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Musik

23.11.2018

Eine in Klang gegossene Mahnung

Die Sänger des Kammerchors vor der herrlichen Kulisse der großen Orgel in der Sankt Georgskirche.
Bild: Silke Hampp

Mit einem Konzert wird in der Sankt Georgskirche am Volkstrauertag der Opfer des Krieges gedacht. Ein Auftritt der Musiker, der unter die Haut geht

In der Nördlinger St. Georgskirche ist am Volkstrauertag musikalisch der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht worden. Kirchenmusikdirektor Udo Knauer hatte dafür ein Konzertprogramm zusammengestellt, das Bezug auf diesen Erinnerungstag nahm. „Ein Tag, der geprägt ist vom Erschrecken darüber, was der Mensch den Menschen antun kann“, sagte Dekan Gerhard Wolfermann in seiner Begrüßung.

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Perfekt aufeinander abgestimmt und selbstbewusst – so führten die Sänger des Kammerchores St. Georg die Besucher des Konzertes durch den Abend. Am Anfang standen zwei unterschiedliche Vertonungen des Kirchenliedes von Martin Luther „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Der Coburger Komponist Gerhard Deutschmann hatte das Lutherlied mit dem Psalmtext zu einer berührenden Motette verknüpft. Großartig, wie sich unter dem Dirigat von Udo Knauer die dichten Kammerchorstimmen und der Bariton von Manuel Kundinger miteinander verwoben.

Die zweite Vertonung ließ Kantor Klaus Ortler an der Orgel erklingen. Er spielte die Choralprelude von Max Reger wie eine sanfte Meditation, die zur Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger überleitete. Das a-capella-Stück „Wie liegt die Stadt so wüst“ schrieb er 1945 unter dem Eindruck des verheerenden Bombenangriffs der Alliierten auf Dresden in der Nacht zum 14. Februar. Damals verloren mindestens zehn jugendliche Sänger des Kreuzchores ihr Leben, die Kirche wurde zerstört und die hauseigene Notenbibliothek ging verloren.

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Mauersbergers Trauermotette ist angelehnt an die Klagegesänge des alttestamentlichen Propheten Jeremias. Dieser beweint im sechsten Jahrhundert vor Christus die Zerstörung Jerusalems. Der Kammerchor St. Georg vermittelte bei dem Konzert menschliche Schuld, die greifbare Trauer und Fassungslosigkeit. Das bis zum Forte gesteigerte vierfache „Warum?“ blieb als eine in Klang gegossene Mahnung gegen Krieg und Gewalt zurück.

Mit Rainer Hauf, Paul Lechner und Armin Schneider intonierten anschließend drei Solisten das Adagio g-Moll von Tomaso Albinoni. Seit 2004 treten die Profitrompeter als Nördlinger Bachtrompetenensemble auf und bewiesen an diesem Konzertabend zusammen mit Klaus Ortler ihre Klasse. Das eingängige Adagio ist als Filmmusik aus internationalen Streifen bekannt. Dennoch: In der Bearbeitung für drei Trompeten und Orgel ging es in der St. Georgskirche unter die Haut und bildete eine Überleitung zum Höhepunkt des Abends: dem Requiem von Maurice Duruflé, in dem alle Akteure des Konzertes mitwirkten.

Maurice Duruflé studierte am Pariser Konservatorium Komposition und wurde 1930 Organist an der Kirche St-Étienne-du-Mont in Paris. Diese Stelle behielt er auf Lebenszeit. Und obwohl er bis zu seinem Tod sehr viel komponierte, gab er selbstkritisch nur einen Bruchteil seiner Werke zur Veröffentlichung frei. Sein Requiem entstand 1947 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und gilt als Meisterstück der französischen Kirchenmusik.

Streicher und Bläser setzen dramatische Akzente

Auf der Empore brachten die Musiker die schwebenden und lichten Klangfarben des Requiems zum Strahlen. Gregorianische Melodien dominieren Duruflés Totenmesse, in die die Nördlinger Zuhörer zusammen mit den Akteuren eintauchen konnten. Souverän setzten Streicher und Bläser bei den wenigen dramatischen Höhepunkten des Werkes Akzente, etwa beim „Sanctus“ oder beim „Libera Me“. Die beiden Solistinnen aus dem Kammerchor, Johanna Schulze und Karen Baumgärtner, meisterten mit Bravour ihre Gesangparts.

Mit dem tröstlichen „In Paradisum“ schließt Duruflés Requiem, und damit ging ein außergewöhnlicher und beeindruckender Konzertabend in der St. Georgskirche in Nördlingen zu Ende. (pm)

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