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02.02.2020

Er setzte den Anschluss an Rieswasser in Holzkirchen durch

Kaspar Greiner an seinem Schreibtisch.
Bild: Greiner

Plus Kaspar Greiner war von 1960 bis 1978 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Die Liste der Bauprojekte in seiner Amtszeit ist lang.

Bis zum 30. April 1978 war das Schild „Wohnung des Bürgermeisters“ am Wohnhaus des bäuerlichen Anwesens von Kaspar Greiner in Holzkirchen, Hausnummer neun angebracht. Vom 1. Mai 1960 bis zu diesem Termin war er Bürgermeister der bis dahin selbstständigen Gemeinde Holzkirchen mit ihren etwa 350 Einwohnern. Im Jahr 1905 ist Kaspar Greiner dort geboren und starb auch dort im Jahr 1999. Greiner war der letzte Bürgermeister des selbstständigen Dorfes mit einer traditionsreichen Geschichte in der Grafschaft, dem späteren Fürstentum Oettingen.

Am 16. Mai 1418 wurde dem Oettinger Grafen auf dem Konzil in Konstanz von Kaiser Sigismund bestätigt, dass das „Stetlin“ Holzkirchen das Recht auf einen Wochenmarkt und vier Jahrmärkte zugesprochen wird. Im fürstlichen Oberamt Alerheim war der „Markt Holzkirchen“ Sitz des „Halsgerichts“ und übte die höhere Gerichtsbarkeit aus. 23 Todesurteile sind in den Annalen vermerkt, die in Holzkirchen gefällt und vollstreckt wurden. Der Ort war Sitz der Handwerkszünfte des Hoheitsgebietes, die regelmäßig in Holzkirchen tagten. Alle diese Rechte wurden mit der Eingliederung in das Königreich Bayern im Jahr 1806 aufgegeben. Dass Kaspar Greiner und seine Vorgänger diese Traditionen hochhielten, wurde dadurch dokumentiert, dass bei den standesamtlichen Trauungen in der Gemeinde bis zuletzt die dörfliche „Ehehaft“ von 1680 (das ist die Dorfordnung, in der das dörfliche Zusammenleben geregelt ist) mit einer künstlerischen Holzschatulle und des darin enthaltenen fürstlichen Siegels auf dem Tisch des Standesamtes lag.

In seinem 90. Lebensjahr verfasste Greiner seine Erinnerungen

Greiner verfasste in seinem 90. Lebensjahr seine Erinnerungen „Aus meinem Leben“, in denen er detailliert auf seine Tätigkeiten als Bürgermeister einging. Bereits 1946 war er in den Gemeinderat gewählt worden. Sein erstes großes Vorhaben als Bürgermeister war 1960 die Asphaltierung der Dorfstraßen. Bis dahin waren es die dörflichen Kalkstraßen mit dem typischen dörflichen Straßendreck. Welche Schwierigkeiten dabei auftraten, ist aus heutiger Sicht kaum verständlich. In der Diskussion, aber noch nicht baureif war damals die Versorgung der Bevölkerung mit Rieswasser im mittleren Ries. Vor dem Straßenbau sollte das Leitungsnetz des Rieswassers verlegt werden. In heißen Debatten in einer Bürgerversammlung wurde das jedoch von der Mehrheit der Bürger abgelehnt. „Wir haben Wasser von unseren Brunnen und wollen auch nicht noch für das Wasser bezahlen“, hieß es.

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Greiner ließ nicht locker und in einer zweiten Versammlung wurde dem Einbau zugestimmt. Erst drei Jahre später floss das Rieswasser. Lang ist die Liste der Bauvorhaben in seiner Amtszeit: Bau der neuen Wörnitzbrücke, Flurbereinigung von 1964 bis 1970, Erschließung eines Baugebietes, Bau der Straße nach Speckbrodi und Ausbau des Kirchenweges, neue örtliche Straßenbeleuchtung, Ausweisung und Anlage eines damals für ein Dorf vorbildlichen Sportplatzes, Bau eines neuen Feuerwehrhauses, Neubau des Leichenhauses, Neubau der Schmutzwasserkanalisation mit Gründung des Zweckverbandes mit den Nachbargemeinden Fessenheim und Wechingen.

Die Aufwandsentschädigung für Bürgermeister war gering

Viele Diskussionen gab es damals um die Neuordnung des Schulwesens und den Standort der Schulen. Eine Herzensangelegenheit war für Greiner auch die Schaffung einer Patenschaft mit der unterfränkischen Gemeinde Holzkirchen im Jahr 1975 mit vielen gegenseitigen Veranstaltungen und Besuchen. „Während meiner 18-jährigen Amtszeit fand eine tief greifende und fortwährende Erneuerung des Dorfes statt, weil die Bürger eine zeitgemäße Lebensweise auch im Dorf forderten“, beschreibt Greiner seine Tätigkeit in seinen Erinnerungen. Das Bürgermeisteramt war ein Ehrenamt mit geringer Aufwandsentschädigung. In der Anfangszeit waren es für ihn 2500 Mark im Jahr einschließlich der so genannten „Ganggebühren“. Der Aufwand an Zeit war damit in keiner Weise abgegolten. Nach der Gebietsreform gab es für langjährige Dorfbürgermeister allerdings einen gewissen Ausgleich: Das bayerische Ehrensoldgesetz sicherte ihnen im Alter eine kleine Zusatzrente.

Aus den bisher selbstständigen Gemeinden Wechingen, Fessenheim und Holzkirchen aber wurde die neue Gesamtgemeinde Wechingen.

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