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01.07.2008

Fast unverschämt perfekt

Reimlingen (cei) - Es war die letzte Veranstaltung des Nördlinger Kulturforums für das erste Halbjahr im voll besetzten Reimlinger Konzertstadel, und es war richtig gut, trotz der sommerlichen Hitze. Auf dem Programm stand eine A-cappella-Gruppe aus Augsburg mit dem vielversprechenden Namen "Jukevox".

Fünf attraktiv aussehende junge Männer standen ganz in Schwarz gekleidet auf der Bühne, und wer nun eine konzertante Gesangsdarbietung erwartete, musste sich eines Besseren belehren lassen. Mit viel Humor, Esprit und teils scharfsinnigen Bemerkungen boten die fünf Sänger ein äußerst abwechslungsreiches Programm. "A cappella Pop" wäre die zutreffendste Bezeichnung für die Art der Musik, welche die ehemaligen Mitglieder der Augsburger Domsingknaben zu einer ausgereiften Bühnenshow perfektionieren. Dank ihrer herausragenden Ausbildung hat sowieso jeder von ihnen "Gold" in der Kehle.

Schnell wird die Interpretationsweise der jeweiligen Titel klar, die in der Regel von Tobias Elster erst eingestimmt, dann eingezählt und schließlich auch noch "eingegroovt" werden. Als Bassstimme ist er bestens geeignet ganze e-Basslinien zu singen, oder ein Schlagzeug zu imitieren. Darüber liegen dann die einzelnen Stimmen, Michael Schweiger, Alexander Seitz und Christoph Dorn als Tenöre und Fabian Brenner als Bariton singt, was noch so übrig bleibt. Ihre schon beinahe unverschämt perfekte Intonation der Töne erlaubt Akkordverbindungen zu singen, die für ein Tasteninstrument nur schwerlich zu meistern wären.

Es geht um die Liebe

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Hinzu kommt die stets als überflüssig bezeichnete Choreographie verschiedenster Bewegungsabläufe und Tanzschritte. Die Texte werden alle auswendig dargeboten - eine nicht zu unterschätzende Gedächtnisleistung. In ihren Liedern geht es, wie könnte es anders sein, schwerpunktmäßig um die Liebe. Super wie Michael sich in das "hässlichste Mädchen der Welt" verliebt, oder bei dem Titel "Sex wird überschätzt - Lauch auch".

Sie singen Frank Zappas "Bobby Brown" genauso perfekt wie "When I'm sixty four" von den Beatles. Bei "Only You" wird einer "Freiwilligen" auf der Bühne ein Strauß Rosen überreicht, und bei dem Lied "Bindungsangst" darf auch mal das Publikum ran. Zum Schieflachen wird eine Persiflage auf die Boy Groups der Neuzeit. Alexander legt so viel "Herzschmerz" in seine Stimme, als gelte es bei "Deutschland sucht den Superstar" zu gewinnen.

Das schönste Lied des Abends aber war eine Ballade mit dem Titel "And so it goes". Eine leicht irisch angehauchte Melodie, hervorragend gesungen von Michael, scheint über den ständig ineinandergreifenden Stimmen der anderen zu schweben. Hier sitzt wirklich jeder Ton, kommt das ganze sängerische Potenzial des Ensembles zum Vorschein.

Und das Publikum nimmt es andächtig bei fast absoluter Stille entgegen. Die Zugaben des Abends erfolgten dann wegen der enormen Hitze im Raum bei abendlicher Kühle im Garten, und mit einem wunderschönen, englischen Gute-Nacht-Lied wurden die Zuhörer in den lauen Sommerabend verabschiedet.

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