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Konzert

12.11.2015

Eine besondere Form der Innigkeit

Stimmgewaltig: Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Udo Knauer führte der Kammerchor St. Georg zusammen mit dem Oettinger Bachorchester das Requiem von John Rutter auf. Zudem kamen die „Zehn biblischen Lieder“ op. 99 von Antonín Dvorák zur Aufführung.
Bild: Ernst Mayer

In der Nördlinger St.-Georgs-Kirche lieferte der Kammerchor zusammen mit dem Oettinger Bachorchester einen stimmungsvollen Abend

Eine besondere Form der Innigkeit, Demut, aber auch Lebensfreude sprach aus den „zehn biblischen Liedern“, die Antonin Dvorák unter dem Eindruck des Todes seines Vaters komponierte. Sie waren beim Konzert in der St.- Georgs-Kirche Nördlingen die passende Einstimmung auf das „Requiem“. Die zehn Psalmen ließen tiefe Frömmigkeit erkennen, aber auch die irritierende Zerrissenheit des sonst für seine lebendige Musik bekannten Komponisten.

Verzweiflung und Furcht drückten die ersten drei Gesänge aus, ehe allmählich Trost erwuchs: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Doch immer wieder wechselten im folgenden Klage- und Lobgesang in ständigem Stimmungswechsel, den Dirigent Udo Knauer mit den einfühlsamen Streichern des Bachorchesters Oettingen und den hervorragenden Bläsersolisten vorzüglich gestaltete. Dazu stand ihm nach Absage der vorgesehenen Solistin mit Cornelia Lanz aus Stuttgart eine souverän auftretende Sängerin zur Seite, die nicht den ausladenden Alt betonte, sondern mit großer Flexibilität und emotionaler Einfühlsamkeit die Inhalte interpretierte, noch dazu mit großer Textverständlichkeit und einer wohlklingenden, anpassungsfähigen Stimme.

John Rutters Idee war es, ein „Requiem“ zu schaffen, das dem religiösen Empfinden der Gegenwart entsprechen sollte, ohne die früher vorherrschenden dunklen Klangfarben und dramatischen Rhythmen. Darum nahm er dem Jüngsten Gericht den Schrecken zugunsten tröstender Elemente und ersetzte das „Dies irae“ durch den Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“). Dem entspricht auch seine Musik, wenn er den an Jazz und Pop-Elementen orientierten, dissonant herben Teilen eine weich fließende Melodik folgen lässt: Populär, aber durchaus keine Anbiederung an den Zeitgeschmack!

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Dem entsprach auch Udo Knauers Einstudierung dieses beliebten Werks. Wenn auch der erste Satz düster und beängstigend mit dumpfen Paukenschlägen begann und der Chor in dissonanten Reibungen die beklemmenden Worte „Requiem aeternam“ setzte, folgte bald in modernem Tonfall ein friedlich tröstlicher Stimmungswandel, als der Chor in einem wirkungsvoll anschwellenden Crescendo die Melancholie durchbrach.

Ein wunderbares Cello-Solo vermittelte beim Psalm 130 „Aus der Tiefe rufe ich“, die Einsamkeit und Verzweiflung des Beters, der die tröstende Hoffnung auf Erlösung spürte und im „Pie Jesu“ die „ewige Ruhe“ (requiem aeternam) ankündigte, entsprechend verinnerlicht ausgedrückt von der Sopransolistin Johanna Schulze. Dem folgte im „Sanctus“ der Jubel des göttlichen Ruhms, dessen strahlender Schluss das Kirchenschiff mit schallendem Klang erfüllte.

Die anfängliche dunkle Stimmung fand sich im „Agnus dei“ wieder, dumpfe Paukenschläge und düstere Musik zu Hiobs Flehen, aber auch an den Gnadengedanken Martin Luthers erinnernd. Schwebende Chorstimmen, bestens disponierte Bläser, einfühlsame Pauken und das von Konzertmeister Günter Simon angeführte Streicherensemble erlangten im Dirigat Udo Knauers eine wunderbare musikalische Einheit. Der Kammerchor von St. Georg trug insbesondere durch seine dynamische Beweglichkeit, textliche Ausdrucksfähigkeit und die klangliche Ausgewogenheit das Wesentliche bei.

Ein sehr poetischer Chorsatz, von einer Solo-Oboe mit wehmütigen melodischen Figuren umspielt, brachte traumhaft schön den Trost des Psalmes 23 zum Ausdruck und stellte in einem schönen Solo („I heard a voice“) der Sopranistin Johanna Schulze und einem fein abgestimmten Wechsel der Chorstimmen die „ewige Ruhe“ in Aussicht. Ein verdient langer Beifall des Publikums würdigte die großartige Leistung aller am Erfolg Beteiligten.

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