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Johannes Zellinger

05.09.2015

Für Strauß’ Karriere die Weichen gestellt

Franz Josef Strauß als jugendlicher Ministrant bei Professor Johannes Zellinger, gezeichnet von Hausens früherem Pfarrer Anton Moser.

Dem Theologieprofessor aus Hausen hatte der spätere Ministerpräsident viel zu verdanken

Franz-Josef Strauß hätte am 6. September seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ein guter Anlass, um an Professor Johannes Zellinger (1880-1958) aus Hausen zu erinnern, der wichtige Weichen für die Karriere des späteren bayerischen Ministerpräsidenten gestellt hat.

Der Lebensweg von Franz-Josef Strauß schien vorgezeichnet. Er sollte die elterliche Metzgerei in München übernehmen. Wie in manchen anderen Fällen auch, wurde früher die Begabung eines Kindes durch den Dienst als Ministrant entdeckt und gefördert. Nachdem Franz-Josef die Gisela-Realschule besuchte, ministrierte er in der Kirche St. Ludwig bei Johannes Zellinger. Er war ein bedeutender Professor für Patrologie und christliche Archäologie und stammte aus Hausen, wo er am 24.1.1880 als Sohn des Bürgermeisters geboren wurde. Er war „sehr lebendig im Vortrag und in dieser Hinsicht der beste unter den damaligen Theologieprofessoren, persönlich bescheiden und liebenswürdig.“ (Hausens ehemaliger Pfarrer Anton Moser). Zellinger fiel auf, dass der kleine Franz-Josef die „schwierigen lateinischen Messgebete flüssig, fehlerfrei und in der richtigen Betonung auswendig konnte.“ Er gab ihm privaten Lateinunterricht und riet seinem Vater, ihn aufs Max-Gymnasium zu schicken.

Strauß hatte aber Professor Zellinger noch mehr zu verdanken. In seinem Abiturzeugnis erzielte er bis auf eine Zwei im Turnen in allen Fächern die Note Eins und war einer der Jahrgangsbesten in ganz Bayern. Da er aus seiner Ablehnung des damaligen politischen Regimes kein Geheimnis machte und weder Mitglied der Partei der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen war, wurde er anfänglich nicht zum Studium zugelassen. Erst ein mutiger Protest von Professor Zellinger öffnete ihm dann schließlich doch noch die Münchner Universitäts-Tore. Als Professor Zellinger 1958 starb, konnte Strauß – er war inzwischen Verteidigungsminister – nicht an seiner Beerdigung in Hausen teilnehmen, ließ aber von einem hohen Offizier der Dillinger Garnison einen Kranz niederlegen.

Zusammenfassend schrieb Franz-Josef Strauß über Johannes Zellinger in einem Brief vom 29. September 1987 an den damaligen Bürgermeister Klaus Lingel: „Den großen Sohn der Gemeinde Hausen habe ich als Priester, Lehrer und als Persönlichkeit gut kennen und schätzen gelernt. Ich war ihm stets sehr verbunden. Er war mein väterlicher Freund, den ich immer verehrt habe und dem ich ein dankbares Gedenken allezeit bewahre.“ (kli)

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