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Bucherscheinung

15.01.2020

Familien-Abenteuer in Afrika

Das Titelbild des Buches von Monika Voitle.

Monika Voitle schreibt über ihre Reisen als Kind von Deiningen nach Libyen

Monika Voitle, geborene Schmidt, wuchs in Deiningen auf, wohnte von 1972 bis 1993 in Nördlingen und lebt heute in Ensheim, Rheinland-Pfalz. Ihr Vater Friedrich Schmidt war im Krieg Soldat in Afrika und erfuhr 1957 aus der Veteranen-Zeitschrift „Oase“, dass in Libyen Feuerwerker gesucht würden, die Minen und Granaten auf der Trasse einer von König Idris geplanten großen Wasserleitung räumen sollten. Er folgte dem für ihn sehr interessanten Berufsangebot und so reiste in jenem Jahr die Familie, also drei Kinder, Eltern und Großvater, im randvoll bepackten Mercedes 170 S von Deiningen ins libysche Derna.

Die Autorin war damals knapp fünf Jahre alt und schildert in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Wüstensand und Badestrand“ ihre detailgenau erinnerten Eindrücke aus der Sicht des damaligen Mädchens, was der Erzählung einen sehr authentischen und eindrucksvollen Anstrich verleiht. So erscheinen die völlig neuen Alltags-Details wie das lebhafte Feilschen des Vaters beim Einkauf, das unvermittelte Beten auf Teppichen „aus heiterem Himmel“ beim Ruf des Muezzin oder die verschleierten Frauen als durchweg erfrischende Erfahrungen.

Die Araber erwiesen sich als überaus kinderfreundlich, keine Sprachbarriere konnte neue Spielkameraden abhalten und nichts war selbstverständlicher als das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen. Bananen in ganzen Stauden, Orangen, Datteln, Melonen und andere exotische Früchte, zu Hause Luxus oder einfach unbekannt, gab es zuhauf. Ein Chamäleon als Haustier bei einem Kollegen des Vaters büßte niemals an Faszination ein und beschäftigte die Kinder stundenlang, wenn sie es mit Fliegen fütterten.

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Aus sicherer Entfernung durften sie den Vater bei der Arbeit beobachten, wenn er mit aufwändiger Ausrüstung über Kopfhörer dem Ticken des Metalldetektors lauschte und die entdeckten Minen entschärfte. Zeitlebens begleitete ihn dabei ein Schutzengel, doch einmal wurde es richtig gefährlich: Als die Kinder einen Erkundungskonvoi begleiten durften, verirrte sich dieser in der Wüste und kam einem Minenfeld gefährlich nahe. Ein anderes Abenteuer machte vor Ort Schlagzeilen in der lokalen Presse: Der Kollege des Vaters wurde eines Tages vermisst und man fand seine und andere Kleider am Strand. Vom Hubschrauber aus entdeckten Suchkräfte den Mann und einen Begleiter völlig erschöpft auf einer kleinen Insel – sie waren mit einem Floß abgetrieben. Dennoch fuhr die Familie immer wieder zu Badeausflügen ans Meer und die Kinder ließen sich in Schläuchen von Autoreifen durchs seichte Wasser treiben.

Bei einem Ausflug nach Tobruk schloss sich für den Vater ein Kreis: Er hatte an der großen Schlacht dort im Krieg teilgenommen und gedachte seiner Kameraden; 6000 gefallene deutsche Soldaten sind dort in einem Ehrenmal mit vier Türmen beigesetzt.

Bei aller Abenteuerlust und häufigen Umzügen hielt man an gewohnten Abläufen fest, feierte Weihnachten mit einem Zederngewächs als Christbaum, Silvester oder Fasching im Kreis von deutschen Freunden. Immer mittwochs erweiterte man die Autoantenne um einen langen Draht, Mutter und Kinder lauschten dann im Wagen dem Wunschkonzert von Radio Deutschland.

1958 reiste die Familie nach Hause ins Ries, brach jedoch 1960 zu einer zweiten Reise nach Libyen auf, wo Monika Voitle in eine italienisch-sprachige Schule kam und immer wieder neue Eindrücke auf sie einprasselten. 1961 ging die Familie endgültig zurück ins Ries; der Vater verließ Libyen allerdings erst, als die politische Lage verworrener wurde und Gaddafi sich schließlich an die Macht putschte.

Friedrich Schmidt erhielt noch während seiner Zeit in Afrika das Bundesverdienstkreuz, arbeitete in Nordrhein-Westfalen weiter bei der Räumung von Kampfmitteln aus dem Krieg und hielt dabei immer Kontakt zur Familie.

mit der ISBN 9-783-7494-9209-1 kann über den Fachhandel bestellt oder über das Internet bezogen werden.

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