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Deiningen

01.07.2018

Goldmedaille für die Deininger Bücherei

Der Großteil des Büchereiteams, eingerahmt von gemeindlichen und kirchlichen Würdenträgern in Deiningen.
Bild: Ronald Hummel

Bei der Festandacht zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung gibt es eine besondere Auszeichnung.

Es war eine große Geburtstagsüberraschung, die der Augsburger Diözesanbibliothekar Peter Hart für die ökumenische Gemeindebücherei Deiningen auspackte: Auf der Festandacht in der Deininger Erlöserkirche stellte er ein Bibliotheks-Siegel für Büchereien vor, das der St. Michaelsbund als Fachverband für katholische Büchereien im letzten Jahr aus der Taufe gehoben hatte. Die Deininger Bücherei hatte 15 von 15 aufgestellten Kriterien erfüllt und erhielt deshalb als erste bayerische Bücherei das Goldene Büchereisiegel. Hart zeigte sich beeindruckt von dem „Schatz“ in der Bücherei mit über 5000 Medien, der Zahl der aktiven Leser, die jeden statistischen Bevölkerungsanteil im Land übertreffe und den tausenden von freiwilligen Arbeitsstunden der Helfer, auf denen dieser Erfolg beruhe.

Die Andacht wurde vom evangelischen Pfarrer Heiko Seeburg und dem katholischen Pfarrer Benjamin Beck gehalten, die dem Büchereiteam als Geschenk zwei Bibeln überreichten – eine in der Einheitsübersetzung und eine Lutherbibel. Sie werden künftig in einer eigenen Vitrine stehen, die die Gemeinde anfertigen ließ. Pfarrer Seeburg sah die Bibeln als Symbol der Ökumene: Einerseits gebe es immer noch zwei verschiedene Varianten des heiligen Buches, andererseits unterschieden diese sich inhaltlich nicht und stünden somit für Vielfalt in der Einheit. Pfarrer Beck unterstrich in seiner Predigt anhand der Bibel, dass Bücher mehr seien als reine Literatur –unter anderem sei der Nicht-Christ Mahatma Gandhi überzeugt gewesen, dass die brisanten Inhalte der Bibel „die Welt auf den Kopf stellen könnten“.

Bürgermeister Wilhelm Rehklau zeigte in seiner Rückschau, dass die Wurzeln der Bücherei bis in die dunkelste Zeit der Geschichte reichen: im Oktober 1944, im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges, wurde eine von 50 neuen Büchereien der Volksbüchereistelle Schwaben, in Augsburg ausgebombt und in Türkheim neu eingerichtet, in Deiningen an Hauptlehrer Stirner übergeben. Nach dem Krieg wurden von den 100 Büchern 45 ausgeschieden, weil ihnen der Ruch der Propaganda anhing. Doch im Kern blieb der Gemeinde die Bücherei erhalten, wuchs langsam, aber beständig an und wurde 1968 offiziell als „Öffentliche Katholische Pfarrbücherei St. Martin“ gegründet. Ein Zimmer im Pfarrhaus und die kleine Kapelle waren erste Standorte, bevor die Bücherei im Dezember 2000 in das katholische Pfarrheim umzog. Der Durchbruch zur modernen Bücherei war geschafft, als 2000 die Trägerschaft erweitert wurde auf katholische Kirchenstiftung unter Pfarrer Resch, evangelische Kirchengemeinde mit Pfarrer Caesperlein und politische Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Stippler. Konsequenterweise heißt sie seitdem „Ökumenische Gemeindebücherei Deiningen“.

Das Team wuchs von einst vier auf 16 Helferinnen und einen Helfer an, die jährlich 700 Stunden Arbeitszeit aufwenden. Im Rahmen der Andacht wurden die Leiterin Angelika Maier sowie Gerda Wenzel von Peter Hart mit dem Silbernen Ehrenzeichen des St. Michaelsbundes geehrt, Marlies Erdle-Mair erhielt das bronzene Abzeichen. Doch auch die anderen Teammitglieder wurden öffentlich geehrt: Anneke van Bree, Rita Schwarz, Anni Dietrich, Simone Kappel, Maria Beck, Renate Lang, Gerdi Welchner, Lesepatin Katja Ruf-Lettenmeier, Nicole Scheuermann, Daniela Schmid, Maximilian Rieß sowie die neuen Mitglieder Birka Roder, Ann-Christin John und Tina Gärtner. „Der Einsatz für die Literatur ist ein nicht zu unterschätzendes Gut“, würdigte Peter Hart deren Leistungen.

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