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Lehmingen

13.02.2021

Geruchsproblem in Lehmingen: Bauernhof darf nur unter Auflagen vergrößert werden

Ein landwirtschaftliches Anwesen in Lehmingen soll größer werden. Einige Bewohner des Dorfes befürchten eine noch stärkere Geruchsbelastung. Der Bauantrag war nun wieder Thema im Oettinger Bauausschuss.
Foto: Dieter Mack

Plus Im Oettinger Ortsteil Lehmingen gibt es Ärger. Bürger fühlen sich immer wieder von „schwallartigen“ Gerüchen eines Bauernhofs belästigt. Ob ein Appell des Bürgermeisters hilft?

Zum wiederholten Mal hat der Oettinger Bauausschuss über einen Bauernhof am Ortsrand von Lehmingen diskutiert. Wegen der vom Hof ausgehenden Geruchsbelastung hängt der Dorfsegen im beschaulichen Ort an der Wörnitz seit Langem schief. Wieder geht es darum, dass sich das landwirtschaftliche (und mehrfach ausgezeichnete) Unternehmen vergrößern will. Wieder lehnt das Gremium den Bauantrag ab. Endgültig ist die Entscheidung damit allerdings nicht, denn die Kreisbehörde wird das gemeindliche Einvernehmen ersetzen. Dass das Landratsamt die Entscheidung des Bauausschusses sozusagen aufheben kann, ist deshalb möglich, weil der Bauantrag grundsätzlich rechtens ist.

Vielleicht hilft diesmal der wiederholte Appell des Oettinger Bürgermeisters und die vereinbarten baulichen Veränderungen in der Planung. Wie bereits berichtet, soll der Betrieb um einen tierwohlgerechten Stall, ein neues Melkhaus sowie einen zusätzlichen Güllebehälter erweitert werden. Außerdem soll die Zahl der Kühe von 191 um weitere 62 steigen. Stadtrat Martin Löffler (SLO) hatte das Problem in einer vorausgehenden Sitzung kurz und knapp so formuliert: „Mehr Tiere, mehr Gülle, mehr Gestank.“ Vor allem in den Abendstunden soll der Wind den beißenden Geruch ins Dorf tragen.

Die beiden Bauherren sind inzwischen dazu angehalten, die geplanten neuen zwei Güllebehälter abzudecken. Der fünf Meter hohe Wall um den Hof soll nicht nur verlängert, sondern auch bepflanzt werden. Zudem wird nach den Plänen nicht mehr über einen Spaltenboden, sondern über Güllekanäle entmistet. Ein Geruchsgutachten, wie von einigen Räten in der Vergangenheit gefordert, erachtete das Landratsamt als nicht notwendig.

Einige Lehminger und die Landwirte selbst verfolgten die Sitzung

Der Gestank bewegt die Lehminger. Einige verfolgten die Sitzung am Donnerstag im Rathaus, die Hofbetreiber waren ebenfalls gekommen. Mit Spannung wurde die Entscheidung erwartet. Drei Räte waren für den Bauantrag, drei dagegen. Mit dieser Patt-Situation galt er als abgelehnt. Die Debatte um den Bauantrag nahm viel Raum ein.

Katharina Kaufmann (PWG) stimmte „wegen des sozialen Miteinanders“ dagegen. Es seien zwar einige zunächst kritische Punkte geändert worden, aber es werde immer Streitereien geben. Die PWG befürchtet, diese würden sich mit der Erweiterung verschlimmern.

Georg Wiedemann (SPD) sagte, dass er es verstünde, dass Landwirte ihren Betrieb erweitern müssten. „Aber Einzelinteressen sollten nicht vor dem Gemeinwohl stehen, siehe die aktuelle Debatte.“ Wiedemann sprach damit die Verstöße gegen die Impfreihenfolge an. Er sagte auch, dass es im Dorf nicht nur eine Geruchsbelästigung gebe, sondern auch ein Pfeifen und ein Quietschen. 2018 habe der Bauherr Abhilfe versprochen, um „den ramponierten Dorffrieden nicht weiter zu gefährden“. Wiedemann fügte an, dass er bei einer Bürgerversammlung in Lehmingen 2019 zugesichert habe, dass an den Erweiterungs-Gerüchten nichts dran sei. Wie sich herausstellte, kam es anders.

Martin Löffler (SLO), selbst Landwirt, sah das ähnlich. „Landwirte müssen etwas tun, um leben zu können“, sagte er. Jedoch seien alle Befürchtungen eingetroffen. In Lehmingen sei an dieser Stelle keine Wohnbebauung mehr möglich, obwohl Wohnraum dringend benötigt werde. Er befürchtet außerdem, dass nicht alles so umgesetzt wird, wie das Landratsamt es fordere. Die SLO lehnte den Bauantrag deshalb ab.

Geruchsproblem in Lehmingen: So argumentieren die Stadträte

Bürgermeister Heydecker sagte dazu, dass der Stadtrat zu beurteilen habe, ob öffentliche Belange (beispielsweise schädliche Umweltauswirkungen oder ein Widerspruch zum Flächennutzungsplan) gegen das Projekt sprechen würden. Dies sei nicht der Fall. Alle Einwände der Stadt seien vom Landratsamt entkräftet worden. „Aber ich appelliere an die beiden Herren im Sinne des Dorffriedens, die Maßgaben so umzusetzen“, so Heydecker

Klaus Winter (CSU/FWG) kritisierte, dass die Stadt nicht auf ein Geruchsgutachten bestanden habe, auch wenn es ein freiwilliger Zusatz gewesen wäre. Er sagte: „Dann könnten wir daraus Schlüsse ziehen. Dies wurde leider nicht gewünscht.“ Heydecker entgegnete, dass die Stadt solch ein Gutachten nicht aufdrängen könne.

Positiver gestimmt zeigte sich Rudolf Löhe (CSU/FWG). Für ihn habe sich mit den überarbeiteten Plänen schon etwas geändert, sagte er, und zwar indem die Bauherren einige Maßnahmen ergriffen hätten, um die Geruchsbelastung zu beseitigen. „Wenn die Verwaltung zu dem Schluss kommt, dass diese Bedingungen erfüllt sind, sehe ich es als Politikum, wenn es abgelehnt wird.“ Ihm sei wichtig, dass die Kaltluftmessung nachgereicht werde. Auch das sei wichtig, um den Dorffrieden in Lehmingen zu wahren.

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