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Apotheken im Ries

26.01.2020

Engpässe bei Arzneimitteln im Ries: Das müssen Kunden wissen

Inga Knie (links) und Denise Krizek (rechts) vom Team der St. Georgs-Apotheke in Nördlingen zeigen die Petition gegen die Arzneimittelknappheit, die in der Apotheke am Tresen ausliegt.
Foto: Helga Egetenmeier

Plus In Rieser Apotheken liegen derzeit Unterschriftenlisten aus. Auf welches Problem die Initiatoren die Politik damit aufmerksam machen wollen.

Wenn der Patient mit seinem Rezept in die Apotheke kommt, will er dort das verschriebene Medikament erhalten. Doch das wird immer schwieriger, wie Nördlinger Apotheker gegenüber unserer Zeitung bestätigen. Denn sie müssen den Kunden jetzt des Öfteren erklären, dass die Ausgabe des gewünschten Arzneimittels gerade nicht möglich sei.

Zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle: Zum einen gibt es seit Längerem eine Knappheit an Arzneimitteln, zum anderen schreibt das Rabattsystem der Krankenkassen ihren Mitgliedern vor, von welchen Unternehmen sie das Medikament beziehen dürfen.

Apothekerin Dorothea Tegeler von der St. Georgs-Apotheke in Nördlingen sagt: Es sei eine Tatsache, dass es ständig Lieferschwierigkeiten von Seiten der Hersteller gebe. Bei ihr am Tresen liegen Unterschriftenlisten für eine Petition an den Deutschen Bundestag aus. Unter dem Titel „Nein zu Lieferengpässen von Medikamenten“ soll die Politik aufgefordert werden, dieses Problem zu beenden. Die Apothekerin hat über ihren Großhändler von der Unterschriftenliste erfahren und freut sich, dass viele ihrer Kunden Interesse zeigen und unterschreiben.

Engpässe bei Arzneimitteln im Ries

Initiator der Unterschriftenaktion ist Jürgen Hoffmann von der Schwanen-Apotheke in Burgstädt. Auf seiner Webseite informiert er darüber, dass die Unterschriftenlisten am 31. Januar beim Petitionsausschuss in Berlin eingereicht werden sollen. Während der Beratungszeit sollen weitere Unterschriften gesammelt und am 29. Februar nachgereicht werden, um auf die Brisanz der aktuellen Arzneimittelknappheit hinzuweisen.

Auch in der Ries-Apotheke ist der Engpass bei Medikamenten ein „sehr, sehr großes Thema“, wie Apotheker Matthias Herrmann bestätigt. In einfachen Fällen könne eine mit acht Milligramm Wirkstoff verschriebene Tablette – nach Rücksprache mit dem Arzt – auch durch eine doppelt einzunehmende Vier-Milligramm-Tablette ersetzt werden. Doch so leicht sei es nicht immer. Mehrfach täglich komme es vor, dass die verschriebenen Medikamente nicht verfügbar seien, und dies betreffe die ganze Bandbreite an nachgefragten Produkten, sagt Herrmann. Um die Größenordnung zu verstehen, nennt er die während des Gesprächs aktuelle Zahl von „136 Defekt-Meldungen“. Mit dieser Zahl teilt der Großhändler dem Apotheker mit, wie viele Arzneimittel aktuell nicht verfügbar sind. Vor ein paar Jahren seien diese Meldungen noch bei drei bis vier Produkten gelegen, doch seit mehreren Monaten seien sie nun jenseits der hundert.

Warum Apotheker in Erklärungsnot kommen

Die Kombination aus Lieferengpass und Rabattsystem der Krankenkassen bringe sie manchmal in Erklärungsnot, erläutert Annette Saremba, pharmazeutisch-technische Assistentin in der Ries-Apotheke. Falls das vom Rabattsystem vorgeschriebene Medikament nicht lieferbar ist, muss sie für die Krankenkasse dokumentieren, warum sie ein anderes Produkt herausgibt. Denn die Krankenkassen schreiben vor, nur eines der vier preisgünstigsten Medikamente auszuwählen. Saremba beklagt einen Anstieg der Bürokratie, wodurch das Zwischenmenschliche, für sie ein wichtiger Aspekt ihres Jobs, immer weiter verloren geht. „Das Licht am Ende des Tunnels ist nicht sichtbar“ betont Ralf Metzger, Inhaber der Ries-Apotheke. Er sieht ein Bündel von Ursachen als Grund für die seit Jahren ansteigende Arzneimittelknappheit.

Dazu gehörten die EU-Umweltauflagen wie auch der Preisdruck von den Krankenkassen. Deshalb habe sich die Produktion der Basisstoffe in Länder wie die Ukraine, China und Indien verlagert. Gleichzeitig habe sich die Anzahl der Hersteller verringert. So würden bei Ausfällen von Firmen und Fabriken, wie es durch Risiken wie Krieg, Verunreinigungen und Naturkatastrophen bereits geschehen sei, Lieferengpässe bei den Medikamentengrundstoffen entstehen.

Arzneimittel-Bestellungen der Donau-Ries Kliniken aus Nördlingen, Oettingen und Donauwörth gehen bei dem Fachapotheker für klinische Pharmazie, Roland Hammer, ein. Auch er weiß von der Knappheit an Wirkstoffen zur Medikamentenherstellung zu berichten. Obwohl in seiner Branche, im Gegensatz zu den Apotheken, nicht die große Auswahl an Medikamenten gefordert wird, gibt es bei der Zulieferung an Krankenhäuser Engpässe. Diese würden auch durch eine Kontingentierung für notwendige Fälle ausgeglichen. Doch auch er befürchtet: Ohne eine Änderung bei der Produktion der Wirkstoffe wird die Verknappung weiter zunehmen.

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