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DGB

21.01.2019

Fairer Lohn für faire Arbeit

Beim DGB-Neujahrsempfang in der Alten Schranne: Das Bild zeigt (von links) Ortskartellvorsitzenden Karl Soldner, Gewerkschaftssekretär Karl Eichberger, Landrat Stefan Rößle, Kreisvorsitzenden Wolfgang Peitzsch und Bürgermeister Markus Landenberger-Schneider; dahinter die Musiker Hans und Michael.
Bild: Jim Benninger

Beim Neujahrsempfang spricht Karl Eichberger von der IG Metall. Gewerkschafter und Gäste gedenken kürzlich verstorbenem Albert Lanzinner

Beim DGB-Neujahrsempfang gedachten die Gewerkschafter und ihre Gäste in der Alten Schranne zunächst dem kürzlich verstorbenen Albert Lanzinner, der unter anderem 25 Jahre Vorsitzender des DGB-Ortskartells war. In dieser Funktion hatte er in den Neunzigerjahren den Neujahrsempfang ins Leben gerufen. Damals wie heute gehörten zu diesem auch wieder ein ausgezeichnetes gemeinsames Büffet sowie begleitende Musik, mit der diesmal die Südrieser Michael und Hans auf Klarinette und Akkordeon aufwarteten.

Ortskartellvorsitzender Karl Soldner hatte zunächst die Ehrengäste begrüßt, von denen Markus Landenberger-Schneider den Ehrenamtlichen für ihre engagierte Arbeit dankte. „Ich habe Hochachtung für Sie, weil Sie für mehr soziale Gerechtigkeit in den Betrieben sorgen“, betonte der Stellvertreter von Oberbürgermeister Herrmann Faul.

Landrat Stefan Rößle, der es als persönliches Anliegen ansah, wieder einmal bei den Gewerkschaftern vorbeizuschauen, sagte, dass man auch in Zeiten bester regionaler Statistiken den Arbeitsmarkt im Auge behalten müsse. In diesem gehe es unter anderem weiter um mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männer und Frauen sowie Leiharbeitern und Festangestellten. Nachdem in den vergangenen Jahren ein Rekord von 62000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Landkreis geschaffen wurde, läge die Arbeitslosenquote hier gerade noch bei 1,4 Prozent. Das sind weniger Menschen ohne Arbeit, als es noch offene Stellen für sie gibt, so Rößle.

Dieses „Jobwunder“ hinterfragte allerdings Wolfgang Peitzsch, denn auch mit Mindestlöhnen müssten die Beschäftigten jetzt und später gut in Rente leben können, so der DGB-Kreisvorsitzende, der sein Grußwort mit dem Dank für die Arbeit an die örtlichen Gewerkschafter schloss.

Festrede von Karl Eichberger

Die Festrede hielt dann Karl Eichberger von der IG Metall Augsburg über „Faire Arbeit – fairer Lohn“. Diese Forderung gelte nach wie vor allem für Frauen, denn von Platz 5 (2006) des „Global Gender Gap Reports“ über die Gleichstellung der Geschlechter sei Deutschland mittlerweile auf 14 abgerutscht. Aber auch die Tarifbindungen seien im vergangenen Jahrzehnt immer weiter gesunken, im Westen von 63 Prozent (2008) auf 55 und im Osten von 38 auf 27. Das mache den Beschäftigten Angst und so sei das Land auch durch die Ungerechtigkeit von 1,2 Millionen in Leiharbeit und Werkverträgen Arbeitenden sowie einem Rechtsruck derzeit gespalten.

Dies ziehe sich derzeit durch ganz Europa, wogegen man spätestens bei den kommenden Wahlen etwas tun sollte, meinte der Gewerkschafter, der diese als die bisher wichtigsten für ein bleibendes Europa ansieht. Bei der EG habe immer die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund gestanden, die soziale Frage wurde zu spät gestellt, vermutet Eichberger. Der glaubt aber weiter an offene Grenzen und eine gemeinsame Währung. Doch: „Es braucht eine soziale Steuerung der Globalisierung und Schutz vor ihren negativen Wirrungen“, forderte der Metaller.

Mehr Tarifbindungen

Dessen Gewerkschaft möchte wieder mehr Tarifbindungen herstellen und in allen dafür möglichen Unternehmen Betriebsräte als ein demokratisches Recht einrichten. Zudem dürfe Arbeit auch nicht krank machen, forderte Eichberger, was er bei zuletzt 2,1 Milliarden deutschen Überstunden gefährdet sieht. „Darum muss Arbeitszeit auch begrenzt werden, um den Menschen Zeit zum Durchatmen zu geben“, so der Gewerkschafter. Bereits jetzt wähle jeder Vierte, wenn es gehe, Freizeit statt Geld.

Neben guten Arbeitsbedingungen müsse es aber auch faire Löhne geben, damit man später einmal gesund in eine ausreichende Rente gehen könne, so der Augsburger. Der schloss dann mit Worten seines ehemaligen Kollegen Willi Bleicher: „Unsere Arbeit war nie einfach, aber sie war immer erfolgreich, wenn wir solidarisch zusammenstanden“.

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