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Hintergrund

24.10.2017

„Hallgebäude wird entstellt“

Im Hof des Nördlinger Hallgebäudes soll ein Quader gebaut werden. Damit will die Stadt mehr Platz für die Grundschule Mitte schaffen. Doch manche sind mit den Plänen nicht einverstanden – unter anderem Professor Dr. Hermann Keßler.
Bild: Szilvia Izsó

An die Grundschule Mitte in Nördlingen soll ein Quader angebaut werden. Im Frühjahr gab es für den Entwurf im Bauausschuss noch Lob. Doch jetzt wird Kritik laut

Dieses Projekt sorgt für Gesprächsstoff: Im Hof des Hallgebäudes will die Stadt Nördlingen einen barrierefreien Anbau errichten lassen. Damit soll die Grundschule Mitte mehr Platz bekommen – unter anderem, um eine offene Ganztagsgruppe einrichten zu können. Bei diesem Angebot können Eltern ihre Schulkinder an mindestens zwei Tagen pro Woche bis 16 Uhr betreuen lassen, bezahlen müssen sie nur für das warme Mittagessen. Nun stört so manchen Nördlinger aber, wie dieser Anbau aussehen soll. Neben dem Hallgebäude stellen sich die Architekten Meissler aus München einen modernen Quader vor. Für Professor Dr. Hermann Keßler undenkbar in der historischen Altstadt im Ries.

In einer Email an die Rieser Nachrichten äußert sich der Sohn des verstorbenen Oberbürgermeisters Dr. Hermann Keßler zum Anbau: „Stadt und Stadtrat streifen selbst die Fesseln des Denkmalschutzes ab und schaffen den Präzedenzfall eines großen Flachdaches.“ Keßler fragt sich, wie die Stadt sich bei künftigen Baugesuchen noch mit ihren Wünschen durchsetzen wolle – etwa in Sachen Fenstersprossen oder schrägen Dächern auf flache Fertiggaragen. Der einmalige Charakter der Nördlinger Altstadt und deren Attraktivität werde beseitigt, die einmalige filigrane und kleinteilige Dachlandschaft stark beeinträchtigt, das Hallgebäude selbst entstellt. Und: „Ein Schlag ins Gesicht ist dieser Bau natürlich für alle Bürger dieser Altstadt, die in mehr als 40 Jahren Altstadtsanierung bei Um- und Neubauten viel Geld, Zeit und Mühe aufgewendet haben, um ihre Häuser dem einmaligen Charakter dieser Stadt angepasst zu halten.“

Aus den Reihen des Nördlinger Stadtrates ist einiges Grummeln zu hören – nicht nur, weil dem Vernehmen nach mehrere Bürger den Kommunalpolitikern deutlich gemacht haben, was sie von diesem Anbau halten. Sondern auch, weil der Quader mit rund 3,9 Millionen Euro zu Buche schlägt und damit teurer werden wird, als noch im Frühjahr dieses Jahres geschätzt wurde. Damals hatten die Architekten Meissler den Stadträten im Bauausschuss übrigens sogar ein Modell von Hallgebäude und Anbau mitgebracht. Und damals gab es für den Entwurf noch viel Lob, „gelungen“ nannte ein Rat die Idee.

Diese Formulierung wählt die Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dorothee Ott, zwar nicht. Doch auf Nachfrage der Rieser Nachrichten sagt sie, dass das Amt aus fachlicher Sicht keine Einwände gegen den geplanten Anbau geäußert habe. Es sei nachvollziehbar, dass die Schule eine Erweiterung brauche. Zudem bringe sie Leben in die Stadt. Wichtig sei dem Landesamt für Denkmalpflege, dass die Traufhöhe des neuen Baukörpers unter der des Baudenkmals bleiben sollte. Diese Forderung wiederum sei mit dem Entwurf der Architekten Meissler erfüllt.

„Das kann schon funktionieren“, meint ein Nördlinger, der in der Altstadt Häuser besitzt und sich demnach bei Umbauten schon an die Altstadtsatzung halten musste. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Wichtig sei es bei diesem Projekt, zu überlegen, wie man den Anbau ans Hallgebäude gestalte. Auch in anderen Städten gebe es eine Verbindung zwischen neu und alt, die könne funktionieren.

Mit dem Beschluss von Mitte Oktober hat sich der Stadtrat auf die Form eines Quaders festgelegt. Wie dessen Fassade aussehen soll, ist aber noch offen, sagt Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel.

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