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Gedenken

23.01.2019

Erinnerungen an einen großen Rieser

Anton Jaumann am 26. September 1993 im Nördlinger Klösterle anlässlich der Kulturpreisverleihung. Es ist die letzte Aufnahme des Politikers in der Öffentlichkeit. Gestorben ist er am 23. Januar 1994.
Bild: Jochen Aumann

Vor 25 Jahren starb Anton Jaumann. Als Verfechter der Ökumene setzte er 1976 ein Zeichen, das weit über die Region Signalwirkung hatte.

Heute vor 25 Jahren starb Anton Jaumann. Von 1970 bis 1988 war der gebürtige Belzheimer, Jahrgang 1927, bayerischer Wirtschaftsminister. Er hatte viel Einfluss und ein großes Netzwerk. Dabei galt er als geradlinig. Seine Hilfsbereitschaft war groß. Er war aus tiefer Überzeugung christlich-sozial. „Er war ein Glücksfall für das Ries“, sagt auch Herbert Dettweiler. Unter Jaumanns Führung wandelte sich Bayern vom Agrar- zum modernen Industriestaat, sagt der Kreisheimatpfleger. Auch der Landkreis profitierte.

Jaumann setzte sich für den Bau des Almarin-Hallenbades ein

Neben seiner blitzsauberen politischen Karriere in München blieb er seiner Heimat Belzheim und dem Ries immer verbunden. Rieser Städte und Gemeinden dankten es Jaumann, indem sie ihn zum Ehrenbürger machten oder Straßen, Plätze, Industrieparks in Nördlingen und Buchdorf und die Realschule in Wemding nach ihm benannten. Die erste Ehrenbürgerwürde wurde ihm von der Gemeinde Mönchsdeggingen im Jahr 1976 verliehen. Um den Tourismus anzukurbeln, hatte sich Jaumann für den Bau des Almarin-Hallenbades eingesetzt. In Nördlingen unterstützte Jaumann viele Gewerbeansiedlungen. Sein Credo lautete: Die Arbeitsplätze müssen zu den Menschen kommen, nicht die Menschen zu den Arbeitsplätzen.

Jaumann setzte sich nach der Gebietsreform 1972 vehement dafür ein, dass nicht alle Ämter nach Donauwörth abgezogen werden. Auch in Oettingen ist Anton Jaumann Ehrenbürger: Als verbrieft gilt, dass Oettingen dank Jaumann Standort eines Gymnasiums ist. Ins Reich der Legenden hingegen gehört wohl, dass er diese Standort-Zusage beim „Schafkopfen“ gewonnen hat.

1966 beruft ihn Alfons Goppel ins Kabinett

Seine Hilfsbereitschaft und geradlinige Art fußten auf seiner bäuerlichen, christlich geprägten Herkunft. Nach Dorfschule und Progymnasium wurde er als 17-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen und konnte erst 1948 das Abitur machen. 1949 trat er in die CSU ein. Er, der zuerst Pfarrer werden wollte, studierte Jura und Volkswirtschaft in Würzburg und wurde Anwalt.

1955 wird Anton Jaumann Vorsitzender der CSU im Landkreis Nördlingen, nach 1972 im neuen Kreisverband Donau-Ries ebenfalls Vorsitzender. Ab 1958 ist er acht Legislaturperioden Landtagsabgeordneter der Region, ab 1963 Generalsekretär der CSU. 1966 beruft ihn Ministerpräsident Alfons Goppel ins Kabinett, zunächst als Finanz-Staatssekretär. 1970 wird er zum Minister für Wirtschaft und Verkehr ernannt. Den CSU-Bezirksvorsitz übergibt er später an seinen politischen Ziehsohn Theo Waigel.

Widerstand der Rieser bei Autobahnspange

Er vertrat die Gedanken der sozialen Marktwirtschaft. Zwar müsse „Leistung vor Verteilung“ kommen, sagte er. Aber wenn ein Einzelner mit seinem Leben nicht zurechtkomme, verdiene er staatliche Hilfe. In der Energiepolitik vertrat er die Forderung „Weg vom Öl“ und hin zum „Rohstoff Geist“. Er förderte Forschungs- und Technologieprojekte und gilt auch deshalb als „Architekt eines modernen Bayern“. Eine politische Niederlage musste Jaumann einstecken: Die von ihm favorisierte „Autobahnspange Feuchtwangen – Donauwörth“ scheiterte am Widerstand der Rieser. Die A91 durch das Ries – geplant war eine Route von Wassertrüdingen über Oettingen nach Süden – wird nicht verwirklicht. „Damals hatte Jaumann die Naturschützer, Denkmalpfleger und eine breite Bürgerbewegung gegen sich“, erinnert sich Dettweiler. Eine 50 Meter breite Autobahn hätte das Ries zerschnitten.

1975 initiierte Anton Jaumann die Rieser Kulturtage. Als Verfechter der Ökumene setzte er ein Zeichen, das weit über die Region hinausstrahlte. Eine glückliche Fügung war es, sagt Herbert Dettweiler, dass Jaumann seit der Schulzeit mit dem Augsburger Bischof Josef Stimpfle aus Maihingen und mit dem evangelischen Landesbischof Johannes Hanselmann aus Ehingen befreundet war. Die ersten Rieser Kulturtage wurden 1976 mit dem ersten ökumenischen Gottesdienst in Bayern in der Auhausener Klosterkirche eröffnet – „ein Meilenstein im Zusammenwachsen der Konfessionen“, sagt Dettweiler rückblickend.

1988 reichte Jaumann sein Rücktrittsgesuch ein und legte gleichzeitig fast alle Ehrenämter nieder. Er blieb bis 1990 „einfacher Abgeordneter“. Am 23. Januar 1994 starb Anton Jaumann in München. Seine Ehefrau Margarete und langjährige Freunde erfüllten Anton Jaumanns Vermächtnis: Die Gründung einer Stiftung zur Pflege der Kirchenmusik im Ries und den Bau der Antoniuskapelle oberhalb von Belzheim.

Gedenk-Veranstaltungen: Am heutigen Mittwoch finden zum 25. Todestag von Anton Jaumann zwei öffentliche Gedenk-Veranstaltungen statt: um 17 Uhr ein Gedenken am Friedhof in Belzheim und um 19 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in St. Salvator in Nördlingen.

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