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Donau-Ries

30.05.2015

Giftige Raupen breiten sich reihenweise aus

Wenn die Raupen des Eichenprozessionsspinners auf Nahrungssuche gehen, tun sie das in langen Reihen wie bei einer Prozession. Ihre feinen Härchen sind gefährlich.
Bild: Bernd Settnik/dpa

Die Eichenprozessionsspinner breiten sich im Nördlinger Ries aus. Warum diese Raupen gefährlich sind ...

Sie sind klein, braun und haben feine, weiße Härchen am ganzen Körper. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners breiten sich im Ries immer weiter aus. Und dieser Nachwuchs hat es in sich: Berühren ihre Härchen nämlich die Haut eines Menschen, kann es zu starken Reizungen, eingeatmet sogar zu Asthmaanfällen, bis hin zum allergischem Schock, kommen.

Dem Baum würden sie jedoch weniger schaden, erklärt Hans Weidel, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Donauwörth. Jedenfalls würde er nicht absterben. Deshalb erfolge die Bekämpfung der Raupen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und falle somit unter das sogenannte Biozidrecht. In den vergangenen Jahren gab es einen deutlichen Anstieg der Eichenprozessionsspinner, sagt Werner Vonhoff, Bopfingens Forstamtdirektor. Und auch Weidel warnt: Inzwischen sei der komplette Landkreis, darunter auch Nördlingen, massiv befallen.

Giftige Brennhärchen

Der Nachtfalter legt seine Eier im Kronenbereich einer Eiche ab, die dann Anfang Mai schlüpfen. Die Larven durchlaufen sechs Stadien, währendessen sie sich fünfmal häuten. Erst im dritten Stadium, Mitte Mai bis Anfang Juni, bilden sich die giftigen Brennhärchen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe man die Chance präventiv gegen die Larven vorzugehen, sagt Weidel. Vor allem an Schulen oder Kindergärten werde Pflanzenschutzmittel ausgesprüht. Jedoch müsse man im Hinterkopf behalten, dass man dadurch in die Natur eingreife und auch andere Raupen und Schmetterlinge töte. Auch Vonhoff weiß die Raupen zu bekämpfen: Es gebe ein chemisches Mittel, das die Häutung und somit die Bildung der Gifthärchen verhindert.

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Verpasst man jedoch diesen Zeitpunkt, bilden die Raupen längliche, dunkle Nester, die sie schützen. Vor allem diese sind für den Menschen gefährlich. Denn dort befinden sich auch später noch viele giftige Härchen, die allergische Reaktionen auslösen können. Deshalb erklärt Weidel: Am besten Eichen meiden, und auf gar keinen Fall die Larve oder die Nestgespinnste anfassen. Außerdem solle man an Eichen nicht piknicken oder rasten. Kleidung die Hals, Arme und Beide bedecken seien auch immer von schützendem Vorteil.

Trotz allem könne etwas passieren, sagt Vonhoff aus eigener Erfahrung. Der Wind verwehe die Härchen, welche bis zu zwei Jahre später noch Allergien auslösen können. Das sei einfach nicht vermeidbar. Ihn selbst habe es auch schon erwischt. Zwar gebe es schlimmeres, seine Waldarbeiter schicke er aber seitdem trotzdem nicht mehr in Waldstücke mit Eichenbeständen. Weidel empfiehlt, wenn eine Allergie auftritt, die Hände zu waschen, Kleidung zu wechseln und bei mindestens 60 Grad zu waschen. Bei schlimmen Reaktionen auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Außerdem auf keinen Fall die Nester selbst entfernen. Dafür gebe es Fachfirmen mit der nötigen Schutzkleidung, die die Nester und die Larven aufsaugen. Das müsse jedoch nur geschehen, wenn die Gefahr bestehe, dass Raupe und Mensch in Kontakt kommen könnten.

In langen Reihen am Stamm entlang

Nachts gehen die Raupen auf Nahrungssuche. Das tun sie in Prozessionen, also in langen Reihen am Eichenstamm entlang – daher auch der Name Eichenprozessionsspinner. Diese können bis zu zehn Meter lang werden. Vonhoff erklärt: Man vermute, dass die Raupen damit Fressfeinde in die Irre führen wollen. Durch diese Formation gäben sie vor, eine Schlange zu sein, so würden sie von Vögeln nicht als Nahrungsquelle erkannt. Dieses Täuschungsmanöver nenne man Mimikry.

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