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05.06.2018

Einst Druckerei, jetzt Finanzamt

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Der Leiter des Finanzamtes Nördlingen, Konrad Weiß (rechts), zeigt Finanz- und Heimatstaatssekretär Dr. Hans Reichhart, wie das Gebäude an der Ecke Bauhofgasse/Manggasse vor dem Umbau aussah. Gestern fand die offizielle Schlüsselübergabe statt, künftig sind dort Mitarbeiter des Finanzamtes untergebracht.
Bild: Foto: Izsó

In Nördlingen hat der Freistaat 36 neue Arbeitsplätze geschaffen. Warum die Finanzbeamten im Ries jetzt für die Besteuerung polnischer Bauunternehmer zuständig sind.

Ein polnischer Handwerker, der gerade ein Bad in Hamburg gefliest hat, könnte bald Post aus Nördlingen bekommen. Zumindest, wenn sein Nachname mit einem Buchstaben anfängt, der im Alphabet zwischen S und Z liegt. Denn seit dem 1. Juni ist auch das Finanzamt Nördlingen zuständig für die Besteuerung polnischer Bauunternehmer und deren Arbeitnehmer. Dafür wurde an der Ecke Bauhofgasse/Manggasse das einstige Produktionsgebäude der Druckerei Möhle unter der Regie des Nördlinger Architekten Reiner Schlientz umgebaut. Es gehört mittlerweile dem Augsburger Bauträger Asset, der die dort entstandenen Büros an den Freistaat vermietet. Gestern fand die Schlüsselübergabe statt, zu der auch Finanz- und Heimatstaatssekretär Hans Reichhart kam.

Wer in Polen lebt, aber in Deutschland Geld verdient, der muss seine Einnahmen auch in der Bundesrepublik versteuern – so erklärt es Thomas Hollerith auf Anfrage der RN. Hollerith ist im bayerischen Finanzministerium Referatsleiter für die Organisation der Finanzämter. Bislang war das Land Brandenburg für die polnischen Bauunternehmer zuständig, die Bayern dagegen hatten die Unternehmer aus Italien, Ungarn und Österreich übernommen. Vereinfacht gesagt: Irgendwann stellte man fest, dass deren Zahl deutlich geringer ist als die der Polen – und dass das kleine Land Brandenburg damit mehr Arbeit hat, als das große Land Bayern. Deshalb entschied man sich, einen Teil der Fälle an die Bayern und an die Niedersachsen abzugeben, so erklärt es der Chef des Nördlinger Finanzamtes, Konrad Weiß.

Dass die aber nun in Nördlingen bearbeitet werden, ist der sogenannte Heimatstrategie des früheren Finanzministers und heutigen Ministerpräsidenten Markus Söder zu verdanken. Er wollte die Jobs dorthin bringen, wo die Menschen leben – konkret sollten Arbeitsplätze für mehr als 3100 Personen von den Ballungszentren in ländliche Regionen verlagert beziehungsweise dort neu geschaffen werden. Am Finanzamt Nördlingen gibt es deshalb jetzt 36 neue Stellen.

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Die neuen Mitarbeiter begrüßte gestern unter anderem Oberbürgermeister Hermann Faul, der von einer „wunderbaren Möglichkeit“ sprach, mitten in der Stadt zu arbeiten. Er erinnerte aber daran, dass Nördlingen nach der Gebietsreform 1972 einen „Aderlass“ im Punkt Behörden erfahren habe. Man habe dagegen gekämpft und nicht nachgegeben – und habe nun nicht nur das Amt für Maßregelvollzug in der Stadt, sondern auch die zusätzlichen Stellen des Finanzamtes.

Landrat Stefan Rößle meinte, er habe schon bei der Einweihung des Amtes für Maßregelvollzug gedacht, dass jetzt „Gerechtigkeit“ hergestellt sei – doch kurz darauf habe es die Debatte um das Oberzentrum gegeben. „Ich freue mich, dass Nördlingen eine weitere Stärkung erfährt.“ CSU-Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler sprach von einem „besonderen Erfolg“, dass die Zahl von ursprünglich geplanten 25 auf 36 Stellen gestiegen sei. Die Region habe mit einer Stimme gesprochen. Die Beamten im Öffentlichen Dienst hätten eine besondere Verantwortung: „Ohne Steuereinnahmen wäre ein Staat nichts.“

Reichhart meinte, der Freistaat wolle die besten Leute für die Verwaltung, deshalb gehe man auch dorthin, wo sie wohnen. Es handle sich um 36 krisensichere Arbeitsplätze, denn die Arbeit werde nicht ausgehen. Der ein oder andere Mitarbeiter habe sogar ein wenig polnisch gelernt oder ein interkulturelles Kompetenztraining besucht – und auf der Internetseite des Finanzamtes Nördlingen gebe es die wichtigsten Informationen jetzt auch auf polnisch.

CSU-Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange hatte gestern in Berlin wichtige Verpflichtungen, teilte aber per Email an die RN mit, dass mit der Eröffnung des neuen Bürogebäudes Realität werde, „wofür wir über Jahre gekämpft haben. Die zusätzlichen Stellen schaffen neue Arbeitsplätze in der Region und stärken den Behördenstandort Bayern.“

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