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Unternehmen in der Region

01.01.2019

Generationswechsel im Bestattungsinstitut: Die Trauerkultur verändert sich

Johannes Fischer (rechts) hat sich dazu entschlossen, das Bestattungsinstitut seiner Eltern Johann und Hanna Fischer in Nördlingen zu übernehmen.
Bild: Szilvia Izsó

Plus Johannes Fischer führt das Bestattungsinstitut seiner Eltern in Nördlingen fort – und muss sich selbst in dieser Branche gegen Konkurrenz aus dem Internet behaupten.

Dass Buchläden, Videotheken oder Bekleidungsgeschäfte einen harten Kampf gegen die mächtige Konkurrenz aus dem Internet führen müssen – und diesen oftmals auch verlieren – ist hinlänglich bekannt. Doch auch Unternehmen aus Branchen, bei denen das auf den ersten Blick unmöglich scheint, teilen dieses Schicksal.

„Gestorben wird immer“, dieser Ausspruch lässt sich nicht verleugnen. Dass für die daraus resultierende Beerdigung ein Bestatter vor Ort verantwortlich ist, mag zwar Jahrzehnte lang logische Konsequenz gewesen sein. Mittlerweile ist das aber anders, sagt Johannes Fischer, der gemeinsam mit seinem Eltern ein Bestattungsinstitut in Nördlingen führt. „Die Konkurrenz wirbt online vor allem mit niedrigen Preisen“, berichtet der 28-Jährige. Die Konkurrenz, das seien Firmen, die in ganz Deutschland tätig sind und ihre Dienste anbieten. Dabei sei es extrem wichtig für Trauernde, sich Zeit zu nehmen und gebührend Abschied zu nehmen – also nicht überstürzt das günstigste Angebot zu wählen. Menschen, die sich zu so einem Schritt entschieden haben, hätten das im Nachhinein häufig bereut, sagt Fischer. „Unsere Werte bezüglich der Trauerkultur gehen da ein Stück weit verloren.“ Dabei sei der preisliche Unterschied zwischen dem Dienst eines Online-Bestatters und einem Institut vor Ort gar nicht mal groß, so der 28-Jährige.

Im Ries legt man Wert auf die Traditionen

Zum Glück sei dieser Trend im Ries nicht so präsent, auf Traditionen werde in der Region in der Regel noch Wert gelegt. In den größeren Städten sehe das anders aus, hätten Fischers Kollegen ihm berichtet. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, warum sich Johannes Fischer entschieden hat, das Bestattungsinstitut, das seine Familie aufgebaut hat, zu übernehmen.

Gegründet von den Vorfahren als Schreinerei in Marktoffingen, zogen die Fischers mit ihrer Firma später nach Nördlingen. Eine Besonderheit hat sich das kleine Unternehmen bis heute erhalten: die eigene Sargfabrik. So hat auch Johannes Fischer, der bereits als Schüler regelmäßig mit anpackte, zunächst eine Lehre als Schreiner absolviert, bevor er fester Teil des Betriebs wurde und ihn nun Stück für Stück von der vorherigen Generation übernimmt. „Es wäre in Ordnung gewesen, wenn ich das nicht gewollt hätte“, sagt Johannes Fischer.

Beruf mit großer Verantwortung

Der Beruf sei schließlich kein einfacher – die Arbeit auch mit jahrelanger Erfahrung emotional belastend. „Wenn jemand beispielsweise sehr jung oder ganz überraschend verstirbt, ist das auch für uns schwierig. Erst recht, wenn man die Person gekannt hat.“ Als Bestatter könne man auch nicht sagen, dass der Job Spaß macht. Aber wenn sich ein Kunde bei ihm bedanke und sage, dass er sich gut aufgehoben gefühlt habe, gebe ihm das unheimlich viel zurück. Mit der Arbeit gehe eine große Verantwortung einher, deshalb mache er sie gerne.

Auch, weil es wichtig sei, die Menschen bei diesem sensiblen Thema gut zu beraten. „Es gibt heutzutage viel mehr Auswahlmöglichkeiten als früher“, sagt Fischer. Für Hinterbliebene bedeute das, in relativ kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen zu müssen. Während sich im ländlichen Raum die Mehrheit der Menschen immer noch für eine Erdbestattung entscheide, seien in den Städten Feuerbestattungen favorisiert. Dabei hätten Hinterbliebene heute oft nicht mehr die Möglichkeit, ein Grab zu pflegen – auch deshalb würden viele Menschen mittlerweile zu einer Baumbestattung tendieren.

Eine Beerdigung lasse sich individuell gestalten, etwa wenn es um die Dekoration oder die Form und Farbe des Sarges geht. Aber lediglich jeder Fünfte kümmere sich vor dem Tod um die eigene Trauerfeier und Bestattung, sagt Johannes Fischer. Die Verbundenheit zur Heimat ist vielen Menschen offenbar auch nach dem Tod wichtig. Eines der beliebtesten Urnen-Modelle zeigt die Silhouette der Stadt Nördlingen.

Generationswechsel In der Serie Generationswechsel stellen die Rieser Nachrichten Unternehmen aus der Region vor, bei denen die jüngere Generation der Familie das Ruder übernommen hat beziehungsweise es übernehmen möchte.

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