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Lesung

07.06.2017

Ein inspirierender Abend

Wolfgang Huber thematisierte bei einer Lesung „Glaubensfragen“.
Bild: Wörlen

Wolfgang Huber spricht über das Thema „Glaubensfragen“

Einen inspirierenden Abend erlebten die Zuhörer bei der Vorstellung des neuesten Buches von Wolfgang Huber in Nördlingen, einem der bekanntesten Repräsentanten des deutschen Protestantismus, emeritierten Professor der Theologie, Bischof i. R. der Evangelischen Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz. Sein Werk trägt den Titel „Glaubensfragen – Eine evangelische Orientierung“, zu dem das Evangelische Bildungswerk Donau-Ries in Kooperation mit dem Nördlinger Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing und der Buchhandlung Lehmann eingeladen hatte.

Wolfgang Huber hob als Erstes hervor, dass zur 500-jährigen Wiederkehr des Wittenberger Thesenanschlages erstmals kein deutscher nationaler Festtag begangen werde. Es sei ein weltweites Gedenken, das weit über den „wohltemperierten“, traditionsverwachsenen mitteleuropäischen Protestantismus mehr Gläubige erreichen werde.

Während sich auf der katholischen Seite die Einsicht Bahn bricht, dass es keinen haltbaren theologischen Grund gegen die Frauenordination gibt, wird sie beispielsweise von der lutherischen Kirche in Neuseeland abgelehnt und von der lutherischen Kirche Lettlands zurückgenommen. Andererseits, so Huber, wurde von katholischen Gesprächspartnern beanstandet, dass die Wiederkehr des Thesenanschlages kein Anlass für ein Jubiläum sei, sondern allenfalls für ein gemeinsames Gedenken. Die Bezeichnung „Reformation“ anstelle des vorwurfsbehafteten Ausdrucks „Glaubensspaltung“ wurde hingegen akzeptiert.

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„Katholisch“ im Sinn von „allumfassend“ und „evangelisch“ im Sinn von „auf das Evangelium gegründet“ sind laut Wolfgang Huber keine Konfessionsbezeichnungen zur gegenseitigen Abgrenzung, sondern missionarische Verheißungen einer Einheit, die nicht Uniformität bedeutet, sondern Gemeinsamkeit in gelebter Verschiedenheit. Weniger die Ungeduld wegen uneingelöster Forderungen (gemeinsames Abendmahl) sollte ihm nach im Vordergrund stehen, sondern die Freude über das praktisch Erreichte, wie die Anerkennung der Taufe und die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtsfertigungslehre“.

Vornehmlich aus dem Studium des Römerbriefs gewann Martin Luther die Erkenntnis, dass es nicht um Gerechtigkeit „vor“ Gott geht, die durch gute Werke, Bußübungen, Pilgerfahrten oder Ablasskäufe zu erwerben wäre, sondern um Gerechtigkeit „von“ Gott, die die Menschen frei macht „für den aufrechten Gang“ und für den Dienst am Nächsten. Dies führt zu dem umfassenden Begriff des „Berufs“ und zum Engagement in öffentlichen Angelegenheiten.

Glaube und Religion weltweit ein großes Thema

Der weitverbreiteten Angst vor einer von Säkularisierung geprägten Zukunft tritt Huber entschlossen entgegen. Statt über zurückgehenden Gottesdienstbesuch und steigende Kirchenaustrittszahlen zu jammern verweist er darauf, dass Glaube und Religion weltweit ein „Megathema“ seien. Es kommt darauf an, den Glauben als gute, lebensfrohe Option wieder zu entdecken. „Die Zeit ist vorbei, in der wir uns mit unserem Glauben versteckt haben.“ Voraussetzung für Toleranz gegenüber anderen Überzeugungen sei die Klarheit über die eigene Haltung.

Am Ende der abschießenden Diskussion stellte ein Zuhörer eine persönliche Frage über das Leben nach dem Tod. Hier erwies sich Huber nicht nur als gelehrter Theologe, scharfer Denker und geübter Redner ist, sondern auch ein einfühlsamer Gesprächspartner und Seelsorger. (frwoe)

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