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30.07.2010

Gegen die organisierte Verblödung

Die Couplet-AG mit (oben von links) Bernhard Gruber, Bianca Bachmann, Jürgen Kirner und Hans Dettendorfer fahndete in Oettingen vergeblich nach Hirn. Das Frontpaar Kirner/Bachmann glänzte dabei in den verschiedensten Rollen. Fotos (4): Robert Milde

Oettingen Ein "Bundesamt für registrierte Blödheit" - gibt's das am Ende wirklich? Arbeit gäbe es jedenfalls gerade genug, wie das brandneue Programm der "Couplet-AG" mit dem Titel "Ab morgen wieder Hirn" beweist. Mit respektlosem Spottgesang und gepfefferter Satire rückte die vierköpfige Kabarett-Truppe bei ihrem Auftritt in Oettingen vor allem der großen Politik auf den Pelz.

Zweifelsfrei stellen Herr Cebulla und Frau Schmutziger, Sachbearbeiter besagten "Amtes", anhand der "unmäßigen Datenmengen" fest: Das Volk verblödet zusehends, und dagegen muss angekämpft werden - mehr Hirn muss wieder her!

Doch wer hat Schuld? Die Menschen selbst, die ihren Mops vom "Tierheilpraktiker mit Hildegard-von-Bingen-Kräutern" behandeln lassen? Die "zuliefernden" Eltern, die "ihre Jessicas und Jaquelines mit dem Auto zur 300 Meter entfernten Bushaltestelle fahren?" Oder das Privatfernsehen mit seinen "Bildungszielen" ("Einig Deutsches Vaterland - für absolut Debile")? Offenbar stemmt sich alleine die "Couplet-AG" gegen die organisierte Verblödungs-Maschinerie, gegen die "Vielfalt der Einfalt", und fordert: "Ab morgen wieder Hirn!"

Denn Hilfe ist auch von unseren Volksvertretern nicht zu erwarten, die nur mit "sinnleeren Sprechblasen" aufwarten: der "Sandstreuer" Seehofer als "bester Schnürlhanswurst von Merkels Marionetten", die Kanzlerin selbst ("Unser Ferkel, das heißt Merkel") oder Bayerns "Wertstoffkönig" Aiwanger ("Ich bin wichtig!"). Manchen ist ein eigenes Lied gewidmet ("Ein Stern, der Guido heißt", "Mach mir den Karl-Theodor!") andere versuchen vergeblich - wie Florian Pronold als hexender Zwerg - ihre Partei zu retten ("Wie Quelle, Grundig, AEG, verlässt uns nun die SPD"). Fazit: "Es genügt nicht, unfähig zu sein - man muss auch in die Politik gehen."

Gegen die organisierte Verblödung

Starker Tobak, den die "Couplet- AG" auf der Oettinger Bühne feilbietet. Doch in der Tradition von bajuwarischen Ikonen wie Karl Valentin und Weiß Ferdl hat sich das handverlesene Ensemble dem Couplet, dem Spottgesang, sogar per Namensgebung verpflichtet. AG steht in diesem Fall für Arterhaltungs-Gesellschaft, denn längst vergangen schien dieses Kapitel bayerischer Kulturgeschichte, das den "Kleinen aufs Maul schaute und den Großen aufs Maul haute".

Mit "Ab morgen wieder Hirn" ist der Münchner Truppe einmal mehr ein kabarettistischer Volltreffer gelungen. Herrliche Couplets wie das umgetextete Volkslied "Dumm zu sein bedarf es wenig" oder "In jedem steckt der Deifi drin" wechseln mit ebenso lustigen wie giftigen Sketchen.

Schauspielerisch beeindruckend geben der Dialekt-Jongleur Jürgen Kirner, genialer Kopf der vier Komödianten und die quirlige Bianca Bachmann mal ein ziellos irrlichterndes Bauern-Ehepaar, mal ein österreichisches Hofnarren-Gespann ("Heißa Alpe Adria"). Hans Dettendorfer und Bernhard Gruber sorgen für den musikalischen Rahmen und im Archiv des "Bundesamts" für den Running Gag des Abends: "Oje, der Ticker."

Da gibt es kein Halten

Als am Ende zum dritten Mal der verwirrte Alte im Bademantel ("Ham Sie meinen Vogel g'sehn?") über die Bühne stolpert, gibt es bei den mehr als 300 Besucher gut gefülltem Oettinger Festzelt kein Halten mehr.

Lang anhaltender Beifall für so viel Polit- und Alltagswahnsinn bringt noch zwei Zugaben. Und alle im Zelt sind sich einig: Genau so muss politisches Kabarett sein, rassig, spritzig, bissig - und immer hart an der Realität. Sauber eing'schenkt, Couplet-AG!

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