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Belästigung

07.11.2019

Exhibitionist steht erneut vor Gericht

Vor dem Nördlinger Amtsgericht musste sich ein 51-Jähriger erneut verantworten. Er hatte sich vor einer Jugendlichen sexuell befriedigt.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ein heute 51-Jähriger hat sich vor gut zwei Jahren im Ries vor seinem Opfer befriedigt und es in seinen Lkw gelockt. Er geht gegen das Urteil vor.

Die Jugendliche leidet bis heute an den Folgen der Tat. Sie musste sich einen anderen Reitstall suchen, weil die Erinnerungen an den Mann am Lkw zu beängstigend waren und immer dann kamen, wenn sie das Pony besuchte. Dass das Amtsgericht nun noch einmal über den Fall entscheiden muss, macht ihre Verfassung nicht besser, schildert ihr Vater. Sie möchte das Erlebte doch einfach nur so schnell wie möglich abschließen. Doch der Täter will einen Freispruch.

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Ende Februar 2019 ist ein heute 51-Jähriger zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt worden, weil er sich im Ries vor dem damals 13-jährigen Mädchen befriedigt hatte und es dann aufforderte, mit in seinen Lkw zu kommen. Der Mann hatte sein Opfer von einem Parkplatz aus beobachtet. Er wollte mit einer Revision gegen das Urteil des Richters vorgehen, wie Richterin Ruth Roser am Mittwoch bei der erneuten Verhandlung sagt. Das Bayerische Oberlandesgericht entschied jedoch, dass der Schuldspruch wegen exhibitionistischer Handlungen rechtskräftig ist. Über was das Gericht neu entscheiden muss, ist die Strafzumessung – also die Höhe seiner Geldstrafe und die Gerichtskosten, die er tragen muss.

Der Vater sagt als Zeuge aus

Die Richterin muss berücksichtigen, wie es dem Opfer heute geht. Zu diesem Zweck ist der Vater als Zeuge geladen worden. Das Mädchen selbst erscheint nicht, wie Nebenklägervertreter Heiko Loder ausführt. Der Vater schildert, dass es seiner Tochter „sehr schlecht“ ging und dass sie auch heute noch traumatisiert sei, auch wegen der Fragen des Verteidigers im ersten Prozess. Wenn sie jedoch nicht mit dem Ereignis konfrontiert werde, fühle sie sich relativ gut.

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Was Roser ebenfalls für das neue Strafmaß bewerten muss, ist das Verhalten des Täters. Dieser macht vor Gericht jedoch nur Angaben zu seiner Person, nicht zum Tathergang. Der Kraftfahrer ist nicht verheiratet, hat aber drei Kinder, für eines davon sei unterhaltspflichtig.

Das einzige Positive, sagt Staatsanwalt Johannes Pausch, sei, dass keine Einträge im Bundeszentralregister vorlägen. Zu Lasten des Angeklagten legt der Staatsanwalt die intensive Tatausführung. „Ganz schwerwiegend“ sei, dass das Mädchen selbst zwei Jahre nach der Tat noch betroffen sei. Er fordert, wie im ersten Urteil am Amtsgericht, eine Geldstrafe mit 160 Tagessätzen, allerdings in Höhe von 28 Euro. Der Angeklagte soll seiner Ansicht nach auch die Kosten des Verfahrens, der Sprungrevision und sämtliche Auslagen übernehmen. Nebenklägerverteidiger Heiko Loder schließt sich dieser Forderung an. Der Mann habe kein Unrechtsbewusstsein und auch kein Interesse daran, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Der Täter entschuldigt sich nicht

Pausch versucht, den Angeklagten noch dazu zu bringen, sich wenigstens beim Vater für seine Taten zu entschuldigen. Der Mann rührt sich jedoch keinen Zentimeter.

In der Urteilsverkündung tauchen kaum Änderungen zum ersten Urteil im Februar auf. Wegen der Unterhaltspflicht wird die Höhe der Tagessätze von 40 auf 28 Euro abgeändert. Neben der Geldstrafe muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Verfahrensauslagen zahlen. Die Kosten des Revisionsverfahrens muss der 51-Jährige zu 70 Prozent tragen. Roser begründet ihre Strafzumessung damit, dass er keine Reue hinsichtlich der Tat zeige und dass die Folgen für das Opfer selbst zwei Jahre nach der Tat massiv seien. Sie sagt: „Hier muss ein deutliches Wort gesprochen werden.“

Ursprünglich lag gegen den Mann ein Strafbefehl wegen exhibitionistischer Handlungen vor, der eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro vorsah. Die Summe, die er jetzt zahlen muss, liegt deutlich höher. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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