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Nördlingen

22.05.2019

Einbruch im Krankenhaus: Wo war der Angeklagte zur Tatzeit?

2016 ist in das Nördlinger Stiftungskrankenhaus eingebrochen worden. (Archivfoto)
Bild: Verena Mörzl

Das Amtsgericht Augsburg beschäftigt sich erneut mit einem Krankenhaus-Einbruch in Nördlingen. Welche Rolle ein angebliches Geschäftsessen und ein bosnischer Regierungsberater spielen.

Ist ein 57-jähriger Angeklagter aus den Niederlanden der Täter hinter einer Reihe von Einbrüchen in Krankenhäuser, auch jenes in Nördlingen? Am dritten Verhandlungstag hörte das Schöffengericht des Augsburger Amtsgerichts weitere Zeugen an. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob der Angeklagte im August 2016 in Nördlingen als Täter in Frage kommt oder ob er zur Tatzeit in einem Restaurant an der niederländischen Grenze gesessen hatte.

Ein 62-jähriger Büroangestellter war aus seiner niederländischen Heimat angereist, um zu möglichen Umständen des Einbruchs in Nördlingen auszusagen. Zwar hatte der Mann im Vorfeld auch einen Fragebogen der Augsburger Staatsanwaltschaft erhalten und laut eigenen Angaben ausgefüllt zurückgesandt. Die drei Seiten schafften es aber nicht in die Prozessakten und zum Gericht.

Einbruch vor Gericht: Werkstatt im Untergeschoss aufgebrochen

Der Zeuge bestätigte, dass er exakt am Donnerstag, 11. August 2016, ab 19 Uhr in einem Lokal mit dem Angeklagten und einem weiteren Mann ein Geschäftsessen gehabt hatte. Er wisse das deswegen so genau, weil der dritte Mann ein viel beschäftigter bosnischer Regierungsberater gewesen sei. Dieser Unbekannte konnte bislang jedoch nicht ermittelt und von den Behörden befragt werden. Bis nach Mitternacht habe dieses Treffen gedauert, anschließend habe der Zeuge den damals alkoholisierten Angeklagten nach Hause gefahren.

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Just in derselben Nacht von Donnerstag, 11. August, auf Freitag, 12. August 2016, war in das Nördlinger Krankenhaus eingebrochen worden. Der Täter hatte seinerzeit im zweiten Untergeschoss des Krankenhauses die Werkstatt aufgebrochen (wir berichteten), hier war DNA des Angeklagten gefunden worden. Mit einer aufgefundenen Flex war ein Möbeltresor, der aus einem anderen Raum herbeigeschafft worden war, aufgeschnitten und ausgeräumt worden. Aus Räumen der Küchenleitung verschwanden rund 2000 Euro Bargeld, der Sachschaden betrug dort rund 600 Euro.

Schaden in Nördlingen 14.000 Euro

Deutlich höher war der Schaden in Nördlingen letztlich deswegen ausgefallen, weil offenbar im Zusammenhang mit dem Einbruch zahlreiche Schlüssel, darunter ein Generalschlüssel, abhandengekommen waren. Deswegen hatten laut Krankenhausleitung Türschlösser zu allen sicherheitsrelevanten Zugängen ausgetauscht werden müssen – Kosten: rund 14.000 Euro.

Am Tatort in Nördlingen war – ebenso wie in Neuwied (Rheinland-Pfalz) und Gießen (Hessen) – DNA des Angeklagten sichergestellt worden. Auch über die Auffinde- und Erhaltungssituation und damit die Aussagekraft der DNA-Spuren hatte sich das Gericht von mehreren Zeugen informieren lassen. Der Angeklagte, der die Taten bestreitet, hatte seine DNA am Werkstattbereich in Nördlingen damit erklärt, dass er wegen einer Reifenpanne am Donnerstagmittag an seinem Auto dort Hilfe gesucht hatte. Dabei habe er die Werkstatträume betreten, um Helfer oder Werkzeug zu holen. Bestätigt worden war dies in Nördlingen von niemandem.

Die Überprüfung der Angaben des Zeugen aus den Niederlanden erbrachte, dass die Angaben des Angeklagten richtig sein könnten. Es zeigte sich bei der Befragung verschiedener Router, dass es möglich ist, um die Mittagszeit in Nördlingen loszufahren, um nach knapp sechsstündiger Autofahrt gegen 19 Uhr in einem Gasthaus an der niederländischen Grenze bei Aachen zu speisen.

Der Prozess wird kommenden Mittwoch fortgesetzt. Dann könnten vor dem Amtsgericht die Plädoyers gehalten werden. Verteidigerin Ricarda Lang, die mehrfach ihre Unzufriedenheit mit der Ermittlungsarbeit durchblicken ließ, kündigte Hilfsanträge an.

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