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27.01.2008

Eine Zugfahrt für das Fahrrad kostet jetzt 4.50 Euro

Im Stundentakt verkehrt die Regionalbahn zwischen Donauwörth und Aalen. Neben Schulranzen oder Aktentasche gehört für einige der Bahnfahrer, wie den Bopfinger Pendler Günter Meyer, auch das Fahrrad zur täglichen Grundausstattung, um den Weg zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz schneller zu bewältigen. Bis Ende letzten Jahres kostete ihn dieser Service der Bahn keinen Cent, seit dem 1. Januar muss nun täglich ein Fahrradticket für 4,50 Euro gekauft werden.

Nördlingen/Donauwörth. Im Stundentakt verkehrt die Regionalbahn zwischen Donauwörth und Aalen. Besonders zu den Stoßzeiten morgens, mittags und abends sind die Züge voll mit Schülern und Pendlern. Neben Schulranzen oder Aktentasche gehört für einige der Bahnfahrer, wie den Bopfinger Pendler Günter Meyer, auch das Fahrrad zur täglichen Grundausstattung, um den Weg zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz schneller zu bewältigen. Bis Ende letzten Jahres kostete ihn dieser Service der Bahn keinen Cent, denn der Landkreis Donau-Ries zahlte eine jährliche Pauschale von 9500 für die Radbeförderung an die DB Regio Schwaben. Seit dem 1. Januar muss er nun täglich ein Fahrradticket für 4,50 Euro kaufen, denn der Landkreis Donau-Ries ist aus der Förderung ausgestiegen.

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Dass er nun dermaßen zur Kasse gebeten wird, ärgert den Bopfinger. "Man könnte doch eine Fahrradmitnahme für einen Euro vereinbaren", schlägt er vor. Für ihn ist die Streichung "eine kurzsichtige Sparmaßnahme" und er befürchtet eine weitere Schwächung der Fahrgastzahlen auf dieser Strecke, die nach Plänen der Deutschen Bahn ohnehin schon lange auf der Kippe stehe.

Hintergrund der Änderung ist, dass die DB Regio-Schwaben bei Neuverhandlungen am 3. Dezember eine kaum nachvollziehbare Erhöhung der jährlichen Beförderungspauschale forderte: 96 000 Euro, das Zehnfache des bisherigen Betrags. Begründung war, die Beförderung sei sonst nicht wirtschaftlich. "Der Landkreis ist doch keine Melkkuh", sagt Pressesprecher Martin Raitinger über das Angebot, das der Wirtschaftsausschuss am 3. Dezember zurückwies. Und nicht nur der Donau-Ries-Kreis ist aus der Bezuschussung der Radbeförderung ausgestiegen, ebenso waren auch die anderen Landkreise in Bayerisch Schwaben nicht bereit, Erhöhungen in dieser Größenordnung hinzunehmen.

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Veit Meggle, der für den Öffentlichen Personen Nahverkehr zuständige Sachgebietsleiter beim Landratsamt, bringt sogar ein wenig Verständnis für die Position der DB Regio Schwaben auf: "Die Verträge sind zehn Jahre alt, die Pauschale wurde noch nie erhöht, doch hat sich im Bereich der Radbeförderung extrem viel getan." Wurden 1996 noch 10 400 Fahrräder pro Jahr befördert, so waren es 2006 bereits 43 000 Stück.

Eine maßvolle Erhöhung sei demnach vertretbar, meint Meggle.

Auch unterscheidet der Verkehrsexperte zwischen zwei Zielgruppen, die Fahrräder in Zügen transportierten, einmal die Schüler und Pendler und zum anderen die Radtouristen. "Die verstärkte Mitnahme im Berufsverkehr führt in den Zügen schon zu Platzproblemen", räumt Meggle ein und rät den betroffenen Schülern und Pendlern die "Bike und ride"-Angebote und Fahrradgaragen an den Bahnhöfen zu nutzen.

Die Geschäftsleiterin der DB Regio Schwaben, Antonia von Bassewitz, erklärt, dass die bisherige Pauschale eine Abgeltung pro Fahrrad im einstelligen Centbereich bedeute: "Das ist überhaupt nicht wirtschaftlich." An einer weiteren Zunahme von Fahrrädern während der Hauptverkehrszeiten sei man nicht interessiert, stellt sie fest. Dies führe vor allem im Einstiegsbereich zu Engpässen und Verzögerungen und so zu Verspätungen im Fahrplan.

Anders sieht die Sache im Bereich des Fahrradtourismus aus, sagt Bassewitz: "Hier suchen wir auf alle Fälle nach einer guten Lösung für die Radler, am besten bayernweit." Denn ein "Fleckerlteppich" sei nicht im Sinne der Kunden.

Im ersten Quartal erhebt das Unternehmen nun anhand der Fahrradticketverkäufe belastbare Zahlen für die nächste Verhandlungsrunde mit den Landkreisen, die zwischen den Oster- und den Pfingstferien stattfinden soll. Um den Radtourismus nicht zu gefährden, wäre beispielsweise die Einführung von Sperrfristen ab 9 Uhr möglich.

Das hört Günter Zwerger, Geschäftsführer des Ferienland Donau-Ries, gerne. Der Radtourismus ist eine tragende Säule der Branche im Ries, pro Jahr verteilt der Tourismusverband 70 000 Radkarten. "Die kostenlose Mitnahme der Fahrräder ist ein großer Anreiz für den Naherholungstouristen aus den Ballungsräumen", weiß er aus Erfahrung und hofft auf eine rechtzeitige Lösung.

Übrigens: Auf der Strecke zwischen Nördlingen und Aalen kann das Fahrrad weiterhin kostenlos mitgenommen werden. Der Ostalbkreis zahlt dafür eine Pauschale von 4500 Euro pro Jahr.

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