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Nördlingen

08.11.2017

Gericht: Mann beißt Mann

Vor dem Nördlinger Amtsgericht wurde ein Fall verhandelt, bei dem ein Mann einen anderen gebissen hatte.
Bild: Mörzl (Symbolbild)

In einer Nördlinger Disko geht ein eifersüchtiger junger Mann auf einen Freund seiner Ex-Freundin los. Danach entdeckt er einen Bissabdruck auf seiner Hand.

Es beginnt als typischer Disco-Konflikt, fast genau vor einem Jahr in Nördlingen: Ein 20-jähriger Mann will eine klärende Aussprache mit seiner Ex-Freundin, wird laut, schimpft über einen guten Freund des Mädchens, auf den er schon vorher rasend eifersüchtig war. Als er erfährt, dass dieser Freund ebenfalls da ist, stürmt er auf ihn los.

In der Verhandlung vor dem Nördlinger Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Andrea Eisenbarth sagt der 20-Jährige, er dachte, sein Kontrahent wolle ihn angreifen, deshalb stieß er ihn zu Boden und hielt ihn mit den Händen fest, bis die Türsteher kamen. Beim Versuch des am Boden Liegenden, sich zu befreien, spürt der Angreifer plötzlich einen Schmerz in der Hand. Da sind auch die Türsteher schon da, reißen ihn weg, drehen ihm den Arm auf den Rücken und werfen ihn hinaus; er bekommt zwei Monate Hausverbot. Später entdeckt er einen Bissabdruck auf seiner schmerzenden Hand, fotografiert ihn. Als er angezeigt und bei der Polizei zur Vernehmung vorgeladen wird, erstattet er Gegenanzeige.

Die Staatsanwaltschaft Ellwangen, an die der Fall gegen den Angreifer aufgrund des Jugendstrafrechts von der Augsburger Staatsanwaltschaft abgegeben wird, stellt das Verfahren gegen ihn mangels öffentlichem Interesse ein – Richterin Eisenbarth zeigt sich sehr befremdet über diese Entscheidung.

Es bleibt also nur noch die Anzeige wegen Körperverletzung gegen den 22-Jährigen, der zugebissen hat – Selbstverteidigung hin oder her, ein Biss kann hochgefährliche Folgen haben, stellen Richterin und Vertreterin der Staatsanwaltschaft fest.

Die Zeugenvernehmung gestaltet sich ebenfalls typisch für einen Disco-Konflikt: Zwei Freundinnen des Angeklagten schildern den Fall zu seinen Gunsten. Die Aussagen stimmen so weit überein, dass die Staatsanwaltschaft eine Absprache vermutet; auch eine vorgeladene Polizistin zweifelt die Glaubwürdigkeit der Aussagen an, die die 17 und 19 Jahre alten Tatzeuginnen bereits bei ihr gemacht haben. Deren Versionen passen nicht einmal zu den Aussagen von Angreifer und Angeklagtem, die sich nicht wesentlich widersprechen, stellt die Richterin fest.

Der Angreifer räumt alles ein, was ihm vorgeworfen wird, doch der Angeklagte leugnet hartnäckig den Biss. Richterin Eisenbarth geht aufgrund des Fotobeweises davon aus, dass er zugebissen hat; auf andere Weise seien die Biss-Spuren kaum erklärlich. Sie verweist darauf, dass solch eine gefährliche Tat normalerweise mindestens mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen geahndet wird.

Doch im vorliegenden Fall lässt sie quasi mildernde Umstände gelten: Der Angeklagte geriet schließlich erst durch den Angriff des Geschädigten in die prekäre Situation, er hat keine Vorstrafen, und der Biss zeigte keine ernsthaften Folgen. Sie verhängt eine Geldstrafe von 40 mal 30 Tagessätzen, also insgesamt 1200 Euro.

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