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Nördlingen

08.10.2019

Ein etwas anderer Erntedankgottesdienst

Am festlich geschmückten Altar präsentieren Kinder ihre selbstgedichteten Dankesverse.
Bild: Silke Hampp

In der Nördlinger St. Georgskirche wird ein etwas anderer Erntedankgottesdienst gefeiert. „David als Dichter“ beschließt die Themenreihe der Kirchengemeinde.

Der Mäuserich Frederick sitzt auf einem Stein und scheint das Leben zu genießen, während alle Mitglieder der Mäusefamilie fleißig Vorräte für den langen Winter sammeln. Die anderen Mäuse sind sauer, weil Frederick nicht mithilft. Doch er sammelt auch: Er fängt die Sonnenstrahlen ein, die Farben und die Wörter. Als im langen, kalten und grauen Winter die Vorräte schwinden und der Frühling nicht in Sicht ist, holt Frederick seine Sammlung hervor. Seine Worte werden zu einem hoffnungsvollen Gedicht, die Erinnerungen an die Sonnenstrahlen wärmen das Herz und die bunten Farben schmücken alles festlich aus.

Als Diakon Michael Jahnz mit dieser Mäuse-Geschichte in den Gottesdienst startet, ist klar, dass in der Nördlinger St. Georgskirche ein etwas anderer Erntedank gefeiert wird. Gedankt wird für Vieles in diesem Gottesdienst: für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die die Nördlinger Gemeinde so bunt werden lassen wie Fredericks Mäuse-Erzählung. Kinder danken für ihre verständnisvollen Großeltern, für ihre Lego-Bausteine, die so viel Spaß machen und für die nervenden Geschwister, die eigentlich doch ganz okay sind.

Die Menschen der Bibel sprachen in Bildern aus ihrer Lebenswirklichkeit

In zwei Gruppen hatten die Buben und Mädchen unterschiedliche Gründe zusammengetragen, für die sie dankbar sind. Und mutig tragen sie ihre dazu ausgestalteten und selbstverfassten Dankesgedichte vor. Kurze, nachdenkliche und witzige Verse, die zu Recht viel Applaus erhalten. Musikalisch gestaltet die Kinderkantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Knauer den Gottesdienst.

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Pfarrer Philipp Beyhl spricht zum Abschluss der Predigtreihe im Davidjahr über König David als Dichter. Wie würde sein Psalm 23 „Der gute Hirte“ wohl aussehen, wenn David nicht Schafhirte, sondern Bäcker gewesen wäre? Und wie würden die Verse heute lauten? Die Menschen der Bibel sprachen in Bildern aus ihrer Lebenswirklichkeit. Beschreibungen aus dem Alltag lassen sich leicht merken. So auch David, der als kleiner Junge die Tiere des Vaters hüten musste und in seinen Psalmen auf diese Alltagsbilder zurückgreift.

Die Zeiten haben sich geändert

Doch die Zeiten haben sich geändert, so Pfarrer Philipp Beyhl, und die Bilder auch. Und er macht Mut, seine Phantasie spielen zu lassen und nach neuen unkonventionellen Bildern zu suchen. Schüler der Nördlinger Liselotte-Nold-Schule hätten hier ganz wunderbare Vergleiche gefunden: „Gott ist für mich wie ein Hubschrauber. In brenzligen Situationen kommt er und holt mich raus.“ Oder: „Gott ist wie eine Pizza. Viel drauf, lecker und alle werden satt.“

Es gelte, neu über den Glauben nachzudenken, so Beyhl, und darüber, was Gott für jeden Einzelnen bedeutet. „David war ein Dichter, aber wir dürfen es auch sein.“

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