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Verkehr

19.02.2019

Führerschein: Immer mehr scheitern

Immer mehr Fahrschüler fallen durch die theoretische, aber auch durch die praktische Fahrprüfung.

Die Durchfallquote bundesweit steigt, der Landkreis ist dabei offenbar keine Ausnahme. Wie sich Fahrlehrer aus der Region das erklären und welche Probleme sie bei ihren Schülern sehen

Wann und wie schnell komme ich an einen anderen Ort? Diese Frage stellen sich oft viele Menschen – vor allem Jugendliche mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit. Selbst mobil sein: Diesen Traum kann man sich mit dem Führerschein erfüllen. Aktuelle Zahlen belegen allerdings, dass immer mehr Fahrschüler durch die Führerscheinprüfung rasseln. Das Kraftfahrbundesamt beziffert die Zahl der Prüflinge, die im Jahr 2017 die Theorie nicht bestanden haben, auf 39 Prozent. Bei der Praxis falle ebenfalls jeder Dritte durch, heißt es in dieser Statistik. Im deutschlandweiten Vergleich schneidet Bayern zwar mit 36 Prozent Durchfallquote bei den theoretischen und 25,5 bei den praktischen Prüfungen noch relativ gut ab, ansteigende Zahlen gibt es aber auch im Freistaat. Auch in der Region haben Fahrschullehrer Veränderungen bemerkt.

Joachim Neuner, Inhaber der Fahrschule Neuner in Oettingen, sagt, dass die Durchfallquote im theoretischen Teil etwas gestiegen ist. Im praktischen Teil liege der Schnitt dagegen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Einer der Gründe sei, dass sich die Fahrschüler weniger auf die theoretische Prüfung vorbereiten als noch vor einigen Jahren. Die Schüler seien durch die Schule und ihre Hobbys sehr eingespannt und wollen deshalb mehr Freizeit haben.

Sprachprobleme seien dagegen weniger der Grund für das Nicht-Bestehen, sagt Neuner. Die Schüler absolvieren die theoretische Prüfung entweder in Englisch oder Hocharabisch oder „sie lernen mit viel Einsatz den Prüfungsstoff auf Deutsch auswendig“. Gestiegene Anforderungen lässt der Fahrschullehrer ebenfalls nicht als Grund gelten: Es gebe zwar inzwischen mehr Fragen im Fragenkatalog, der Schwierigkeitsgrad habe sich jedoch nicht verändert. Im praktischen Teil sei oft das Problem, dass die Jugendlichen nicht so viele Fahrstunden nehmen wollten und diese wenigen Stunden auf einen längeren Zeitraum verteilten.

Der Chef der Fahrschule One-Way (Donauwörth), Alexander Mayer, sieht weitere Gründe für die steigenden Durchfallraten. „Bei einer Weiterbildung für uns Fahrlehrer wurden erst vor Kurzem einige Probleme von einem Verkehrspsychologen angesprochen. Zum einen fehlt heutzutage die Erfahrung des Mitfahrens. Wenn ein Jugendlicher heute von einem Elternteil in die Stadt gefahren wird, ist er oft am Smartphone und schaut nicht auf den Verkehr.“ Früher sei es hingegen häufiger vorgekommen, dass bereits Kinder das Verkehrsgeschehen aufmerksamer beobachtet haben. Zum anderen fahren viele Jugendliche zu wenig Fahrrad. „Das ist eine wichtige Basis, um die Verkehrsregeln besser kennenzulernen“, betont Mayer. Auch die Stressresistenz ist seiner Ansicht nach ein bedeutender Faktor. „Bei vielen Fahrschülern ist die Aufnahmefähigkeit und damit auch die Leistungsfähigkeit verloren gegangen. Als Fahrlehrer erwarten wir am Nachmittag nach der Schule einiges von unseren Schülern. Oft geht dann aber nicht mehr viel.“ Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Fahrschüler vor der 15. Stunde im Auto vergessen hat, wie man das Lenkradschloss entriegelt. „Wenn ein junger Mensch heutzutage etwas vergisst, dann wird es eben im Internet nachgeschaut. Dieses Verhalten führt eben auch dazu, dass man sich manche Sachen einfach nicht so gut merken kann, weil man in 30 Sekunden über sein Handy sofort wieder die Lösung geliefert bekommen kann“, so Mayer.

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