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Musik

11.10.2018

Eine besondere Künstlergemeinschaft

Das Georgische Kammerorchester hat sich 1990 von Georgien aus in Ingolstadt niedergelassen und spielt dort seitdem eine bedeutende Rolle als fester Bestandteil des Kulturlebens. Als kultureller Botschafter der Stadt trat es in dieser Eigenschaft schon zum wiederholten Mal bei den Oettinger Residenzkonzerten auf.
Bild: Mayer

Georgisches Kammerorchester aus Ingolstadt beim Residenzkonzert in Oettingen

Keinen weiten Weg hatte das Georgische Kammerorchester zum Residenzkonzert Oettingen von Ingolstadt aus, denn dort hat es sich bereits 1990 von Georgien aus niedergelassen und spielt in Ingolstadt eine bedeutende Rolle als fester Bestandteil des dortigen regionalen und überregionalen Kulturlebens. Darüber hinaus versteht es sich auch als kultureller Botschafter der Stadt und trat in dieser Eigenschaft schon zum wiederholten Mal bei den Oettinger Residenzkonzerten auf.

Auch zum jüngsten Auftritt in der Wörnitzstadt wurde es von einem voll besetzten Schlosssaal erwartungsvoll empfangen, denn sein guter Ruf hat sich aufgrund der vergangenen Gastspiele offenbar herumgesprochen. Um es vorwegzunehmen, wurde diese Erwartung voll erfüllt, denn was dieses Orchester hier bot, wurde mit riesigem Beifall und vielen „Bravo“-Rufen belohnt. Ein großer Teil davon gebührte dem Leiter des Orchesters, denn Daniel Müller-Schott erwies sich nicht nur als sicherer Leiter des fabelhaften Orchesters, sondern insbesondere auch als vorzüglicher Solist auf dem Violoncello.

Behielt er anfangs auch als Mitspieler im Ensemble – äußerlich fast unbemerkt – die Rolle des Ersten unter Gleichen, konnte man der Gestik entnehmen, dass er die musikalische Gestaltung fest im Auge hatte. Bei den solistischen Passagen kamen seine bestimmenden Führungs- und Vorbildqualitäten deutlich zum Ausdruck. Das Vorspiel zur Oper „Capriccio“ von Richard Strauss verströmte bereits im Anfang weithin weltentrückte Melancholie, und verzichtete auch im Folgenden kaum auf seine sonst bekannten Eingebungen in atonale Gefilde. Wohlig einfühlsam, aber auch aufrüttelnd, wirkten die solistischen Passagen der Violinen und ein Cello-Solo zum Genießen.

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Das erfolgte dann besonders ausgiebig, als sich Daniel Müller-Schott in die Mitte setzte und seine Virtuosität bei Peter Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ an seinem Instrument demonstrierte. Die von Bernhard Jestl auf Kammermusik reduzierte Fassung begann mit einem tänzerischen Thema, verspielten Figuren, einem Dialog mit der Violine und einer romantischen Canzone. Müller-Schott beherrschte alle Feinheiten des Cellospiels, einen sehr variablen Bogenstrich und Schwünge bis in die höchsten Lagen seines klangvollen Instruments, mit zarter und hingebungsvoller Begleitung des ganzen Streicherensembles. Höhepunkte waren trillernde Flasheoletts und fliegende Lagenwechsel. Sagenhaft!

Einen wunderbaren Zugang zu osteuropäischem Musikgefühl bot die dreisätzige Suite von Ernest Bloch „From Jewish Life“, welche er als drei musikalische Sketche aus dem jüdischen Leben bezeichnete. Viel Mollklang, wie es von den Klezmerim, den jüdischen Volksmusikanten, gepflegt wird, und eingängige gesangliche Spielweisen schufen viel Melancholie, besonders auch durch das Harfenspiel, das Christoph Palmer als Arrangeur in die Komposition einwob.

Ein Aufenthalt in Florenz hatte Peter Tschaikowski zu einem Stimmungsbild über die Stadt inspiriert. Mit diesem Klanggemälde soll er seine seelischen Konflikte verarbeitet haben, indem die Violinen hoch aufschwingende Bewegungen vollführten und die tiefen Streicher energisches Aufbäumen darstellten. Die Beruhigung erfolgte mit einem schönen Geigensolo und mit den beiden Solocelli im Adagio, bis schließlich alle dem gemeinsamen Schluss entgegenstrebten und mit heftigem Tempo diese großartige Musik zu Ende brachten, bevor die bereits erwähnten Bravo-Rufe regelrecht ausbrachen, wie es in Oettingen in diesem Ausmaß bisher nur sehr selten geschah. Eine besondere Verehrung für diese besondere Künstlergemeinschaft!

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