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Musik

26.07.2018

Emphatische Begeisterung

Ein Galakonzert im echten Sinn war das fünfte Residenzkonzert der Saison in Oettingen. Die schon mit vielen Preisen ausgezeichnete Pianistin Olga Scheps konzertierte mit Frédéric Chopins „Konzert für Klavier und Streichorchester Nr. 2 f-Moll“ und erregte damit die Begeisterung der Zuhörer im ausverkauften Schlosssaal. Begleitet wurde sie vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn mit Konzertmeister Gustav Frielinghaus (links), das selbst die „Nordische Musik“ mit zwei Werken von Edvard Grieg (Norwegen) vorstellte.
Bild: Mayer

Warum das Gala-Konzert im Rahmen der Residenzkonzerte in Oettingen seinem Namen alle Ehre machte

Das Gala-Konzert im Rahmen der Residenzkonzerte Oettingen hat wieder einmal diesen Namen verdient und darum gebührt der riesige Beifall am Schluss des Konzerts auch den Verantwortlichen des Kuratoriums dieser Konzertreihe. Ihnen ist es wiederum gelungen, mit Olga Scheps eine Pianistin einzuladen, die bereits mit 32 Jahren mit weltweit führenden Orchestern konzertiert und in den großen Konzerthäusern auftritt. Ihr zur Seite spielte das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, das bei diesem Konzert bewies, dass es internationale Klasse aufweist. Mit Gustav Frielinghaus hat es einen Konzertmeister, der selbst als Geiger international bekannt ist, besonders als Mitglied des Amaryllis-Quartetts, mit dem er bedeutende Preise gewinnen konnte, unter anderem 2012 den „Echo Klassik“. Er versteht es bestens als Konzertmeister die Musiker des Orchesters in seinen Bann zu ziehen und mit seinem Orchester einen besonders intensiven Klang zu entwickeln.

Bereits das erste Werk, die „Suite aus Holbergs Zeit“ im alten Stil dürfte in der Art, wie sie die Heilbronner nachempfanden, den Intuitionen des norwegischen Komponisten Edvard Grieg von einer „Nordischen Musik“ besonders entsprechen, einer Harmonik, die immer wieder auf norwegische Volksweisen und auch traditionelle Bauerntänze zurückgreift. Dies ließen die Musiker sogar in den nach barocken Vorbildern gestalteten fünf Sätzen deutlich hervorblitzen, die als „Holberg-Suite“ dem Gründer der modernen dänischen Literatur anlässlich eines Jubiläums huldigen sollte. Das Publikum erlebte Tanzsätze, in denen die unterschiedlichen Temperamente deutlich zur Geltung kamen, frisch oder melodisch, mit festem Schritt oder tänzerisch anmutig, am Schluss hymnenhaft und energiegeladen.

Nach diesem selten so intensiv interpretierten Werk brachte Olga Scheps mit dem „Konzert für Klavier und Streichorchester Nr. 2 f-Moll“ eine völlig andere romantische Welt ins Spiel. Offenbar ist sie von Frédéric Chopins Musik fasziniert. Völlig verinnerlicht widmete sie sich dessen emotionalen Klangvorstellungen und den technischen Feinheiten seiner Kompositionskunst. Spielend leicht formten ihre Finger die perlenden Läufe, die oft genug mit winzigen rhythmischen Tücken versehen sind, die aber alle problemlos als gestaltende Mittel in ihre fließenden Klänge eingingen. Ganz den Gefühlen gab sie sich im zweiten Satz „Larghetto“ hin, dem sich auch das Orchester klanglich mitfühlend ergab, bis das finale Allegro bei Solistin und Begleitern spürbares Feuer entfachte, Solocello und Solovioline herausforderte und in einen humorvollen Schlussteil mündete.

Wieder führte Edvard Griegs „Streichquartett Nr. 1 g-Moll“, in die von ihm geprägte Nordische Musik und tatsächlich fühlte man sich gleich in eine schroffe Eislandschaft versetzt. Fast schrill wirkten die Töne in den hohen Lagen und ließen spüren, dass diese Romantik durchaus nicht als süßlich zu empfinden ist. Andererseits kamen aber auch bei einem wunderbaren Cello-Solo Gefühle auf, was die Violen in der folgenden Romanze animierte, mit großer Intensität einen eigenen, unverwechselbaren Klang zu generieren, dem sich Primgeiger Frielinghaus solistisch virtuos anschloss. Das abschließende Lento leitete mit einem schrägen Akkord den schwungvollen Saltarello ein, was die Zuhörer zu emphatischem Applaus anregte. Es ließ sich aber nicht durch eine einzige Zugabe allein aus Tschaikowskys „Nussknacker“ befriedigen. Es war erst nach dem „Rondo“ der „Kleinen Nachtmusik“ besänftigt.

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