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Handwerk

12.07.2019

Ein würdiges Ende für die letzte Viehwaage

Schließung Wiegehäuschen/Ehingen am Ries, symbolisches Wiegen der Kindergartenkinder, links „Bauer“ Reinhard Fuchs, rechts Wiegemeister Stefan Pfaudt
Bild: Peter Urban

Das Ehinger Wiegehäuschen wird feierlich außer Betrieb gesetzt. Warum die Waage eine wichtige Institution im bäuerlichen Leben war. Ein Belzheimer hat das Gerät ersteigert.

Es kam schon etwas Wehmut auf, als das Kapitel „Öffentliche Viehwaage der Gemeinde Ehingen am Ries“ in dieser Woche endgültig geschlossen wurde. Bürgermeister Erhard Michel hatte die Bevölkerung aufgerufen, beim „die letzte Sau wiegen“ am Wiegehäuschen in der Meierstraße dabei zu sein. Und sie waren – sogar mit Gästen aus Amerika – alle da: Wiegemeister Stefan Pfauth, der diese Aufgabe über 50 Jahre lang wahrgenommen hat, der Metzger und Viehhändler Willy Dietrich und einige Bauern, die die Waage in früheren Jahren regelmäßig in Anspruch genommen hatten.

Doch der Bedarf ging in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer weiter zurück, in den letzten Jahren fand überhaupt kein Wiegen mehr statt, so dass sich eine erneute Eichung nicht mehr gerechnet hätte. Dabei war die Waage einstmals eine überaus wichtige Institution im bäuerlichen Leben Ehingens. Fast täglich wurden Schweine und Rinder vor dem Verkauf zum Wiegen gebracht. Muttersauen mit fünf bis sieben Zentner Gewicht und Bullen mit 15 bis 17 Zentner waren keine Seltenheit. Auch Pferde, Schafe und Gänse wurden gewogen und sogar Feldhasen nach der Jagd.

Symbolisch wurde ein letztes Wiegen veranstaltet

Mehr oder weniger schweren Herzens musste nun der Betrieb eingestellt werden. Symbolisch wurde gemeinsam ein letztes Wiegen veranstaltet, die Kinder des Ehinger Kindergartens kamen zur Umrahmung, sangen das Lied vom lustigen Handwerker und wurden anschließend mitsamt ihren Erzieherinnen gewogen, dann ein Schaf, ein Pony und zuletzt eine veritable Kuh, die sich allerdings lange zierte und mit vereinten Kräften zum Wiegen „getragen“ werden musste.

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Viehhändler (Gemeinderat Reinhard Fuchs) und Metzger spielten unter dem Gelächter der Umstehenden Verkaufsszenen nach und waren sich per Handschlag bald handelseinig. Danach war endgültig Schluss und es ging daran, die Waage zu versteigern. Hier wurde tatsächlich noch einmal hartnäckig verhandelt. Ersteigert hat das gute Stück der Belzheimer Paul Jaumann, der mangels anderer Angebote für fünfzig Euro den Zuschlag von Bürgermeister Erhard Michel bekam. Jaumann, Gemeinderat in Ehingen, wird die Waage ausbauen, das Wiegehäuschen selbst wird mit Garage der Jugend vom „Bauwagen Broidaloch“ zur Lagerung ihrer Utensilien bereitgestellt.

Auf die Frage, warum er die Viehwaage mit solch einem Aufwand verabschiedet habe, sagte Bürgermeister Michel: „Wir wollten einfach nicht, dass so ein wichtiges Symbol der bäuerlichen Geschichte Ehingens sang- und klanglos beerdigt wird. Mit dieser Aktion findet es aber ein würdiges Ende und kann mit den vielen Fotos, die heute gemacht wurden, in die angestrebte Dorfchronik aufgenommen werden“.

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