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Donau-Ries

02.12.2018

Gut integriert, fest angestellt - und trotzdem abgeschoben?

Ob bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder bei Hitze: Ebere Mishack Ikeanumba sagt über seinen Job als Bauhelfer, dass er ihn liebt. Dem Nigerianer droht allerdings die Abschiebung.
Bild: Julian Würzer

Plus Ebere Mishack Ikeanumba ist seit vier Jahren im Landkreis. Er hat einen Job, spricht deutsch und hat sich integriert. Nun droht die Abschiebung. Ein anderer Fall macht Mut.

Er lächelt. Der Atem, den er dabei ausstößt, bleibt für einen Moment sichtbar in der Luft stehen. Dann schaufelt er Steine vom Straßenrand auf einen Haufen. Ebere Mishack Ikeanumba arbeitet als Bauhelfer bei der Firma Thannhauser Straßen- und Tiefbau GmbH. Derzeit ist er in Untermagerbein im Einsatz. Zusammen mit seinen Kollegen saniert er die Straße in dem kleinen Ort. Wenn die Baustelle fertig ist, soll der Ort der modernste in der Gemeinde Mönchsdeggingen sein. Läuft es schlecht für Ikeanumba, bekommt er davon nichts mehr mit, er könnte dann bereits auf dem Weg in sein Heimatland Nigeria sein.

Ebere Mishack Ikeanumba, 45 Jahre, dunkle Hautfarbe, Kurzhaarfrisur, ist seit vier Jahren in Deutschland. Er spricht lieber auf Englisch, streut aber immer wieder deutsche Sätze mit ein. Von seiner Arbeit sagt er „I love it“. Es hätte noch keinen Tag gegeben, an dem er ungern auf die Straße gegangen sei, selbst wenn die Außentemperatur nahe dem Gefrierpunkt liegt, wie an diesem Tag. Das sei für den Nigerianer ungewohnt, ein dicker Pullover, Handschuhe und dicke Socken lassen es ihn aushalten. In seiner Zeit in Deutschland hat sich der 45-Jährige ein Leben aufgebaut, wohnt mittlerweile zur Miete in Harburg und hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei Thannhauser. Er will hier bleiben, es sei bereits so etwas wie eine Heimat für ihn. Seine Aufenthaltsgenehmigung läuft allerdings im April 2019 aus, da seine Asylbewerbung negativ ausgefallen ist. Damit endet auch die Arbeitserlaubnis des Nigerianers.

Sein Arbeitgeber hat Landrat Stefan Rößle um Hilfe gebeten

Er selbst und auch der Geschäftsführer der Firma Thannhäuser, Johannes Käser, fürchten nun die Abschiebung Ikeanumbas. Deshalb wandte sich der Chef der Firma mit einem Brief an Landrat Stefan Rößle. Darin bittet er ihn, sich für eine weitere Aufenthaltserlaubnis Ikeanumbas einzusetzen. Die Antwort des Landrats sei für Käser nicht befriedigend. Rößle schrieb, dass der 45-Jährige wegen fehlender Heimreisepapiere keine kurzfristige Abschiebung befürchten müsse und rät ihm, an seiner Identitätsklärung mitzuwirken, da ansonsten das Beschäftigungsverbot tatsächlich eintrete. Auf Nachfrage der Rieser Nachrichten sagt Johann Stark, Fachbereichsleiter des Ausländerwesens im Landratsamt Donau-Ries, dass momentan keine Ausreisepflicht für Ikeanumba vorliege.

„Ich kann im Moment einfach nichts machen“, sagt Käser im Gespräch mit den RN. Der Nigerianer sei ein tüchtiger Arbeiter, komme immer pünktlich, sei immer da und scheue sich nicht vor der schweren Arbeit. Er würde ihm deshalb gerne eine Ausbildung als Straßenbauer anbieten. Eine Chance hätte er laut Käser nur, wenn er in sein Heimatland zurückkehrte und eine neue Einreise mit entsprechendem Visum beantrage.

Diese Odyssee hat Keba Djitte hinter sich. Der 40-jährige Senegalese macht eine Ausbildung zum Metzger bei der Metzgerei Münzinger in Harburg. Er war, wie auch Ikeanumba, in der Flüchtlingsunterkunft in Mündling. Von dort wurde er an die Metzgerei vermittelt. 30 Tage hat er laut Personalleiterin Gudrun Koffler im Betrieb zur Probe gearbeitet. Dann wurde er eingestellt. Kein leichtes Unterfangen, da Djitte Moslem sei und deshalb nicht wusste, wie er beim Schlachten mit dem Blut umgehen soll. Aber es gehöre zu dem Beruf dazu, habe man ihm immer wieder gesagt. Das ist drei Jahre her. Mittlerweile ist der Senegalese stolz auf seine Blutwurst und behauptet sogar, dass es die beste überhaupt sei.

Ein anderer Fall macht Ebere Mishack Ikeanumba Mut

Es lief gut für den 40-Jährigen, bis eines Tages das Landratsamt anrief: Die Aufenthaltsgenehmigung Djittes werde nicht verlängert. „Für uns ist erst einmal eine Welt zusammengebrochen“, erzählt Koffler. Daraufhin habe sie Telefonate geführt, mit dem Landratsamt und der Handwerkskammer. Schnell stand fest, er habe nur eine Möglichkeit, das zu tun, was Ikeanumba droht: In sein Heimatland zurückzufliegen und ein neues Visum in der deutschen Botschaft zu beantragen. „Wir ließen uns darauf ein“, sagt Koffler. Dann hätten sie Keba Djitte mit einem Fotobuch ausgestattet, damit er bei der Botschaft vorzeigen könne, dass er wirklich arbeitet, und ihm garantiert, alles menschenmögliche zu unternehmen, dass er wiederkommen könne. Doch die ersten Wochen tat sich nichts.

Djitte versuchte mehrfach, im Senegal an seine benötigten Papiere zu kommen, ohne Erfolg. „Wir hatten Angst, dass er aufgibt“, sagt Koffler. Denn er sei mehrere Wochen im Senegal gewesen, bis sie beim Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange in Berlin anrief. „Wenige Tage später stand Keba dann vor unserer Türe“, sagt sie. Nun hat er seine Lehre begonnen. Keba Djitte ist laut der Handwerkskammer für Schwaben einer von 46 Auszubildenden mit Flüchtlingshintergrund im Landkreis. Für die Dauer seiner Lehre hat er eine Aufenthaltsgenehmigung. Durch die sogenannte „3+2-Regel“ könnten es noch zwei zusätzliche Jahre werden, teilt die Handwerkskammer Schwaben mit. Was danach komme, weiß weder Koffler, noch er selbst. „Er wünscht sich nur, irgendwann seine Familie aus dem Senegal herholen zu können und sein Leben hier weiterführen zu können“, sagt sie.

Ebere Mishack Ikeanumba hat diese Reise noch vor sich, sofern er sich darauf einlässt. Dann wäre er der 47. Auszubildende mit Flüchtlingshintergrund im Landkreis.

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