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Wissenschaft

30.07.2019

Ein Stück aus dem Weltall

So sieht der Stubenberg-Meteorit aus – flach und schwarz. Zwei Männer haben das 1320 Gramm schwere Gestein aus dem All im Waldboden gefunden. Der Freundeskreis des Rieskratermuseums will den Stubenberg-Meteoriten kaufen.
Bild: Katja Münch

Plus 2016 finden zwei Männer in Niederbayern 1320 Gramm Gestein aus dem All. Den sogenannten Stubenberg-Meteoriten will der Förderverein des Rieskrater-Museums kaufen.

Vor etwas mehr als drei Jahren erhellte eine Feuerkugel den dunklen Nachthimmel. Es gibt ein Foto von diesem Augenblick, aufgenommen hat es ein gewisser Pavel Spurny in Tschechien. Ein gleißend heller Lichtstrahl ist darauf zu sehen, der nach unten hin dicker wird – und dessen Ziel eindeutig die Erdoberfläche ist. Auf manche Zeitgenossen mag dieses Bild bedrohlich wirken, Diplom-Geologe Dr. Oliver Sachs dagegen strahlt, wenn er es betrachtet. Denn das Foto dokumentiert, wie ein Meteorit in die Erdatmosphäre eintritt.

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Beobachtet wurde dieses Ereignis 2016 nicht nur von Spurny, sondern auch von vielen anderen – das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum verfüge über ein ganzes Netz von Stationen, sagt Sachs. Doch es seien die Tschechen gewesen, die ein sogenanntes Fallgebiet für den Meteoriten berechneten und damit voraussagten, wo der auf der Erde aufkommen würde: in Niederbayern, zwischen Ering und Stubenberg. Ursprünglich sei das Gestein mehrere Hundert Kilogramm schwer gewesen, erklärt Sachs, doch beim Eintritt in die Erdatmosphäre sei das meiste Material verglüht, der Meteorit zerbrochen. Umso bemerkenswerter war ein Fund, den zwei Männer am 1. April 2016 machten. Sie entdeckten in etwa 14 Zentimeter Tiefe in einem Waldboden ein 1320 Gramm schweres Stück des Gesteins aus dem All – den sogenannten Stubenberg-Meteoriten. Und genau den will Sachs, Vorsitzender des Vereins Freunde des Rieskrater-Museums, den beiden Findern jetzt abkaufen – um ihn dann im Museum ausstellen zu können.

Es gibt nur sieben belegte bayerische Meteoriten

Nun sind Meteoriten nicht unbedingt Schnäppchen. Und was bei einem Auto das Lederlenkrad ist, ist bei einem Meteoriten der beobachtete Einschlag. Zudem haben die beiden Finder auch noch einen Quader um das Loch herum ausgegraben, in dem der Stubenberg-Meteorit lag – das macht die ganze Sache noch einzigartiger. 190000 Euro seien als Preis veranschlagt, sagt Sachs. Die beiden Verkäufer könnten noch mehr verlangen, meint der Experte – so sei ein deutscher Meteorit zersägt und grammweise verkauft worden. Pro Gramm könne man problemlos 300 Euro verlangen. Es gebe überhaupt nur sieben belegte bayerische Meteoriten, manche davon seien im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen oder zerstört worden, so Sachs. Und somit ist der Stubenberg mit 1320 Gramm und 190000 Euro doch wieder ein faires Schnäppchen. Vor allem, wenn man dessen Alter bedenkt: Dieses Gestein aus dem All, so schätzen Forscher, ist sagenhafte 4,6 Milliarden Jahre alt – älter als unsere Erde. Es besteht aus verschiedenen Materialien, manche davon gibt es auf der Erde nicht, etwa Troilit. Der Meteorit stamme ursprünglich aus dem Asteroidengürtel vor dem Jupiter, sagt Sachs. Ganz vereinfacht gesagt fliegt dort das Gestein herum, das noch aus der Zeit der Entstehung unseres Sonnensystems stammt. Wenn Sonne, Venus, Erde und Jupiter auf einer Linie seien, sagt Sachs, könne dass beispielsweise dazu führen, dass im Asteroidengürtel zwei Gesteine aufeinanderprallen – und eines davon dann eine andere Laufbahn einnimmt. Der Meteorit, der bei Stubenberg einschlug, hätte auch mit dem Mars „zusammenstoßen“ können, doch es traf am Ende die Erde: „Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher, als dass ein Meteorit einschlägt“, meint Sachs trocken.

Ein Stück aus dem Weltall

Er hat bereits einige Unterstützer gefunden, die den „bayerischen“ Meteoriten auch in Bayern halten wollen, 150000 Euro hat der Freundeskreis bereits zusammen. Zu den Spendern gehören Unternehmen wie Arlt, KS oder Hipp, aber auch die Raiffeisen-Volksbank Ries Stiftung, die Sparkassen-Stiftung Nördlingen, die Fritz-und-Liselotte-Hopf-Stiftung, der Rotary Club Nördlingen und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) – um nur einige zu nennen. Sachs hofft auf weitere Spender: „Das Ziel ist, dass wir die Summe bis zum Oktober zusammenhaben.“ Der Stubenberg-Meteorit würde doch gut zum Neuschwanstein-Meteoriten passen, meint Sachs. Der ist bereits im Rieskrater-Museum in Nördlingen ausgestellt.

Spenden-Konten: Raiffeisen-Volksbank Ries, IBAN: DE04 7206 9329 0000 0795 45 oder Sparkasse Nördlingen DE30 7225 0000 0015 1278 71

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