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Energiewende

19.10.2012

Europaweit einzigartige Technologie

Die Hightec, die im Wechinger Anlagen-Prototyp steckt, soll später viele Millionen im Leitungsausbau für regenerative Energien sparen.
Bild: hum

Erste intelligente Spannungsregelung zur Einspeisung vieler Stromquellen präsentiert

Wechingen Es ist nicht übertrieben: Wechingen schreibt Geschichte in der Energiewende Europas. Das liegt daran, dass die Riesgemeinde an der Wörnitz Modellcharakter für die Energielage der Zukunft hat: Aus vielen Quellen, sprich Photovoltaik-Anlagen und Biogasanlagen, wird Strom ins Netz eingespeist. So soll es sein, doch die Probleme, die es mit sich bringt, werden derzeit heftig diskutiert: Es gibt starke, oft sonnenscheinbedingte Spannungs-Schwankungen; die Netzspannung kann so stark steigen, dass sich die Solaranlagen automatisch abschalten. Der Stromfluss läuft zeitweise rückwärts und es wird viermal so viel eingespeist wie verbraucht.

Vier Konzerne arbeiteten an der Lösung

Vier Konzerne arbeiteten an einer Lösung: Die Energieversorger und Netzbetreiber EnBW ODR und EnBW Regional, der Technologiekonzern ABB sowie die Deutsche Telekom. Für Wechingen entwickelten sie das Projekt „RiesLing“, wobei „Ling“ für „Leittechnik intelligent gemacht“ steht.

Europaweit einzigartige Technologie

Der Leitungsfluss wird reguliert

Die garagengroße Anlage misst die Spannung an verschiedenen Stellen im Netz, übermittelt die Daten an die Netzleitstelle, von wo Mittelspannungsschalter gesteuert und Spannungsschwankungen innerhalb des Netzes ausgeglichen werden. Der Leistungsfluss wird reguliert, Energie-Überschüsse in Bereiche gelenkt, wo noch Kapazitäten frei sind, gegebenenfalls wird der Strom in überregionale Netze abgeleitet. Das alles geschieht größtenteils automatisch.

Der Hauptvorteil: Man spart sich einen Teil des teuren Leitungsausbaus, mit dem Stromspitzen abgefangen werden sollen.

Festakt in Wechingen

In einem Festakt in Wechingen wurde die Anlage im Beisein von Führungskräften aller beteiligter Konzerne in Betrieb genommen. In Gesprächsrunden erörterte Bernhard Palm, Prokurist Technische Leitung EnBW ODR, die Energiewende.

Diese begann laut stellvertretendem Landrat Alfred Stöckl im Ries vor über 20 Jahren, als man beschloss, bei Schulen und Landkreisgebäuden massiv Energie zu sparen. Energieberatung oder Leitziel 20 20 20 (bis 2020 20 Prozent Strom sparen und 20 Prozent regenerative Energien einsetzen) waren Maßnahmen, deren Erfolg Stöckl mit Statistiken bewies.

Kritische Frage zur Akzeptanz

Auf die kritische Frage zur Akzeptanz von Biogas-Anlagen erklärte Wechingens Bürgermeister Klaus Schmidt, die Gemeinde-Einwohner schätzen einerseits, dass sie quasi von selbst erzeugtem Strom leben und ein Biogas-Abwärmenetz nutzen können. Andererseits haben sie in der Zeit der Maisernte schwer mit Lärm- und Verkehrsbelästigungen zu kämpfen, verursacht durch immer größere landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Feuer und Flamme für die Wende

Dr. Martin Schumacher, Vorstand des Technologie-Konzerns ABB erläuterte, ohne Mitarbeiter und Kunden, die Feuer und Flamme für die Energiewende wären, ließe sich diese nicht realisieren.

Laut Gabriele Riedmann de Trinidad von der Deutschen Telekom habe ihr Unternehmen täglich 40000 digitale Angriffe im Netz zu bewältigen.

Schutz durch mehrfache Kodierung

Das Energie-Netz schütze man dreifach durch mehrfache Kodierung und die Loslösung vom Internet. Dr. Martin Konermann, Vorstand Technik der EnBW Regional, erklärte, die Erfahrungen, die man mit der Prototyp-Anlage in Wechingen sammle, würden immer wichtiger.

Eine Verdoppelung in fünf Jahren

In fünf Jahren werde sich die Anzahl der Solaranlagen verdoppeln, jeder vierte EnBW-Kunde versorge sich dann selbst mit Strom.

Frank Hose, Vorstand EnBW ODR, gab zu bedenken, dass beim nächsten entscheidenden Entwicklungsschritt, den Energiespeichern, die Verteilungsnetz-Steuerung, wie sie in Wechingen getestet wird, ebenfalls unerlässlich sein werde. Dabei werden Energie- und Kommunikationsnetze zusehends ineinander übergehen.

Bei aller technischer Innovation versorgten Mitglieder des Sportvereins Wechingen die Gäste im Sportheim mit raffiniert zubereiteten Häppchen.

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