Interview

14.11.2012

„Great“ ist fertig

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5 Bilder
Milos Bikovic spielt in „Great“ den jungen Serben Nikola, der im Mai 1942 den Charlie-Chaplin-Film „Der Große Diktator“ in ein deutsches Soldatenkino im besetzten Jugoslawien einschmuggelt. Im „Großen Diktator“ rechnet Chaplin mit Adolf Hitler ab.
Bild: Dog Ear Films

Wir sprachen mit Regisseur Andreas Henn über seinen Kurzfilm. Team-Premiere fand in Nördlingen statt

Es ist so weit: Der Kurzfilm „Great“ ist fertig. Die Dreharbeiten fanden unter anderem im Nördlinger Eisenbahnmuseum statt und zahlreiche Komparsen aus dem Donau-Ries-Kreis wirkten mit. Im Nördlinger Kino Movieworld fand eine nicht-öffentliche Team-Premiere statt. Der Kurzfilm basiert auf einer wahren Begebenheit und dreht sich um den jungen Serben Nikola, der während des Zweiten Weltkriegs den Charlie-Chaplin-Film „Der Große Diktator“ in ein deutsches Soldatenkino einschmuggelte. Die Rieser Nachrichten sprachen mit dem Regisseur Andreas Henn.

Andreas, wie waren die Reaktionen der Komparsen auf den Film bei der Team-Premiere in Nördlingen?

Andreas Henn: Ich glaube, der Film kam sehr gut an. Nach der Premiere habe ich im Foyer des Kinos viele positive Gespräche mit den Komparsen geführt. Jeder hat den Film anders erlebt, es gab sehr viele individuelle Reaktionen. Für die Komparsen war es vor allem schön zu sehen, wie ihre Arbeit am jeweiligen Drehort in den fertigen Film eingeflossen ist. Sie haben auch ihre Erinnerungen an die Dreharbeiten im Mai mit uns geteilt. Wir haben den Abend mit einigen der Mitwirkenden gemütlich beim Schnitzel-Essen und im Irish Pub ausklingen lassen.

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Wann war „Great“ fertig?

Henn: Eigentlich erst 12 Stunden vor der ersten Team-Premiere am 9. November in München (lacht). Die Postproduktion war ein sehr langwieriger Prozess. Wir mussten aus 12 Stunden Film-Material einen Kurzfilm von rund 20 Minuten Länge schneiden. Dabei fallen zwangsläufig Szenen raus, die einem sehr am Herzen liegen – als Regisseur hängt man an jedem einzelnen Bild. Es stecken viel Arbeit und Erinnerungen drin. Aber Schneiden bedeutet immer auch, eine Auswahl zu treffen: Es geht darum, die Dramaturgie des Filmes schärfer und präziser zu machen. Filmemachen ist ein dynamischer Prozess: Anfangs entscheidet man sich, bestimmte Einstellungen zu drehen und merkt später, dass der Film ohne sie besser wirkt. Es bleibt bis zum Ende ein bisschen eine Wundertüte.

Was floss in die Postproduktion noch alles mit ein?

Henn: Da wäre die Filmmusik meines Komponisten Sandy Lopicic. Es gibt zwei musikalische Themen in „Great“: Ein Stück erinnert an ein russisch-jugoslawisches Partisanenlied – ein Marsch. Das andere ist ein getragenes Klarinettenstück, das an die Hauptfigur Nikola angelegt wurde und damit eine intensivere Wirkung erzielen sollte. Computereffekte mussten eingebaut werden, etwa die vorbeiziehende Landschaft im fahrenden Zug oder der originale Film „Der Große Diktator“ auf die leere Leinwand im Kino. Der Sounddesigner sorgte für klaren Ton und die passenden Geräusche, etwa Schritte, Schüsse oder den Lärm des Zuges. Ein Colorist bearbeitete am Ende die Farben der Bilder nach, um der Szene einen ganz eigenen Look zu geben. Im Tonstudio fand letztlich die Endmischung statt. Anfang November war dann alles fertig. Es war schon für rund fünf Monate ein echter Full- Time-Job für uns.

Und wie bist du mit dem fertigen Produkt zufrieden?

Henn: Ich mag den Film irrsinnig gern und schaue ihn immer wieder mit Freude an. Er spielt viel mit Humor, was Spaß macht zuzusehen. Das Projekt befand sich bis heute in einem stetigen Prozess. Das bedeutet, das fertige Produkt ist heute ein teilweise anderes, wie etwa vor einem Jahr beim Schreiben des Drehbuchs. Alles entwickelt sich, auch im Film. Zum Glück.

Wann wird die Weltpremiere von „Great“ für ein großes Publikum stattfinden?

Henn: Wir möchten den Film auf möglichst vielen Festivals weltweit zeigen und haben bereits damit begonnen, ihn auf einigen einzureichen. Die besondere Geschichte von „Great“ soll ein großes und internationales Publikum finden. Daher ist jedes Filmfestival in den nächsten zwei Jahren für uns sehr interessant. Ein erster möglicher Premieren-Zeitpunkt ist Anfang 2013.

Wird der Film im Fernsehen laufen?

Henn: „Great“ wird im SWR und auf Arte zu sehen sein, die Sender haben das Projekt koproduziert. Allerdings erst, nachdem „Great“ erstmals auf einem deutschen Festival lief. Realistisch ist eine TV-Ausstrahlung zwischen Frühjahr und Herbst nächsten Jahres. Die genauen Termine werden wir auf unserer Facebook-Seite bekannt geben.

Wo kann man „Great“ später kaufen?

Henn: Als DVD wird der Film nicht kommerziell vertrieben. Denkbar wäre, ihn als kostenpflichtigen Download im Internet anzubieten. Jeder der Komparsen wird eine DVD des Films erhalten. Auf diese packen wir noch Bonus-Material, beispielsweise ein Making-of, herausgeschnittene Szenen oder ein Interview mit dem echten Nikola, der heute in Belgrad lebt.

Simon Schwarz und Paulus Manker sind in Österreich sehr bekannte Schauspieler. Milos Bikovic gilt als Shooting-Star des Balkans. Wie war es für dich, mit ihnen zu arbeiten?

Henn: Es gab mir eine unglaubliche Sicherheit, die drei im Team zu haben. Sie arbeiten hoch professionell und stehen für absolute schauspielerische Top-Qualität. Sie haben mit ihrem Charakter die Rollen sehr gut ausgefüllt. Es ist ein großes Privileg für einen jungen Regisseur mit ihnen drehen zu dürfen. Wunderbarerweise haben sie, wie die Komparsen und das übrige Team, ohne Gage bei dem Film mitgemacht. Ein großes Geschenk.

Kurzfilme spielen meist kaum Geld ein. Was ist die Haupteinnahmequelle eurer Firma „Dog Ear Films“?

Henn: Wir drehen seit drei Jahren Werbe- und Imagefilme für Unternehmen. Damit finanzieren wir uns die Phasen, in denen wir zum Beispiel Kurzfilme produzieren.

Welches Filmprojekt möchtet ihr als Nächstes angehen?

Henn: Das nächste Projekt soll unser erster langer Kino-Spielfilm werden. Wir haben auch schon erste Ideen. Sehr wahrscheinlich wird es sich nicht um einen historischen Stoff handeln, sondern eher in der heutigen Zeit spielen. Die Mischung aus Komödie und Drama hat mir bei „Great“ besonders gefallen. Ich kann mir gut vorstellen, dass mein nächster Film vom Genre her wieder in eine ähnliche Richtung geht.

Werdet ihr dann auch wieder in Bayern drehen?

Henn: Wir werden auf alle Fälle nach Bayern zurückkehren. Bayern ist ein wichtiger Standort für die deutsche Filmindustrie und auch für uns. Wir wurden zum zweiten Mal vom FilmFernsehFonds Bayern gefördert. Alle Komparsen, die bei „Great“ dabei waren, werden wir dann natürlich anschreiben – soweit das neue Drehbuch nach so vielen Mitwirkenden verlangt. Sie haben alle großartige Arbeit geleistet.

Interview: Sebastian Musolf

www.facebook.com/greatshortfilm
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