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Donau-Ries

12.08.2020

Erfasst die Pandemie auch den Bau im Donau-Ries-Kreis?

In Riedlingen in der Hermann-von-Gaisbergstraße entstehen derzeit Einfamilienhäuser.
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus Der Bauboom im Donau-Ries läuft – noch. Immer mehr Wohnungen werden genehmigt. Doch jetzt schlägt auch hier Corona zu, so ein Experte.

Bauen boomt im Landkreis Donau-Ries – noch. Die Zahl der Bauanträge bewegte sich im ersten Halbjahr ungebrochen auf einem hohen Niveau, wie das Landratsamt feststellt. Für 181 Wohngebäude mit 289 Wohnungen wurden in der ersten Jahreshälfte 2020 laut dem Landesamt für Statistik Baugenehmigungen erteilt. Das sind 25 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum, die Zahl der Wohngebäude für 2019 liegt nur etwas niedriger.

Für Gebäude, die nicht dem Wohnen dienen, wurden bis Ende Juni 65 Baugenehmigungen erteilt, 2019 waren es 54 zum gleichen Zeitpunkt. Über zehn Jahre betrachtet, zeigt die Kurve der Zahl der Baugenehmigungen steil nach oben. Im Jahr 2009 waren es noch 202 Genehmigungen für Wohnhäuser mit 321 Wohnungen im Landkreis. Eine Dekade später, 2019, betrug die Zahl der Wohngebäude mit 409 über das Doppelte und die Zahl der Wohnungen lag bei 554.

Bauen im Landkreis Donau-Ries: Zahlen, Fakten und Entwicklungen

Für die Städte des Landkreises liegen zum jetzigen Zeitpunkt nur Zahlen für die Vorjahre vor. In Nördlingen wurden vergangenes Jahr 35 Wohnhäuser mit 56 Wohneinheiten genehmigt. Betrachtet man das zurückliegende Jahrzehnt, so schwankt die Zahl der genehmigten Wohnbauten nur leicht um einen Mittelwert von 37, durchschnittlich kamen 72 Wohnungen pro Jahr hinzu. 2018 und 2016 ragen in der Statistik jedoch heraus: Die Zahl der neuen Wohnungen lag in diesen Jahren annähernd doppelt so hoch wie der Durchschnittswert.

So sieht die Statistik bei Baugenehmigungen für Wohngebäude (grüne Kurve) und Wohnungen (rot) in den vergangenen elf Jahren aus.

In Donauwörth erhielten vergangenes Jahr 22 Wohnbauten mit 26 Wohnungen eine Genehmigung. Auch dort blieb die Zahl der genehmigten Wohnbauten seit 2009 relativ konstant bei einem jährlichen Mittelwert von 29 Wohngebäuden und 59 Wohnungen. 2018 waren es überdurchschnittlich viele neue Wohnungen, nämlich 100.

Aufträge bei den Baufirmen im Donau-Ries werden storniert

„Die Auftragsbücher der meisten Bauunternehmen im Hoch- und Straßenbau sind noch relativ gut gefüllt“, sagt Christoph Schweyer, Geschäftsführer der Bauinnung Nordschwaben. Allerdings verzeichneten die Baufirmen bereits deutliche Umsatzrückgänge, sie hätten mit massiven Auftragsstornierungen infolge der Pandemie zu kämpfen. Die Auftragslage für die nächsten Monate sei stark gefährdet und man hoffe auf öffentliche Projekte, da sich viele Privathaushalte derzeit mit Aufträgen zurückhielten. Das bedeute demnach auch, dass es momentan einfacher sei, einen Termin bei einem Handwerker zu bekommen.

In Nähermemmingen entsteht am Ortsausgang Richtung Nördlingen ein neues Baugebiet.
Bild: Matthias Link

Karl Poth, Gewerkschaftssekretär bei der IG Bau, weist auf die Infektionsgefahr auf den Baustellen hin: „Die Beschäftigten werden immer nachlässiger mit den Abstands- und Hygieneregeln.“ Andererseits müssten sich die Arbeitgeber im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht darum kümmern, dass die Arbeiter nicht in voll besetzten Bussen zur Baustelle fahren. Sie müssten flexible Pausenzeiten ermöglichen, wenn die Pausenräume für das Team zu klein seien. „Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft und Gesundheitsämter sollten auch auf den Baustellen mehr kontrollieren, ob dort die entsprechenden Hygienevorschriften eingehalten werden und das Schutzmaterial vorhanden ist. Bei extremen Verstößen müssen sie auch Sanktionen aussprechen“, sagt der Gewerkschafter. Die IG Bau meldet auch einen Nachwuchsmangel im Landkreis, da von 78 ausgeschriebenen Ausbildungsplätzen noch über die Hälfte unbesetzt seien. Um die Attraktivität der Bauberufe zu steigern, fordert die Gewerkschaft eine Anhebung der Azubi-Löhne um 100 Euro in der laufenden Tarifrunde.

Bauen im Landkreis Donau-Ries: Naturschutzverein begrüßt Nachverdichtung

Der Rieser Naturschutzverein begrüßt die Nachverdichtung im Bestand, wie sie in der Stadt Nördlingen zu beobachten sei. „Auch in den Dörfern sollte der Fokus auf Innenentwicklung vor Ausweisung von Neubaugebieten gerichtet werden“, sagt Johannes Ruf, Vorsitzender des Vereins. Jede Neuerschließung von Bauland und Gewerbegebieten verbrauche Flächen, die der Landnutzung entzogen würden. Gebot der Stunde sei es daher, möglichst sparsam mit Flächen umzugehen und auf ökologischen Ausgleich von Eingriffen zu achten. „Dazu gehört auch, die Versiegelung zu minimieren, Regenwasser möglichst auf der Fläche zu versickern und auf eine naturverträgliche Gestaltung der verbleibenden Freiflächen hinzuwirken“, sagt Ruf.

Wer einen Bauantrag bei der Gemeinde eingereicht hat, muss derzeit laut Landratsamt mit einer Bearbeitungszeit von bis zu einem halben Jahr rechnen. Das Landratsamt habe bereits Maßnahmen ergriffen, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen.

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