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Nördlingen/Oettingen

07.01.2021

Händler öffnen Türen für Bestellungen, stiller Protest in Oettingen

Abholen von Waren ist nun wieder direkt bei den Geschäften möglich. Die Kunden von Bücher Lehmann haben die bestellten Bücher im aktuellen Lockdown im Bioladen in der Augsburger Straße abgeholt.
Bild: Verena Mörzl

Plus Der Lockdown wird verlängert, was Einzelhändler in eine immer aussichtslosere Lage bringt. Ein Lichtblick in der Krise: Das Abholen von Waren vor Ort ist wieder gestattet.

Für viele regionale Händler ist ihr persönlicher Online-Handel nur Schadensbegrenzung. Als möglicherweise „letzten Strohhalm“ hat Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auch deshalb die jüngste Entscheidung für den Einzelhandel bezeichnet: Der Abholservice ist nun auch in Bayern erlaubt. Der Service wird weithin auch als Click&Collect bezeichnet, das bedeutet, in regionalen Geschäften sind Bestellungen online möglich, der Kunde kann die Ware dann im Laden abholen, der eigentlich geschlossen wäre. In anderen Bundesländern war der Service bislang schon erlaubt. Der Freistaat befürchtete aber Menschenansammlungen und ließ das Angebot zunächst nicht zu.

In Nördlingen hat das beispielsweise dazu geführt, dass die Buchhandlung Lehmann die bestellten Waren in den Bioladen in der Augsburger Straße lieferte. Dort holten die Rieser ihre bestellten Bücher ab. Jetzt wird das einfacher. Den Abholservice darf das Geschäft nun auch vor Ort in der Nördlinger Innenstadt anbieten. Ralf Lehmann scheint erleichtert, die Waren ohne Zwischenstation verkaufen zu können. Er verdeutlicht, wie wichtig der Austausch mit dem Kunden vor Ort ist. Auch jetzt seien viele auf Fachliteratur angewiesen oder auch Schulbücher. Er erklärt außerdem, dass gerade das Medium Buch vielen Menschen in dieser Zeit das Liebste sei. Seine Kunden hätten den Online-Service angenommen, sie kennen ihn aber auch schon seit Längerem: Online einkaufen war in der Nördlinger Buchhandlung bereits lange Zeit vor der Krise möglich.

Click&Collect in Nördlingen

Dennoch habe er sich mit seinem Team neu erfinden müssen, immer wieder. „Wir wollen die Verbindung im gegenseitigen Interesse“, sagt er zu den Versuchen, trotz Lockdowns präsent zu sein. Er habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass sich die inhabergeführten Geschäfte seiner Branche deutlich ideenreicher zeigten als die Ketten.

Ein anderer Zustand verstimmt ihn deutlich: Während sich in großen Einkaufsmärkten gerade am Wochenende Menschen ansammeln dürfen, müssen viele Einzelhändler in der Innenstadt ausharren. Lehmann bezeichnet den Umstand als „himmelschreiend ungerecht“.

Die Geschäfte dürfen also zumindest zur Warenausgabe ihre Türen wieder öffnen: Susanne Vierkorn sieht das als positives Zeichen und bezeichnet es als „unerwartete Freiheit“. Zwar führe der lokale Online-Handel nicht zwingend zu einer ausgeprägten Umsatzsteigerung, aber es sei ein wichtiges Zeichen für den Kunden. Begeistert zeigt sich die Geschäftsstellenleiterin des Stadtmarketingvereins vom Service, den einige Nördlinger Firmen bieten würden. Die Bestellungen seien deutlich schneller zu Hause als bei großen Online-Händlern. Vierkorns Erkenntnis: „Sonst hat man immer online bestellt und gedacht, dass es schnell geht. Aber lokal geht es teilweise um einiges schneller.“ Vierkorn könne sich sogar vorstellen, dass der lokale Online-Handel als zusätzliches Standbein bleibe, zumindest in den Geschäften, die dazu Personal einsetzen können.

Neben dem Service Click&Collect, Vierkorn übersetzt den Begriff mit: „Bestellt es lokal und holt es ab“, würden nach wie vor viele Geschäfte eine Online-Beratung anbieten. Auf der Homepage des Stadtmarketingvereins sind im Menüpunkt „Mitglieder“ sämtliche Händler aufgelistet, die einen Online-Shop anbieten. Dort seien auch diejenigen zu finden, die sich noch etwas zögerlich gegenüber einem Auftritt in den Sozialen Medien zeigten.

Online in Nördlingen einkaufen, vor Ort abholen

Am Ende des RN-Gesprächs gerät Vierkorn trotz Krise ins Schwärmen, sie lobt den Einsatz vieler Nördlinger Unternehmer und zählt auf, wo sie ein „Geben und Nehmen“ empfinde: Expert Müller, Bücher Lehmann, Hosenecke, Optik Schweda, Lettenbauer … Und freilich sei die Liste an dieser Stelle noch lange nicht vollzählig.

Trotz Lichtblicken: Die wirtschaftliche Situation werde für einige Rieser Unternehmer immer aussichtsloser, schildert Isabella Baur von der Oettinger Werbegemeinschaft. „Die Entscheidungen nehmen wirtschaftlich enorme Ausmaße an“, sagt die Friseurmeisterin. Zwar würden auch in Oettingen die alternativen Angebote wie der Lieferdienst „Storchenexpress“ oder Bestellungen von zu Hause aus gut angenommen, doch die Aussichten würden dennoch düsterer. Deshalb hat Baur unter den Mitgliedern der Werbegemeinschaft zur Aktion „Wir stehen auf“ aufgerufen. Die Einzelhändler wollen darauf aufmerksam machen, dass sie trotz des Lockdowns da seien und die Schließungen nicht einfach so hinnehmen würden. Die Friseurmeisterin schaltet dafür am Montag das Licht in ihrem Geschäft ein, hängt Luftballons vor die Tür: Sie sagt: „Mir ist klar, das ist nur eine kleine Aktion. Aber wir wollen ein Statement setzen. Wir sind noch da!“

Der Stadtmarketing Nördlingen ist unter folgender Adresse erreichbar: noerdlingen.biz

Die Werbegemeinschaft Oettingen unter: www.oettingen-erleben.de


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