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07.07.2010

Gegen den Bewerbungsfrust

Nördlingen Susanne ist 17, hat einen Hauptschulabschluss, aber keine Ausbildungsstelle. Rund 150 Bewerbungen hat sie geschrieben, ohne Erfolg. Die meisten Firmen hätten nicht einmal geantwortet, bis auf vier, sagt sie frustriert. Sie würde gerne Verkäuferin werden; ihre Noten liegen im Schnitt zwischen drei und vier. Nicht berauschend, aber auch nicht ganz schlecht.

Die junge Frau hat das Angebot der Agentur für Arbeit Donauwörth angenommen und ist in den Nördlinger Salvator-Saal gekommen, wo gestern eine "Bewerberbörse" stattfand. 90 "unversorgte" Bewerber aus dem Ries wurden von der Behörde eingeladen, um ihnen zu helfen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

202 Lehrstellen sind derzeit in Nordschwaben noch unbesetzt. 160 Jugendliche stehen in den Arbeitsamtsbezirken Donau-Ries und Dillingen als "suchend" in den Listen. Kein schlechtes Verhältnis könnten man auf den ersten Blick meinen - aber weit gefehlt. Berufsberater Robert Heckl erklärt warum: "Zu schlechte Noten und mangelnde Motivation verhindern häufig eine Anstellung." Die Unternehmen haben bestimmte Vorstellungen, die viele Bewerber nicht erfüllten. Heckl ist über die Resonanz der Bewerberbörse in Nördlingen "ernüchtert", wie er zurückhaltend ausdrückt. Eigentlich ist er richtig enttäuscht, dass so wenig Jugendliche das Angebot annehmen.

Der Berater tut sich schwer

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Nur etwa 20 Jugendliche verlaufen sich im Saal. Andreas aus Deiningen ist einer von ihnen. Er wirke etwas phlegmatisch, meint Berufsberater Heckl nach einem Gespräch mit ihm. Er habe versucht ihn zu motivieren, sich mit einem der angebotenen Stellen anzufreunden. Aber der Berater tut sich schwer mit dem jungen Mann. Freilich - die offenen Ausbildungsstellen seien keine "Traumjobs". Metzger, Bäcker, Dachdecker, Gerüstbauer - alles Ausbildungsberufe, deren Image nicht gerade das Beste ist. Robert Heckl empfiehlt Andreas, sich zunächst bei den Firmen in seinem Heimatort zu bewerben, was er auch zu tun verspricht.

Ulrich Schneid, der vor den Einzelgesprächen mit den Beratern die wenigen Interessenten über das Drumherum für eine Berufswahl in einem kurzen Vortrag informiert, betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass gute Noten ("möglichst besser als befriedigend"), Motivation und positives Auftreten entscheidend sind, um einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Auch müssten die Jugendlichen bereit sein, gegebenenfalls zunächst ein Praktikum zu machen. Die Arbeitsagentur biete hierfür das Programm "EQ (Einstiegsqualifizierung") an. Es handle sich dabei um ein betriebliches Praktikum, bei dem der Jugendliche Grundkenntnisse für einen anerkannten Ausbildungsberuf erwirbt. Während des sechsmonatigen bis einjährigen Praktikums ist er sozialversichert und verdient rund 200 Euro. "EQ" sei eine echte Chance und ein erster Schritt in ein Ausbildungsverhältnis, das dann unter Umständen um ein halbes Jahr verkürzt werden könne. Eine weitere Möglichkeit, seine Chancen auf eine Lehrstelle zu verbessern, bietet nach Angaben Heckls ein Berufsvorbereitungsjahr, beispielsweise an der Berufsschule in Nördlingen. Heute versuchen die Mitarbeiter der Arbeitsagentur in Dillingen Jugendliche zu vermitteln. Am Montag waren sie in Donauwörth; bei ebenfalls bescheidener Resonanz.

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