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Umweltschutz

08.08.2015

Eine Umgehungsstraße für Fische

Ein Idyll für die Fische in der Wörnitz: Der Fischbach neben der Munninger Ziegelmühle.
Bild: Hanna Eigenrauch

Für 30 Arten, die durch die Wörnitz schwimmen, stellen mehrere Wehre unüberbrückbare Hindernisse dar. Die Behörden haben sich daher einen speziellen Plan ausgedacht, um den Tieren zu helfen

Die Fische der Wörnitz stoßen auf Hindernisse: Immer wieder wird ihr Heimatfluss durch Wehre unterbrochen, die beispielsweise den Wasserpegel regulieren sollen. Für die rund 30 verschiedenen Fischarten, die große Distanzen überbrücken müssen, um sich ernähren und fortpflanzen zu können, stellen diese eine unüberwindbare Barriere dar.

Die Folge: Sie sterben aus, weil sie keine Laichplätze mehr erreichen können oder keine Nahrung mehr finden. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth will deshalb Umgehungskanäle anlegen und den Bewohnern der Wörnitz mehr Wandermöglichkeiten bieten. Der neue Fischbach neben der Ziegelmühle bei Munningen ist eines der künstlich angelegten Ausweichgewässer.

„Noch sind nicht alle Hausaufgaben erledigt“, sagt Roland Paravicini vom Fischereihof Salgen. Dennoch sei der Bau des Fischbachs ein zwar „kleiner, aber trotzdem wichtiger Schritt in Richtung komplette Durchgängigkeit der Wörnitz“.

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Nachdem das künstlich angelegte Gewässer bereits vor einem Jahr fertiggestellt wurde und mittlerweile gut bewachsen ist, hat es das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth nun offiziell eingeweiht.

Der eigentliche Bau des Fischbachs hat zwei Monate gedauert. Pro Sekunde fließen etwa 300 Liter Wasser durch das 120 Meter lange Umgehungsgerinne. Die Devise, so nah an der Natur wie möglich zu bleiben, hat die Baufirma Münzinger unter anderem durch den Verzicht auf künstliche Bepflanzung umgesetzt.

Der Bürgermeister hatte zunächst Bedenken

Die Fische nehmen das neue Gewässer bereits gut an. Vor allem die Bestände des Rapfens haben sich wieder vergrößert. Dietmar Höhenberger, Bürgermeister der Gemeinde Munningen, sagte in einer Ansprache, er habe zunächst Bedenken gehabt, dass die Baumaßnahme ein „zu großer Eingriff in die Natur“ sei. Diese Befürchtung habe sich jedoch nicht bestätigt. Stattdessen merke man dem Fischbach schon jetzt nicht mehr an, dass er künstlich angelegt wurde. Hubert Wagner, Vorstand der Wörnitz-Fischereigenossenschaft, verglich die Umgehungshilfe für die Wörnitzfische mit einem Klettersteig für Wanderer, einem „Abschnitt, der auf dem langen Weg zum Ziel bewältigt werden muss“.

Er bezog sich dabei auch auf die Steigung von 1,20 Metern, die der Fischbach vorweist. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth Steinstufen und Kiesrampen angelegt, um es zu kaschieren und somit den Fischen die Wanderung noch mehr zu erleichtern. Nach den offiziellen Ansprachen durch Höhenberger, Paravicini und Wagner hatten die Gäste die Gelegenheit, den Fischbach zu besichtigen.

Dabei ging Hubert Wagner noch auf einige Besonderheiten des neuen Gewässers ein, beispielsweise auf verschiedene Bodenstrukturelemente, die unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten erzeugen.

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