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Musik-Festival

24.06.2019

Einmal im Jahr wird Dornstadt zu „Freak City“

Volles Haus bei der 20. Auflage des Kult-Festivals Wudzdog. Die Fans feierten vier Tage lang ausgelassen und friedlich und ließen sich auch von den Regenpausen am Samstag die gute Laune nicht verderben.
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Volles Haus bei der 20. Auflage des Kult-Festivals Wudzdog. Die Fans feierten vier Tage lang ausgelassen und friedlich und ließen sich auch von den Regenpausen am Samstag die gute Laune nicht verderben.

Plus Zum Jubiläum rocken 25 Bands vier Tage lang das Gelände am Stöckenweiher. Die schottischen Oldies von Nazareth sorgen für den gefeierten Höhepunkt des Spektakels. Was sonst noch geboten war.

Für viele Open-Air-Fans ist es ein fixer Termin im Kalender, das Wudzdog-Festival am malerischen Stöckenweiher. So zog es auch zur 20. Auflage Tausende von Besuchern ins Nordries, wo sie das Festgelände am Rande des beschaulichen Örtchens Dornstadt vier Tage lang in „Freak City“ verwandeln und unter dem namensgebenden Motto „Love, Peace and Music“ nach Herzenslust abfeiern konnten.

Zum Jubiläum hatten die veranstaltenden Waldgeister Dornstadt einmal mehr ein handverlesenes Line-up mit insgesamt 25 Bands aufgeboten. Deshalb hatten sich die meisten Festival-Gänger ein Wochenend-Ticket besorgt und waren bereits am Donnerstag dabei, als mit „Stack“, „Jamaram“, „Käptn Peng“ und „Mantra Tribe“ die große Party eröffnet wurde (die RN berichteten).

Als Anheizer am Freitag fungierten „Lemoto“ aus Nürnberg. Die fünfköpfige Truppe mit ihrer stimmgewaltigen Sängerin Corinna präsentierte schnörkellosen 90er-Jahre-Rock und lockte schon früh die ersten Besucher vor die Bühne. Nachdem die „Rootz Radicals“ ihren Auftritt kurzfristig absagten, sprang kurzerhand das für die Bergbühne geplante Crossover-Duo „Esmeralda“ ein und hielt das Publikum mit eingängigen Rhythmen bei Laune.

Einmal im Jahr wird Dornstadt zu „Freak City“

Das Abendprogramm startete mit den fränkischen Lokalmatadoren „ALC und Band“, die nicht nur eine stattliche Fangemeinde mitgebracht hatten, sondern sich besonders über den Auftritt zur „Primetime“ freuten. So legten sich die sechs Jungs mit ihrem deutschen Hip-Hop mächtig ins Zeug, bald ging es im „Moshpit“ vor der Bühne richtig rund.

Den besten Gig des Festivals lieferten die schottischen Rock-Oldies von „Nazareth“, die auf eine 51-jährige Bandgeschichte zurückblicken können. Zwar ist von der Originalbesetzung nur noch Bassist Pete Agnew (72) an Bord, doch der „Youngster“ – Sänger Carl Sentance – zählt ebenfalls schon 57 Lenze. Eindrucksvoll demonstrierte das Quartett, dass Gitarre, Bass, Schlagzeug und eine ordentliche „Röhre“ für eine krachende Rock-Show völlig ausreichen. Dabei fanden sich mehrere Songs aus dem neuen Album „Tattooed On My Brain“ im Programm, doch natürlich durften die Top-Hits „This Flight Tonight“, „Dream On“ und „Love Hurts“ nicht fehlen. Am Ende wurden „Nazareth“ nicht nur von den reiferen Semestern enthusiastisch gefeiert, was die Band mit mehreren Zugaben belohnte.

Wer jetzt noch durchhielt, wurde von „Skolka“ entschädigt, deren aus Ska und Polka zusammengesetzter Bandname Programm ist. Das achtköpfige Ensemble aus Österreich mit vierteiligem Bläsersatz und der quirligen Frontfrau Judith Frank trat das Gaspedal zum Tagesabschluss noch einmal richtig durch.

Zum Leidwesen der Besucher und der „Waldgeister“ kippte am Samstag das Wetter, jetzt waren Regenjacken, Schirme, Ponchos und sogar Müllsäcke gefragt. Das Programm musste zwar kurzfristig unterbrochen werden, doch trotz Matsch und Schlamm konnten die Alternativ-Rocker von „Long Way Home“ und Allround-Musiker „Maki Roots“ mit etwas Verzögerung am Nachmittag auftreten.

Den Abend läuteten die „Bananafishbones“ um Leadsänger Sebastian Horn ein. Das oberbayerische Trio präsentierte seinen typischen Stilmix von Country bis Rock, am Ende gab’s noch den Klassiker „Easy Day“ obendrauf. Bereits zum elften Mal waren „Weißwurscht is“ in Wudzdog am Start und durften als „Rekordhalter“ diesmal zur besten Zeit ran. Die bunte Mitmach-Show war wie immer ein Erlebnis für das Publikum, vergessen waren kurzzeitig Regen und Morast. Und bei der obligaten „Unterhosen-Party“ feierten einige Fans sogar auf der Bühne mit.

Bei „Django 3000“, dem Top-Act des Samstags, hatte der Regen wieder aufgehört – dicht an dicht drängten sich nun die Zuschauer auf dem Festplatz. Und das zu Recht, denn die fünf Burschen aus dem Chiemgau boten eine explosive Mischung aus Gypsy-Swing und Balkan-Beat. Neben mehreren neuen Songs aus dem in Kürze erscheinenden Album „Django 4000“ gab es natürlich bekannte Titel wie „Wuid & laut“ und „Heidi“ zu hören, wofür die Truppe ausgiebig bejubelt wurde. Den Tagesabschluss bildete die „Gruppa Karl-Marx-Stadt“, die mit ihrer „Russendisco“ und einer ordentlichen Portion Balkan-Pop die letzten Kräfte der verbliebenen Tanzwütigen mobilisierte.

Viel Zerstreuung bot auch das Rahmenprogramm: Yoga und Open Stage, Verkaufsstände und Biergarten, diverse Workshops und Feuershow. Und auf der technisch und optisch aufgepeppten „Bergbühne“ versorgten „X-Kid“, „Zeremony“, „Broken Sticks“, „Kathrina“, „Smoking Pipes“ und „Jabbadafunk“ all diejenigen, die in den Umbaupausen nicht auf Musik verzichten wollten.

Am letzten Festival-Tag gehörte die erste Stunde traditionell der Musikkapelle Dornstadt. Der anschließend geplante Familientag fand eine großartige Resonanz, der Festplatz war ein letztes Mal prall gefüllt. Die Kleinen begeisterten sich an einem interaktiven Kinderprogramm mit „Rodscha aus Kambodscha & Tom Palme“ und mit der „Herde der Maschinenwesen“ gab es zum Abschluss noch eine ganz besondere Attraktion.

Unter dem Strich haben die Waldgeister Dornstadt mit dem hohen Einsatz und Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helfer auch heuer wieder ein höchst gelungenes und wie immer friedliches Festival auf die Beine gestellt. Die vielen musikalischen Höhepunkte bedienten die verschiedensten Stil- und Geschmacksrichtungen der Fans aller Altersschichten. Bei manchen Besuchern weckte das 20-jährige Jubiläum schöne Erinnerungen, etwa beim langjährigen Vorsitzenden Günter „Bommel“ Wager, der von Anfang an mit Herzblut dabei war. Ebenso wie beim jetzigen Vorstand Andreas „Jim“ Heller, der bei der ersten Auflage zum Würstchengrillen eingeteilt war, als das Festival noch eine bessere Plattenparty war. Und „Monique Sonnenschein“ von den „Weißwurscht is“ blickt zurück: „Als wir vor 19 Jahren hier auftraten, waren wir auf dem damals noch kleinen Fest die erste Truppe, die mit einem Bus in die Pampa anreiste. Über die Jahre hinweg hat sich das Wudzdog-Festival großartig entwickelt, deshalb ist es für uns immer etwas ganz Besonderes, hierher eingeladen zu werden.“

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