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Megesheim

23.02.2020

Faschingsfest trotz Gegenwind: Umzug in Megesheim

Dicht gedrängt standen die Zuschauer beim Megesheimer Faschingsumzug. Mehr als 10000 Besucher kamen gestern in die kleine Gemeinde im Ries. Das wechselhafte Wetter tat dem bunten Faschingstreiben keinen Abbruch.
Bild: Josef Heckl

Plus Bei wechselhaftem Wetter feiern rund 10.000 Menschen beim Megesheimer Faschingsumzug. Warum die Verantwortlichen dennoch teils unzufrieden sind.

Der Cowboyhut fliegt in einem hohen Bogen durch die Luft und landet unter einen Bus. „Mist“ ruft sein nun kopfbedeckungsloser Besitzer und hechtet hinterher. Es ist ein stürmischer Sonntagmittag in Megesheim. Der kleine Ort ist im Ausnahmezustand, denn der diesjährige Faschingsumzug hat begonnen.

Froh, dass es beim Faschingsumzug in Megesheim trocken bleibt

Dabei war bis vor wenigen Tagen noch unklar, ob das bunte Treiben nicht buchstäblich ins Wasser fällt. Die Wettervorhersagen sahen düster aus, Starkregen war angekündigt worden. „Ich bin gerade unglaublich froh, dass es trocken bleibt“, sagt Werner Kunzmann jetzt und blickt nach oben. Er ist seit 40 Jahren Mitglied der Faschingsfreunde Megesheim.

Deshalb sind die Veranstalter in Megesheim teils unzufrieden

Blätter und Konfetti wirbeln durch die Hauptstraße, der Himmel ist bedeckt von dunklen Wolken und ein kräftiger Wind pfeift durch die Bäume. Doch das stört hier niemanden. Trotz Wetterwarnungen ist die Straße voller Menschen; 10.000 sind es insgesamt, meldet die Polizei. Kunzmann steht auf einem Podiumswagen, nachdenklich blickt er in die Menschenmenge. „Der Fasching in Megesheim hat sich in den letzten Jahren fundamental geändert“, sagt er. Schon seit Jahren beklagt der Megesheimer Faschingsverein, dass die Auflagen des Landratsamtes stetig mehr würden. In diesem Jahr sei das Sicherheitskonzept noch einmal enger gezurrt worden. „Wir müssen heuer beispielsweise ein Konzept im Falle eines Flugzeugabsturzes vorlegen“, sagt Kunzmann. Er schüttelt den Kopf. „Das ist doch absurd.“

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So bunt war der Megesheimer Faschingsumzug.
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Zehntausend feiern beim Megesheimer Faschingsumzug
Bild: Josef Heckl

Den Spaß verderben lassen will sich an diesem Sonntag trotzdem niemand. Wikinger, bunte Pfaue und verrückte Wissenschaftler feiern ausgelassen auf der Megesheimer Hauptstraße. Sie kommen aus dem gesamten Landkreis, aus Donauwörth, Nördlingen, Wemding. Aus den Boxen des Podiums wummern Faschingslieder und die ersten Umzugswagen rollen heran. Wie schon in den vergangenen Jahren sind sie aufwendig und mit viel Liebe dekoriert – und zum Teil durchaus politisch. So kritisieren die Megesheimer „Elektro Kobalte“ etwa den Abbau von Kobalt für die Herstellung von Elektroautos. Auf ihrem Wagen haben sie einen Kobalt-Stein platziert, auf ihm die Firmenlogos von Tesla, BMW und Mercedes. Darunter steht in schwarzen Lettern: „Kobalt-Raubbau an der Natur, was fördert unsere Regierung nur?“

Corona-Virus ist beim Faschingsumzug in Megesheim Thema

Auch der derzeit omnipräsente Corona-Virus wird thematisiert. Auf ihrem großen Wagen haben die Faschingsfreunde Megesheim einen nachgebauten Rettungshelikopter gestellt, neben ihm eine riesige Corona-Bier-Kiste. Der Wagen ist mit dem Spruch versehen: „Wir fliegen jetzt den Impfstoff ein, Corona Bier das soll es sein.“ Schon im Vorfeld hatte Thomas Aust, der Vorsitzende der Faschingsfreunde Megesheim, angekündigt, man wolle mit der Themensetzung ein Spiegelbild der Gesellschaft sein.

Bild: Josef Heckl

Meeresverschmutzung, die seit Längerem anhaltende Diskussion der unlängst in Kraft getretenen Kassenbonpflicht, die Debatte um den muslimischen Bürgermeisterkandidaten in Wallerstein oder die Schließung des Megesheimer Gasthauses – lokale und überregionale Themen werden an diesem Sonntag aufgegriffen. Insgesamt 76 bunte Fußgruppen, Musik- und Tanzgarden sowie Wagen beteiligen sich an dem Umzug. Auch Landrat Stefan Rößle (CSU) ist als Besucher vor Ort. Mit einem süffisanten Grinsen ruft ihm Moderator Kunzmann durch das Mikrofon entgegen: „Was halten Sie eigentlich von ihrer eignen Vorschrift, die regelt, wie wir unsere Bonbons werfen sollen?“ Der Landrat winkt ab. Rößle sagt: „Lasst uns heute einfach gemeinsam Spaß haben.“

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