicht gepasst. Mehr als 200 Tonnen Rohmaterial benötigt Seeberger für den Auftrag.

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Insgesamt entstehen 1132 sogenannte Scheiben, also Natursteinplatten. Dabei verarbeitet die Wallersteiner Firma 3200 Quadratmeter Dünnstein. So ein Auftrag sei nur mit seinem Team machbar, sagt Seeberger. Er habe deshalb auch zuerst mit seinen Mitarbeitern gesprochen, bevor er zugesagt habe. Momentan beschäftigt die Firma zehn Festangestellte und drei Aushilfskräfte.

Seeberger hat nach eigener Aussage ein einzigartiges Verfahren entwickelt, „um Projekte, die mit Naturstein eigentlich nicht machbar sind, machbar zu machen“. Er erklärt, dass jede Natursteinplatte zwei Zentimeter dick ist. Seine Firma habe eine Technik entwickelt, bei dem die Steinplatten auf beiden Seiten beschichtet und dann mit einem speziellen Verfahren gespaltet werden. Die Vorteile: die doppelte Menge an Naturstein und weniger Gewicht. „Ich liebe es, wenn Architekten Probleme haben“, sagt Seeberger und lacht. Dann könne er versuchen, Lösungen zu finden, wie zum Beispiel Naturstein für Innen- und Außenfassaden.

Seeberger verwendet Estremoz für die Außenfassade des Museums

Für das Nationalmuseum in Oslo wird Estremoz verwendet. Diesen Marmor aus Portugal haben sich die Architekten gewünscht, sagt Seeberger. Dadurch würden tolle Lichteffekte entstehen: Tagsüber scheine Licht durch den Naturstein und erhelle so das Innere des Museums. Wenn abends und nachts dann im Museum die Beleuchtung an ist, strahlt das Licht nach außen. Jan Kleinhues, einer der Architekten, sagte in einem Beitrag von Statsbygg, der norwegischen Behörde für öffentliches Bauen, dass der Unterschied der Jahreszeiten in das Gebäude einfließen sollte: Wenn es im Winter außen dunkel ist, soll das Museum nach außen strahlen, im Sommer sei es genau andersrum.

Steinmetz Stefan Seeberger zeigt eine der Scheiben für die Außenfassade des Museums in Norwegen. Sie wiegt 625 Kilogramm.
Bild: Anja Ringel

Den Auftrag für das Nationalmuseum in Oslo hat Seeberger über sein Netzwerk bekommen. Die Zentralbank in Kuweit sei der Durchbruch gewesen, sagt der Wallersteiner. Das Besondere an der Gestaltung des Gebäudes sei die Decken- und Wandkonstruktion gewesen. Diese sei als Dreieck aus Naturstein und Glas konzipiert worden. Nach diesem Projekt hätten immer öfter Architekten und Glasfassadenunternehmen bei ihm angefragt. So auch dieses Mal. Neben Seeberger sind noch zwei weitere schwäbische Unternehmen aus Gersthofen am Projekt beteiligt.

Zunächst werden die Natursteinplatten vom Steinbruch in Portugal nach Wallerstein transportiert, erklärt der Steinmetz. Nachdem seine Firma die Platten bearbeitet hat, kommen sie nach Gersthofen. Dort werden von den beiden Firmen noch verschiedene Glassorten an den Naturstein angebracht. Die fertige Konstruktion werde dann in Lastwagen nach Norwegen transportiert. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er bereits rund 70 Prozent der Arbeiten erledigt. Produziert werden die Scheiben in Nördlingen, den Hauptsitz hat Seeberger in Wallerstein. Ende Oktober müssen die Platten dann fertig sein, denn bis Ende des Jahres soll die Außenfassade stehen. Zur Eröffnung im kommenden Jahr wird Seeberger dann nach Oslo reisen, um sich seine Arbeit vor Ort anzusehen.

Ein Originalstück der Fassade zeigt Seeberger anlässlich des Wallersteiner Herbstmarktes am Sonntag, 15. September.

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