Waldbegang

27.09.2014

Ernter, Spinner, Nager

Forstamtsdirektor Werner Vonhoff erklärt den Vollernter. Die Metallzähne des Aggregats im Vordergrund gehören zu den Walzen, die den umklammerten Stamm nach oben durch die klauenartigen Klingen schieben, die das Holz entasten und hobeln.
Bild: hum

Schlaglicht auf das Alltagsgeschäft im Forst

Im diesjährigen Begang des Stiftungswaldes mit Stadträten und Mitgliedern der Verwaltung beleuchteten Forstamtsdirektor Werner Vonhoff und die Revierförster Horst Ferner und Sven Schmidt das Alltagsgeschäft. Das lief rein wirtschaftlich extrem gut im letzten Jahr: 230000 Euro Gewinn warf der Stiftungswald ab, ein Rekord. Die Holzpreise sind derzeit hervorragend, der Festmeter Fichte bringt 100 Euro pro Festmeter, Brennholz erzielt gute Preise und was früher als Abfall galt, ist jetzt als Hackschnitzel sehr begehrt.

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Doch in erster Linie gehe es gar nicht ums Geld, sondern um Nachhaltigkeit und Naturpflege. Im Stiftungswald ließe sich dies alles vereinen, er ist ein Paradies für Wanderer und Spaziergänger. Wie seine Vorgänger achtet Vonhoff auf Vielfalt, dank derer er immer die gerade gefragtesten Holzarten anbieten kann. So präsentierte er auch Tuja-Bäume und die ersten Maronenbäume – Heimische Maronen auf dem Nördlinger Weihnachtsmarkt seien nur noch eine Frage der Zeit.

Wie effektiv die Technik zur Bewirtschaftung eingesetzt wird, zeigte ein Harvester-Einsatz in einer Fichtenanpflanzung mit 20 Meter weit auseinander stehenden Gassen für die Vollerntemaschine mit einer Reichweite von zehn Metern. Jeweils in Sekunden umklammert das Aggregat am Greifarm die Stämme, sägt sie ab, entastet und hobelt sie. Zwei Tage brauchte Jörg Heider von der Ederheimer Firma Schwarz, um den Bestand im Waldgebiet Hohenstein bei Ederheim auszulichten. „Ein drei Mann starker Forstarbeitertrupp hätte früher per Hand zwei Wochen dazu gebraucht“, schildert Horst Ferner den Unterschied zwischen Hightec und „guter“, alter Zeit. „Das war eine Schinderei, die vor allem auf den Rücken ging.“ Gewinn blieb keiner übrig, Lohnkosten waren in der Regel höher als der Ertrag. Borkenkäfer können in befallenen Beständen mit dem Harvester gezielt dezimiert werden, aber ein anderer Schädling wird wegen der schweren Zugänglichkeit der Bäume im Wald nur an Wegesrändern bekämpft, um Waldbesucher frei von Gefahr zu halten – der Eichenprozessions-Spinner. Die Puppen des Schmetterlings nisten in einem Gespinst mit heimtückischen Härchen voller Eiweißgift. Noch nach Jahren sind sie aktiv, die Härchen mit Widerhaken reizen die Haut, dringen in Magen und Lunge ein. Laut Werner Vonhoff mussten schon Waldarbeiter, die in befallenen Eichenbeständen arbeiteten, mit Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Eichenprozessions-Spinner hat sich in der Region stark verbreitet und es ist unmöglich, flächendeckend die aufwändigen Absaugarbeiten durchzuführen, mit denen er von Fachfirmen entfernt wird. Bei einem anderen Tier halten sich Sympathie und Schaden die Waage: An der Waldstraße zur Ausflugsgaststätte Alte Bürg zeigte Werner Vonhoff einen aufgestauten Teich an einem Biberdamm; von den Nagern wurden diese Wälle ursprünglich gegen Wölfe angelegt. Vor 30 Jahren waren Biber bei uns noch nicht ansässig und man tötete Einzelexemplare, die auftauchten. Die Tiere seien eine Bereicherung der Natur, aber Förster Sven Schmidt erklärte, demnächst müsste man einige angenagte große Bäume im und am Teich fällen, bevor sie auf den nahen Waldparkplatz stürzen.

Den Damm schneidet man immer wieder ein, um den Wasserstand niedrig zu halten. Sven Schmidt erklärte an einem Steinbruch nach Dehlingen, wie sich solch ein Abbaugebiet in den Waldboden frisst – während des gesamten Abbaus verwandeln sich rund 34 Hektar Waldboden in Steinbruch, davon acht Hektar Stiftungswald und 26 Hektar fürstlicher Forst.

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