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05.03.2009

Gute Potenziale werden noch nicht ausgeschöpft

Nördlingen (hum) - Zur Bürgerversammlung der Kernstadt Nördlingen begrüßte Oberbürgermeister Hermann Faul in der Alten Schranne Dieter Popp von der Münchner Firma "Futour". Er stellte ein touristisches Entwicklungs- und Handlungskonzept für Nördlingen und das Ries vor. Die Impulse dazu kamen aus vier Sitzungen eines Tourismusforums, das aus einer breiten Schicht von Vertretern der Bürgerschaft bestand und künftig im Nördlinger Stadtmarketingverein fortgeführt werden soll.

Popp zeigte sich sehr angetan von einem Film mit Nördlingen-Impressionen, den die Film-AG von Maria Stern gedreht und mit einem eigens komponierten Lied vertont hatte. Erstens überzeugte die Professionalität, zweitens sei es ein gutes Zeichen, wenn sich die jungen Bürger für ihre alte Stadt engagieren. Der Film ist, wie berichtet, im Internet auf der Nördlingen-Seite zu sehen und wird bei Empfängen der Stadt vorgeführt.

Der Tourismus-Experte erläuterte, dass für Nördlingen die Zeichen der Zeit gut stünden: Der Trend zurück zu den Wurzeln, Urlaub in Deutschland, Städte- und Shoppingtourismus, Wandern, Radfahren, Genuss regionaler Küche - das alles boome zurzeit und entspreche genau dem regionalen Profil. Entsprechend dem vielfältigen Erlebnis, das der Besucher suche, sollten die Angebote verknüpft werden, was bei Weitem noch nicht geschehen sei.

Absprachen fehlen

Gute Potenziale werden noch nicht ausgeschöpft

So hätten zwei Umfragen unter Einzelhandel und Gastronomie gezeigt, dass noch kein Einklang und keine Absprachen herrschten, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten. Der Einzelhandel wünsche sich mehr Belebung der Einkaufsatmosphäre vor allem am Marktplatz, ein großes Kino und mehr Betten. Mehr Gemeinschaftsaktionen wie Aktionstage oder Konzerte sollten zu größerer Verweildauer animieren.

Die Gastronomie lehne mit knapper Mehrheit mehr Betten in der Stadt ab und wolle, dass bei Erweiterungen auch modernes Design in der Innenstadt zugelassen werde. Sie fordere eine größere Verkehrsberuhigung und weniger Einkaufsaktionen außerhalb der Stadt.

Popp störte die verwirrende Vielfalt von Tourismus-Ebenen wie Romantische Straße, Geopark, Ferienland Donau-Ries, Tourismusverband Ries-Ostalb oder Ries-Gastronomie. Die Region müsse vielmehr als unverkennbare Einheit auftreten. Sie könne sich mit teils weltweit einzigartigen Besonderheiten wie der Krater-Geologie profilieren, die aber enger mit anderen Erlebnispotenzialen wie Wander- und Radwegen oder Gastronomie verknüpft werden müssten. Popp zeigte so manche unbekannte Perspektive auf: So liegen weltweit die Hälfte der Geoparks in China: "Die Chinesen haben deshalb ein besonderes Verhältnis dazu, entdecken gerade ihre Reiselust und fragen überregional bereits gezielt nach Geopark-Angeboten nach."

Dieter Popp hob den Stadtmarketing-Verein "Nördlingen ist's wert" als Integration für Akteure aus verschiedensten Bereichen hervor: "Andere Städte suchen noch nach solch einer Plattform." Doch nicht nur nach innen, auch nach außen solle man markante Verbindungen herstellen und sich noch enger mit guten Nachbarn wie Schwäbischer Alb oder Altmühltal zusammenschließen. Nördlingen als mittelalterliche Stadt genau in der Mitte dieser Naturlandschaften wäre dabei ein Angelpunkt.

Konkret wurden bereits 23 Maßnahmen definiert, wie Teilnahme an einer Qualitätsoffensive des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes oder die Mitgliedschaft bei "Citta Slow", einer Vereinigung von Städten, die gezielt die Ess-Kultur als Gegenpol zum Fastfood fördern. Kinderkulturprojekte sind ebenso angedacht wie die Ausweitung der Nördlingen Card zur Tourist Card oder die Weiterführung der Zeitungsaktion "Nördlinger als Gastgeber".

Übernachtungszahlen deutlich gesteigert

Eva Schilberger, Leiterin der Nördlinger Tourist-Information, konnte mit höchst erfreulichen Zahlen aufwarten: Die Übernachtungen sind von 70 000 auf 87 000 im Jahr 2008 hochgeschnellt - ein Plus von fast 25 Prozent. Dies sei eindeutig auf das Familien- und Jugendgästehaus zurückzuführen. Die zusätzlichen Gäste gehörten zudem einer neuen, jüngeren Gruppe an. Die durchschnittliche Verweildauer sei von 1,5 auf 1,7 Nächte angestiegen.

Die Alte Schranne war bei der Bürgerversammlung mit 80 Zuhörern gefüllt, darunter etliche Mitglieder aus Stadtrat und Verwaltung, die zur Diskussion bereit waren. Doch die Bürger nahmen das Angebot des Oberbürgermeisters - "Red mit, mach mit" - nur spärlich an und beschränkten sich weitgehend aufs Zuhören.

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