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Porträt

06.02.2015

Ganz oder gar nicht

Heinz Lutz gibt am 20. Februar sein Ehrenamt als Feuerwehrkommandant ab. Doch der Ruhestand lässt noch auf sich warten, denn er bleibt weiterhin Gerätewart.
Bild: Ronald Hummel

Heinz Lutz war 18 Jahre lang als Feuerwehr-Kommandant in Nördlingen jederzeit einsatzbereit. Bei der Wahl am 20. Februar gibt er seinen Posten altersbedingt ab

Ganz oder gar nicht: „Man macht’s oder man macht’s nicht.“ Das ist für Heinz Lutz seit 40 Jahren die Devise als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Nördlingen und erst recht seit 18 Jahren als deren Kommandant. Er verweist auf die Diskrepanz in der Bezeichnung „Freiwillige Feuerwehr“: Einerseits könnte man freiwillig tun und lassen, was man will, andererseits ist man rund um die Uhr einsatzbereit und muss große Disziplin zeigen. „Es geht halt nicht, dass am Sonntagnachmittag bei schönem Wetter keiner bereit steht.“

Das gilt vor allem für den Kommandanten, der sich vertraglich gegenüber der Stadt verpflichten muss, jederzeit die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Mit Befehlsgewalt sei das nicht zu lösen, wohl aber mit Kameradschaft: „Man muss nicht betteln, es ist immer einer da.“ Wichtig ist auch der Rückhalt der Familie: „Eine Kommandanten-Gattin, die schon grantelt, wenn das Telefon läutet, das ginge gar nicht.“

Am 20. Februar geht die Amtszeit von Heinz Lutz als Kommandant altersbedingt zu Ende. Das bedeutet aber nicht, dass er in Ruhestand geht: Kommandant ist er ehrenamtlich, das Amt geht an den Nachfolger über. Der Feuerwehr bleibt er erhalten, denn hier ist er beruflich Gerätewart und scheidet erst im Rentenalter aus, also in etwa drei Jahren.

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Umgang mit schwerem Gerät gewohnt

Zur Feuerwehr kam Heinz Lutz mit knapp 21 Jahren: „Karl Knie warb mich an, der damalige Kommandant Karl Huith bestärkte mich endgültig zu kommen.“ Millionen von Buben träumen davon, Feuerwehrhauptmann zu werden, doch für Lutz war es nicht einmal ein Kindheitstraum – als Landmaschinenmechaniker war er den Umgang mit schwerem Gerät gewohnt, so wurde er denn auch Gerätewart.

Weil er schon jahrzehntelang eingearbeitet war, schlug ihn 1997 der damalige Kommandant Hans Karg als seinen Nachfolger vor. Rudi Siegel wurde sein Stellvertreter und gibt sein Führungsamt gleichzeitig mit Heinz Lutz am 20. Februar bei den Neuwahlen des Feuerwehrvereins ab. „Es war eine sehr harmonische Zusammenarbeit, wir konnten uns immer aufeinander verlassen“, sagt Heinz Lutz.

Er hat Auszeichnungen unter anderem vom Kreis und von der Staatsregierung bekommen. „Auszeichnungen sind nur Alterserscheinungen“, winkt er in seiner trockenen, geradlinigen Art ab, dass sie im Lauf von Jahrzehnten halt nicht ausbleiben. Gefahr und Abenteuer? Auch da blickt er nüchtern zurück: „Jeder Brandeinsatz ist gefährlich.“ Am schlimmsten sei ein ‚Flash over’, wenn beim Eindringen der Feuerwehrleute frischer Sauerstoff in die Glut strömt und sich explosionsartig entzündet. Dann muss der Kommandant schwerwiegende Entscheidungen treffen: Schnell hinein und kühlen oder lieber abwarten?

Zum Glück ging es noch nie um Leben oder Tod, wenn er auch schon dramatische Szenen erlebte. Als die damalige Disco in der Hallgasse brannte, Lutz war damals noch nicht Kommandant, drang ein Zweiertrupp in die Flammen vor. Hinter ihnen stürzte das lodernde Gebälk ein, der Rückweg war versperrt. Es dauerte etliche bange Augenblicke, bis die Kameraden anderswo einen Weg heraus fanden.

Was sich im Laufe der Zeit änderte? Beim technischen Fortschritt hebt Lutz die Atemschutzgeräte hervor. Die Sicherheitsentwicklung bei den Pkw senke die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich spürbar, erschwere aber auch die Bergung von Unfallopfern durch schwer zu durchschneidende Sicherheits-Konstruktionen. Hier pocht Lutz auf die Sicherheitskarte im Auto, auf der für die Rettungskräfte markiert ist, wo Sperren zeitsparend umgangen werden können – zum Beispiel ein stählerner Gurtstraffer in der Querstrebe.

Spürbar sei auch der Klimawandel sagt der erfahrene Feuerwehrmann: „Die Unwetter-Einsätze nehmen zu, man ist schon angespannt, wenn sich etwas zusammenbraut.“

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