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Nördlingen

29.01.2020

Gefängnisstrafe für Gewalttäter aus dem Ries

Ein Gewalttäter aus dem Ries ist in Nördlingen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er soll seine Frau vergewaltigt haben.
Bild: Alexander Kaya

Plus Weil er seine Frau vergewaltigt, geschlagen und mit Wein übergossen haben soll, muss sich ein Rieser vor Gericht verantworten. Das Opfer erträgt die Fragen vor Gericht kaum

Das Foto zeigt das Gesicht der Nördlingerin einige Stunden nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff ihres Noch-Ehemanns. Schöffenrichter, Staatsanwalt und Verteidiger sehen sich das Bild bei der gestrigen Verhandlung am Nördlinger Amtsgericht mit dem Opfer an. Die Frau bricht in Tränen aus, als sie sich erkennt, dreht sich weg. Geht auf Krücken gestützt zurück in den Zeugenstand und ringt um Fassung.

Sie will nichts mehr über den Vorfall am 29. Januar 2019 wissen, geschweige denn darüber sprechen. Das gibt sie der Vorsitzenden Richterin Ruth Roser mehrmals deutlich zu verstehen. „Ich will mich nicht daran erinnern, es geht mir gut und ich will, dass es so bleibt“, sagt sie unter anderem, nachdem sie eigenen Angaben zufolge erstmals seit mehreren Wochen nichts getrunken hat. Sie wolle den Fall einfach verdrängen.

Beschimpft, geschlagen, vergewaltigt, gewürgt

Vorsichtig stellt die Vorsitzende Richterin ihre Fragen. Die 37-jährige Geschädigte will sich daran erinnern, dass der Angeklagte sie mit 1,5 Liter Tetrapack-Wein übergossen und ihr das Handy weggenommen hatte, sodass sie ihre Mutter nicht habe verständigen können. Als die Fragen konkreter werden, hält es die Frau kaum mehr aus. Nur schweren Herzens bestätigt sie, dass der Mann nach einem Streit ihre Oberschenkel auseinandergedrückt und sie anschließend mit einem Gegenstand vergewaltigt habe, nachdem sie die weingetränkten Klamotten tauschen wollte. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Augsburg soll der Mann sie zudem mit „Hure und Schlampe“ beleidigt, sie gewürgt und mit der Faust geschlagen haben.

Gefängnisstrafe für Gewalttäter aus dem Ries

Der Angeklagte bestreitet bis auf das Übergießen alles, räumt dann aber die Ohrfeige ein. Seine Frau sei stark betrunken gewesen, schon am Tag zuvor gestürzt. Nach einem Streit habe er zu ihr gesagt, dass ihr der Wein wichtiger sei als die Familie und habe den Tetrapack über ihr ausgeleert. Dass er den Gegenstand geholt habe, sei richtig, er leugnet jedoch, die Frau vergewaltigt zu haben. Er wollte ihr zu verstehen geben, dass er endgültig gehe.

Verteidiger Sven Gaudernack ist nicht der Ansicht, dass ausreichend Beweise für die Vergewaltigung vorliegen würden. „Sie soll über zweieinhalb Stunden gequält, geschlagen, gewürgt und vergewaltigt worden sein. Da wird man kaum sagen können, dass sich das heute hier bestätigt hat“, führt der Jurist aus. Es stehe Aussage gegen Aussage. Er zweifelt außerdem an der Glaubwürdigkeit der Geschädigten.

Staatsanwalt hält Frau für glaubwürdig

Staatsanwalt Michael Rauh fordert in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Er ist überzeugt, dass sich der Sachverhalt im Wesentlichen bestätigt hat, hält die Ausführungen der Frau für glaubwürdig. „Die Alkoholerkrankung stellt keinen Grund dar, an der Aussage zu zweifeln“, sagt Rauh. Belastungseifer sei ebenfalls nicht zu erkennen gewesen. Die Höhe seiner Haftstrafe begründet er mit der Gewaltbereitschaft des Mannes und der offenen Bewährungsstrafe. „Wer unter Bewährung steht, darf sich keine Beleidigung leisten und schon gar nicht so eine Tat“, sagt der Staatsanwalt. Rechtskräftig verurteilt wurde der Angeklagte bislang in acht Fällen. Die Bewährungsstrafe stammt aus einem Vergehen wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr.

Das Gericht schließt sich der Meinung der Staatsanwaltschaft an. Der Mann muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Er kündigt noch im Gerichtssaal an, vor den Augen seiner neuen Freundin, das Urteil anzufechten. Richterin Ruth Roser sagt, dass das Gericht ebenfalls nicht an der Glaubwürdigkeit des Opfers zweifle. Die Frau habe wenig Angaben gemacht, weil die Situation vor Gericht erniedrigend sei. Bei der Polizei habe sie sich zur Aussage überreden lassen, um andere Frauen zu schützen, nicht um den Mann zu belasten. Eine Befragung musste damals sogar abgebrochen werden. Die Schläge und Übergriffe hätten sich durch diverse Zeugen vor Gericht bestätigt.

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