1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Gegensätze, die sich (nicht) anziehen

Theater

14.02.2017

Gegensätze, die sich (nicht) anziehen

Ein geschiedenes Paar trifft sich zufällig in einem Diner. Was dann passiert, darum ging es im Theaterstück „Zwei wie wir“, das in der Nördlinger Schauspielmanufaktur gezeigt wurde. Unser Bild zeigt Christoph Papst als Rudy und Judith Gorgass als Nora.
Bild: Urban

In der Schauspielmanufaktur wird das Stück „Zwei wie wir“ gezeigt. Im Mai ist es nochmals zu sehen

Krankheitsbedingt musste die eigentlich geplante neue Komödie „Liebe machen“ von Petra Wintersteller verschoben werden und so stellte Nico Jilka kurzerhand um und zog ein Stück, das ursprünglich erst für Mai geplant war, vor: „Zwei wie wir“. Das ist eine Produktion des Theaters Münchner Freiheit, einer freien Münchner Theatergruppe, die unter der Leitung von Eileen Schäfer seit 2007 zeitgenössische Stücke auf die Bühne bringt. In diesem Falle eines von Norm Foster, der zu den bekanntesten und meistgespielten Autoren Kanadas zählt. Judith Gorgass (Nora) und Christoph Papst (Rudy) spielen ein Paar, das sich Jahre nach seiner Scheidung zufällig in einem Restaurant wieder trifft. Genauer: in einem typischen Diner. Hier liegt auch die einzige, wenn man so will, Schwäche des Stückes, nämlich, dass es konsequent nordamerikanisch ausgelegt ist. Da geht es um Baseball aber auch um den entweder übertrieben prüden oder aber übertrieben platten Umgang mit dem Begriff Sex.

Auf der anderen Seite gibt so ein Diner auch eine wunderbar bunte Kulisse für sowohl das Treffen der beiden, als auch für die als Rückblenden gespielten Erinnerungen her. Für ihr Wiedersehen, das bei beiden Freude und Schmerz gleichzeitig auslöst und natürlich wunderbare Stichworte hergibt für ihr Hadern mit und aneinander. Sie ist erfolgreiche Managerin, die in ihrer Darstellung herrlich zwischen tough und naiv wechselt.

Er ist Maler (als solcher würde er bestens zu ihrer intellektuellen Art passen), aber eben nur Anstreicher, der sich eher für Baseball und bauchfreie Tops interessiert als für Sinfonieorchester und steife Empfänge. Er ist bodenständig, etwas einfältig und deshalb sich und seines Tuns und Wirkens auf andere ständig unsicher. Trotzdem – oder gerade deswegen – haben sie sich ineinander verliebt, haben gelacht, gestritten, das große Glück gesucht und trotz aller Gegenwehr geheiratet. Und sind gescheitert: „Abfärben sollte halt was vom einen zum anderen.“ Wehmütig und beinahe ergreifend erzählen sie sich die Szenen ihrer Beziehung, vom ersten Kennenlernen bis zum bitteren Ende. Glänzend ist die Szene, in welcher man den Unterschied zwischen neun und zehn verflossenen Liebhabern erfährt: 9 = Mann = Erfahrung, 10 = Frau = Laszivität!

Mit viel Humor, einem feinen Gespür für Zwischentöne und genauer Beobachtung der kleinen Dinge, in denen sich alles offenbart, ist das Stück alles – von berührend komisch bis doch auch ganz einfach. Alles endet irgendwann, so der Tenor des Stückes. Und doch … vielleicht gibt das Treffen neue Hoffnung? Hoffnung jedenfalls können alle Freunde der Schauspielmanufaktur haben, nach diesen nur zwei Aufführungen gibt es tatsächlich im Mai weitere Termine. Der voll besetzte Saal, der sich einige „Vorhänge“ erklatschte, wird das Stück sicher gerne weiterempfehlen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren