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Vortrag

16.05.2012

Ein fast vergessener Unternehmer

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2 Bilder
So sah das Firmengelände des Nördlinger Steinmetzunternehmens Koppel aus. Rechts ist die Bahnlinie nach Dinkelsbühl zu sehen, im Hintergrund die Richtung Oettingen und Gunzenhausen.

Rolf Hofmann erinnert an den Steinmetzbetrieb von Max Koppel

Nördlingen Wenn man die Namen bekannter Nördlinger Zeitgenossen aufzählt, kommt man nicht unbedingt gleich auf die Familie Koppel. Max Koppel war vor gut 100 Jahren ein Unternehmer, der mit seinem Steinmetzbetrieb nahe des Bahnüberganges an der Nürnberger Straße in ganz Süddeutschland aktiv war und sich in der Branche einen Namen geschaffen hat. Im Rahmen der diesjährigen Rieser Kulturtage beschäftigte sich der Stuttgarter Rolf Hofmann in einem Vortrag mit Lichtbildern im Sparkassensaal mit dem Leben und Wirken des Handwerksmeisters.

Sohn eines Glasermeisters

Koppel wurde 1840 als Sohn des Glasermeisters Joseph Koppel in Kleinerdlingen geboren und übernahm nach bestandener Meisterprüfung das Geschäft seines Vaters, entschied sich dann jedoch bald für den Beruf eines Bildhauers und Steinmetzes. Bereits 1870 lieferte er Grabsteine für die jüdischen Friedhöfe in Pflaumloch und später in Augsburg und München. 1876 ließ er sich mit seinem Partner Abraham Mehring in der Kämpelgasse am Berger Tor in Nördlingen nieder.

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Gute Geschäfte nach dem Krieg

Die nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 einsetzende „Gründerzeit“ bescherte der Bauindustrie im Deutschen Kaiserreich gute Geschäfte, und damit auch dem Unternehmen Koppel. Ein Lehrling aus dieser Zeit war Hieronymus Müller aus Utzmemmingen, der sich später in seinem Heimatort als Steinmetz selbstständig machte. Seine Ur-Ur-Enkelin Karin Müller ist heute noch in Utzmemmingen als Steinmetzmeisterin tätig.

Ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung der Koppel’schen Natursteinfabrikation war laut Hofmann der Bau einer großen Fabrikanlage vor dem Löpsinger Tor im Jahre 1898 unmittelbar am heutigen Bahnübergang Richtung Oettingen. Errichtet wurde die Anlage in Ziegelbauweise durch Bauunternehmer Carl Heuchel. Der Firmenstandort war strategisch gut gewählt, weil damit der Anschluss an die Bayerische Staatseisenbahn möglich wurde, wodurch Natursteinprodukte aller Art schnell und bruchsicher an Orte in den Königreichen Bayern und Württemberg verschickt werden konnten. Nach dem Krieg und dem Tod von Seniorchef Max Koppel habe die Natursteinbranche in den Folgejahren unter dem im gesamten Deutschen Reich brachliegenden Wirtschaftsgeschehen gelitten, erklärte Hofmann. „Der „Schwarze Freitag“ im Jahr 1929 machte den wirtschaftlichen Erfolg auch bei Koppel endgültig zunichte. Zwar seien seinerzeit noch Grabsteine auf jüdische Friedhöfe geliefert worden, jedoch mit abnehmender Zahl. Als weiteren Einschnitt nannte der Referent das Jahr 1934, als Sohn David verstarb. 1935 wurde die Fabrikanlage an die Firma Steinacker & Hartmann verkauft, die dort ihre bisher in der Vorderen Gerbergasse angesiedelte Schuhfabrikation fortsetzte und damit 40 Arbeiterinnen ein Auskommen in wirtschaftlich schwieriger Zeit ermöglichte. David Koppels Bruder Emil zog ins Haus der Buchhandlung Sommer in der Reimlinger Straße. 1941 verstarb er schließlich.

Einer der größten Arbeitgeber

Nachdem die noch in wesentlichen Teilen vorhandene Fabrikanlage von „Max Koppel & Söhne“ künftig zu Wohnzwecken genutzt werden soll, könne dieser Komplex glücklicherweise erhalten bleiben, so Rolf Hofmann. Damit würden Erinnerungen an eine Zeit aufrechterhalten, in der Koppel mit bis zu 60 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber Nördlingens war.

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